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Joseph und das Brauchtum im Kleinwalsertal
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Joseph und das Brauchtum im Kleinwalsertal -

Josefi und das Brauchtum im Kleinwalsertal

"Josefi" oder "Josefatag" (19.03.)

Aus schriftlicher und mündlicher Überlieferung ist bekannt, dass der Josefstag ein alter Festtag ist und auch als solcher stets gefeiert worden ist. Sein Ursprung und mithin die Verehrung des hl. Josef reicht zurück bis ins 9. Jahrhundert. 1621 wurde der 19. März ein gebotener Feiertag, 1870 wurde der heilige Josef zum Schutzpatron der gesamten Kirche erhoben. Seit 1956 feiert die Kirche zusätzlich am 1. Mai, der in der ganzen Welt als „Tag der Arbeit“ gefeiert wird, das Fest des heiligen Josef des Arbeiters. Kurz gefasst gilt der Heilige Josef als Schutzpatron der Familie und wird vielfach in großer Not als Fürbitter angerufen und nicht zuletzt als Trost der Sterbenden genannt. Der gute Katholik verehrt ihn seit je und somit ist es nicht verwunderlich, dass es früher nur wenige Familien gab, wo nicht ein Josef, Seppl, Pepi oder eine Josefa, Sefa und wie sie alle hießen, dabei war.

"Josefi im Lichte der Schwabenkinder"
Mit gemischten Gefühlen sahen dem Josefitag jährlich auch einige Kinder aus unserem Tal entgegen, denn zu diesem Zeitpunkt wurden sie „ins Schwabenland geschickt“. Dieser, speziell in unserer Nachbarschaft Tirol und Vorarlberg sehr gebräuchliche „Sklavenmarkt“ im vorigen Jahrhundert, war auch in unserem Tal bekannt. Aus der Überlieferung wissen wir, dass bis etwa um 1890 einige über 10 Jahre alte Kinder aus kinderreichen oder ärmeren Walserfamilien ins „Schwabenland“ geschickt wurden. Bereits um Lichtmeß nahm ein erfahrener Mann „Bestellungen“ auf und dann zwei Tage vor Josefi holte er die Gemeldeten mit ihrem „Hääßruckseckle“ ab und es ging auf die Reise. Als letzter Reiseführer aus dieser Zeit war bei uns „Wirts Hans“ (Johann Jodok Fritz von Mittelberg) bekannt und seine Truppe ging Richtung Obergünzburg.

Nach dem mehrstündigen Fußmarsch bis nach Sonthofen folgte dann für die meisten Kinder die erste Bahnfahrt. Mit dem Zug ging es bis nach Günzach und dann wieder zu Fuß weiter bis Markt Obergünzburg. Dort trafen sich nach dem Gottesdienst am Josefitag traditionsgemäß die Bauern der Umgebung und suchten nach Arbeitskräften. Und manch einer nahm dann ein solch feilgebotenes Knechtlein oder Mägdlein mit nach Eglofs, Willofs, Mindelberg, Immental, Günzach und Aitrang. Die Kinder erhielten eine nahrhafte, aber oft eintönige Kost, sie wurden roh behandelt und als billige Arbeitskräfte im Stall und auf dem Acker so richtig ausgenützt. Für die Eltern dieser Kinder (ihnen waren die Verhältnisse meist genau bekannt), gab es eigentlich nur eine Begründung oder Entschuldigung und die war: „dia Googa müaßa folga ond ghöörig schaffa leera“. Meist litt aber mit dem Umgang unter grobredigem Gesinde die moralische Erziehung. „Du fluachscht ja, als ob du im Schwaabaland gsee wärscht“, diese alte Walser Redewendung weist eindrucksvoll darauf hin.

Den Haupterfolg aber sah man in der Tatsache, daß die Kinder ein halbes Jahr „ab der Köstung waren“ und auch noch neues oder neueres Hääß, Schuhe und einen Lohn von 15 bis 40 Mark heimbrachten. Die Rückkehr der Schwabenkinder ins Kleinwalsertal war dann gemeinsam am Simon-Judä-Tag (30. September). Mit sichtlichem Stolz, dass sie das alles ausgehalten hatten, erzählten sie dann den daheimgebliebenen Schulkameraden von ihren Erlebnissen. Diese beneideten sie nicht um die sauren Wochen ihrer schweren Arbeit, wohl aber um die „schööna Schtiifele“ die sie mitbrachten und vor allem aber den Vorteil, schon ab Josefi der furchtbaren Schule entronnen zu sein.

Mit freundlicher Unterstützung von
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