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Mariä Himmelfahrt am 15. August
Maria - Hochfest Assunta - Wurzweihtag - Mariä Entschlafung - Kräuterbüscheltag
Maria Himmelfahrt - Assumtio beatissimae Virginis Mariae

Maria - Hochfest Assunta, "Mariä Himmelfahrt"
- orthodox: "Dormition" - Entschlafung

Maria Himmelfahrt oder Aufnahme in den Himmel wird in der abendländischen wie in der morgenländischen Kirche am 15. August gefeiert. Die heiligen Schriften enthalten nach den Tode des Heilandes nichts ausdrückliches mehr von den letzten Lebensjahren und dem Tode der heiligen Jungfrau Maria; auch haben die älteren Kirchenväter schriftlich nichts darüber hinterlassen. Der heilige Epiphanius († 403) sagt in haeres. LXXVIII. 11. gegen die Feinde der heiligen Jungfrau:

„Sie mögen in der hl. Schrift nachforschen, sie werden darin den Tod Maria`s nicht finden, weder ob sie gestorben oder ob sie nicht gestorben, noch ob sie begraben oder nicht begraben worden sei... Ich entscheide darüber nicht und sage nicht, daß sie unsterblich geblieben ist; aber ich behaupte auch nicht, daß sie gestorben ist”.

Er existierte zwar im fünften Jahrhundert eine Schrift unter dem Titel: Transitus S. Mariae Virginis (cf. Baron. Annal. eccles.ad an. 48 Christi n. 12-14. und Natalis Alex. hist. eccles. seculi II. art. III. $ unic.); allein dieselbe war fälschlich dem Melito, Bischof von Sardes (blühte um 170), zugeschrieben worden und enthielt so viel des Falschen und Fabelhaften über den Tod Maria`s, daß sie von Papst Gelasius I. auf der römischen Synode im J. 496 als ein Apocryphum bezeichnet wurde (Harduin, Collect. conc. t. II. pag. 491). Dagegen berichtet Nicephorus Callistus in s. Hist. eccles. lib. XV. c. 14: Juvenalis, Bischof von jerusalem, welcher mit den übrigen Bischöfen Palästina`s auf der Synode zu Chalcedon (im J. 451) war, habe dem Kaiser Marcianus, welcher ihn nebst den anderen palästinensischen Bischöfen zu sich nach Konstantinopel hatte kommen lassen, um ihn zu fragen, ob der hl. Leib der Mutter Gottes noch in Palästina in dem Grabe liege, wohin er gelegt worden sei, da er denselben in die neue Kirche, welche seine Gemahlin Pulcheria zu Konstantinopel der heiligen Jungfrau Maria zu Ehren gebaut und Blachernä genannt hatte, transferieren wolle, zur Antwort gegeben:

„in der hl. Schrift werde zwar von dem Tode Maria`s nichts erwähnt, aber gemäß einer sehr alten und ganz zuverlässigen Tradition seien die Apostel, als der Tod Maria`s heran genaht ist, aus den verschiedenen Ländern, wohin sie das Evangelium zu predigen zerstreut gewesen, nach Jerusalem gekommen... und ihr Sohn (Jesus) sei dazu gekommen und habe ihren Geist aufgenommen; ihr hl. Leib aber sei in Gethsemane unter dem Gesange der Engel und Apostel begraben worden; als aber am dritten Tage das Grab wieder geöffnet wurde, habe sich ihr hl. Leib nicht mehr vorgefunden, sondern nur ihre Leichentücher, welche einen unbeschreiblichen Wohlgeruch verbreitet hätten; die Apostel hätten alsdann das Grab wieder versiegelt und über dieses große Wunder erstaunt bloß das gedacht, daß der Herr den unbefleckten hl. Leib Maria`s vor der allgemeinen Auferstehung aller mit der Unsterblichkeit geehrt und durch Engel in den Himmel habe bringen lassen. Nachdem Juvenalis dieses gesagt, hätten die fürstlichen Personen (Marcianus und Pulcheria) von ihm verlangt, daß er das selbe hl. Grab mit den hl. Kleidern wohlversiegelt ihnen nach Konstantinopel schicken möge. Juvenalis habe dann auch das hl. Grab nach Konstantinopel geschickt und es sei dann in die Blachernä-Kirche neben den hl. Tisch gestellt worden. Das hl. Kleid aber sei etwas später unter Leo dorthin gebracht und in die runde Kirche, welche dieser Leo erbaut habe, gelegt worden.”

Die griechischen Väter des siebten und achten Jahrhunderts, wie Andreas Cretensis, in orat. 2. delaudibus assumtae Virg. Germanus, Patriarch von Constantinopel, in Orat. 1. in dormitione Deiparae, und Johannes Damascenus in orat. 2. in dormitione B. Mariae wiederholen, daß die hl. Jungfrau Maria gestorben und begraben, aber am dritten Tage wieder aus dem Grabe erweckt und ihr Leib mit der Seele vereinigt in den Himmel aufgenommen worden sei. Die orientalische Kirche hat dieses endlich selbst ausgesprochen. So wurde auf einer Synode der armenischen Bischöfe im Jahr 1342 erklärt: Sciendum est. quod ecclesia Armenorum credit et tenet, quod S. Dei Genitrex virtute Christi assumta fuit in coelum cum corpore. Und die griechische Kirche bezeugt es in ihrem Menologium zum 15. August und auf ihrer Synode zu Jerusalem, welche sie unter dem Patriarchen Dositheus im Jahre 1672 gegen die Calvinisten gehalten, wo sie im Kapitel über die Verehrung der Heiligen von der hl. Jungfrau Folgendes ausgesprochen hat:

Ipsa est procul dubio Virgo Sanctissima, quae magnum in terra signum cum extiterit, eo quod Deum in carne genuit, et post partum integerrima virgo permansit, recte etiam signum esse dicitur in coelo, eo quod ipsa cum corpore assumta est in coelum. Et quamvis conclusum in sepulchro fuerit immaculatum corporis ejus tabernaculum, in coelum tamen, uti Christus fuerat assumtus, tertio et ipsa die in coelum migravit.

In der abendländischen Kirche berichtet zuerst Gregor von Tours († 595) in seinem Buche de gloria martyrum lib. 1. c. 4. die obige Überlieferung über die leibliche Aufnahme Marias in den Himmel.

Auch haben sich die angesehensten Theologen der katholischen Kirche durch das Mittelalter herab zu der Meinung bekannt, daß die hl. Jungfrau Maria nicht bloß ihrer Seele nach, sondern zugleich mit ihrem Leibe in den Himmel aufgenommen worden ist und haben dieses auch durch Gründe aus der hl. Schrift und aus der Congruenz und Analogie zu unterstützen gesucht. So z. B. Ildephons von Toledo aus dem siebten Jahrhundert in serm. 6. de assumtione, Fulbertus in serm. 2. de nativitate, petrus Damiani in serm. de assumtione, Petrus Blesesis in serm. 28. de assumtione, Hugo a s. Victore lib. 3. erudit. theolog. ex. miscell. 2. cod. cap. 125. aus dem zehnten und elften Jahrhundert. Thomas von Aquin aus dem 13ten Jahrhundert in part. qu 27. art. 1. und 3. part. qu 83. art. 5.; und nach ihm alle Thelogen des 14ten und 15ten Jahrhunderts usw.

Über den Ort, wo Maria gestorben ist, bestehen zwei Meinungen; die eine bezeichnet Jerusalem als solchen und hat ihren Grund in der alten Tradition, auf welche sich oben Juvenalis, Bischof von Jerusalem, beruft; die andere Ephesus, doch beruht diese auf einen bloßen, sehr schwachen philologischen Vermutung (siehe Bened. 1. c. $108), so daß die erstere den Vorzug verdient. Über das Todesjahr der hl. Jungfrau ist keine verbürgte historische Nachricht vorhanden. Baronius hat die verschiedenen Aussagen der Alten darüber gesammelt in seinem Annal. ad an 48 Christi, weil Eusebius in seinem Chronicon zu diesem Jahre bemerkt: Maria Virgo Christi mater ad filium in coelum assumitur, ut quidam fuisse sibi revelatum scribunt. Danach hätte sie ihren Sohn 14 oder sogar 15 Jahre überlebt. Diese Angabe ist aber, wie man sieht, ganz unsicherer Art, und ebenso, wie diese, sind auch die übrigen, so daß sich Baonius für keine entscheiden kann; ebenso macht es Benedict XIV. 1. c. $103 u. 109. Nicht minder unsicher wie das Jahr ist auch der Tag des Todes und der Wiedererweckung und Aufnahme Marias in den Himmel. Die gewöhnliche Meinung, die sich gleichfalls auf die obige von Juvenalis angeführte alte Tradition stützt, ist, daß Maria drei Tage nach dem Tode wieder auferweckt und in den Himmel aufgenommen worden sei.

Die Feier dieses festes gehört aber zu den ältesten und sein erster Ursprung läßt sich nicht mehr ermitteln. Nach einem alten, von Florentinius heraus gegebenen Martyrologium der abendländischen Kirche wurden ursprünglich der Todestag der hl. Jungfrau und der Tag ihrer Himmelfahrt jeder besonders gefeiert, und zwar einer am 18. Januar und dieser am 15. August. So findet es sich auch in der Liturgia Gallicana von Mabillon lib. 2. pag. 118. (Bened. I. c.).

Die Kirche feiert aber seit dem sechsten Jahrhundert das Andenken an diese Ereignisse an EINEM Tag, nämlich dem 15. August, indem, wie Ricephorus berichtet in hist. eccles. lib. 17. c. 28, der Kaiser Mauritius (582-602) befahl, daß das Fest des Todestages (Dormitionem) der hl. Gottesgebärerin am 15. August gefeiert werden solle, sei es nun, daß im Orient, wo es nach dem Concil von Ephesus (431) eingeführt worden sein soll damals nur ein Fest für beide Ereignisse gefeiert wurde und es daher das selbe vom 28. Januar auf den 15. August verlegte oder daß er das erste mit dem zweiten vereinigte. Hieraus geht aber hervor, daß es schon lange vorher von der Kirche eingeführt worden war. (cf. Baronius ad Martyrolog. Roman. annot. ad 15. Augusti, und Bened. 1. c. $126). Nach einigen soll es Papst Damasus (366-384) eingeführt haben; im Sacramentarium des Papstes Gelasius († 496) kommt es schon ausdrücklich vor; und Papst Sergius I. (687-701) verordnete, wie der Liber pontificalis zeigt, ut diebus Annunciationis Domini, Nativitatis, et Dormitionis sanctae Dei Genitricis semperque Virginis Mariae... Litania exeat a St. Hadriano, et ad S. Mariam populus occurrat (Bened. 1. c. $ 126).

Es war also hiernach ein Hauptfest in Rom, welches mit einer Prozession von der St Hadrianskirche aus begangen wurde und woran das Volk Teil zu nehmen hatte und zwar mit einer Vigilie am Vorabend, wie ein alter Coder bei Thomasius angibt: Vigilia Pausationis S. Mariae und einem Fasten am Tage vor dem Fest, wie Nicolaus I (858) dieses in seinem Schreiben an die Bulgaren unter andern Fasten erwähnt, mit dem Zusatz: quae jejunia sancta Romana suscepit antiquitus et tenet ecclesia (cf. Bened. 1.c.$123). Als Hauptfest wurde es auch schon im sechsten Jahrhundert in Frankreich und Deutschland begangen.

In Frankreich erhielt dieses fest eine neue Wichtigkeit, seitdem Ludwig XIII. im Jahre 1638 diese Gedächtnisfeier gewählt hatte, um sich und sein Reich der hl. Jungfrau zu weihen und von Gott einen Thronerben zu erflehen.

In manchen Gegenden Deutschlands werden an diesem Tag auch gewisse Kräuter zu Ehren der hl. Jungfrau geweiht, woher dieses fest auch Mariä Kräuterweihe oder Würzweihe genannt wird.

Quelle:
Encyklopädie der katholischen Theologie und ihrer Hilfswissenschaften von 1851. Neu bearbeitet und digitalisiert von Josef Dirschl (2008)

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