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Nachtwächter
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Nachtwächter - ein Beispiel aus der Eifel

Hört ihr Herrn und laßt euch sagen...

Der Nachtwächter! Welche Bilder und Klischees haften an diesem Beruf! Das stille, fast ausgestorbene Eifeldorf, das kleine Städtchen, die lauschigen Winkel und Gäßchen, in die der Mond hineinlugt, ein einsamer Nachtschwärmer mit seinem Lichtchen und der dumpfe Ruf eines Kauzes, der um das Kirchengemäuer flattert . . .

Dann, von Stunde zu Stunde die getragene Weise, die der Hüter der nächtlichen Ordnung seinem Horn entlockte. Bis um die Mitte des 19. Jahrhunderts tat der Nachtwächter seinen Dienst, bewaffnet mit Spieß und Horn, rückständig in technischen Dingen und versessen Ausschau haltend, ob denn nicht jemand auffiel wegen Trunkenheit, Anstiftung oder Diebstahl. Naturverbunden, ursprünglich, unendlich vertrauenserweckend und liebensvoll - solche Attribute verbanden die Menschen in Stadt und Land mit dem Ordnungshüter. Was tagtäglich in Feld und Flur der Feldhüter, das war in den Städtchen Wittlich, Trier, Monschau, Daun, Prüm, Münstereifel oder Mayen der Nachtwächter. Burg- und Marktorte hatten im besonderen "ihren" Wächter.

Unseren Urahnen muß es wie Musik in den Ohren geklungen haben, und es war ja, je nach Stimmbegabung, auch Musik, wenn der Mann mit dem Horn, der petroleumgespeisten Laterne und dem drei Meter langen Spieß mit Widerhaken, im dicken Mantel und mit Uniformhut das folgende Lied erklingen ließ:

Beispielhaft für die Ernennung und den Dienst eines Nachtwächters sei hier Prüm kurz aufgeführt. Am 1. Januar 1912 wurde H.B. zum Nachtwächter und Feldhüter der Stadt Prüm ernannt. Die Ernennung erfolgte:

  • nach Anhörung der Stadtverordnetenversammlung
  • nach Vollendung einer sechsmonatigen Probezeit
  • mit Genehmigung des Regierungspräsidenten in Trier
  • nach Maßgabe des Ortsstatutes über die Rechtsverhältnisse der Beamten der Stadt Prüm.
H.B. war vorher als Schutzmann in Aachen und Frankfurt tätig, mit einer Prümerin verheiratet und hier wohnhaft. Der Dienstantritt erfolgte täglich abends um 22 Uhr und endete um 6 Uhr morgens. Seine Kontrolluhren waren innerhalb des Stadtgebietes an verschiedenen Stellen angebracht, zweimal pro Nacht mußte er hier durch "Stechen" der Uhr seine Tätigkeit belegen. Die Scheiben der Uhren wurden am nächsten Tag von einem städtischen Beamten gewechselt. Beanstandungen wurden dem Bürgermeister angezeigt, so etwa, als in einer Nacht Fensterläden ausgehangen und vor andere Häuser gestellt worden waren. Auch mit nächtlichen Ruhestörern und betrunkenen Nachtschwärmern legte er sich öfters an, so daß er gezwungen war, den Gummiknüppel einzusetzen. Auch ist die Rede, daß man ihn zu ärgern versuchte, indem man in verschiedenen Gruppen ausschwärmte, singend und brüllend, ihn irreführte oder verlud.
H.B.trug im Dienst eine Uniform, eine Mauserpistole und einen Gummiknüppel.
Anfang Dezember 1934 leistete er Verzicht auf seine Stelle und war fortan nebenamtlich als Amtbote tätig. Hier hatte er u.a. öffentliche Mitteilungen auszuführen.

"Bekannt-machung!"
Der "Bellmann", wie er in dem Eifeler Marktflecken Hillesheim genannt wurde, ging im Ort mit der Schelle um, um "Bekanntmachungen" mitzuteilen. Er mußte also die neuesten Nachrichten der Gemeindeverwaltung unter das Volk bringen. Eine kräftige Stimme, einen guten Schuß Mut und die Gabe der Gestik beherrschte er so gut, daß er vor aufgerissenen Türen und Fenstern auch richtig bei der Bevölkerung "ankam". Meist zog der Bellmann an einem bestimmten Wochentag durch das Dorf, im anderen Fall verlas er seine Mitteilungen auch nach dem Hochamt vor der Kirche oder -in besonders eiligen Fällen- auch zu unbestimmten Zeiten.
Bei schwierigerem Amtsdeutsch war es ihm überlassen, den Inhalt der Mitteilung noch einmal verständlich zu interpretieren oder sich gar in eine Diskussion zu begeben. Auch über diese "Arbeit" hinaus war er unmittelbar mit den Bürgern in Kontakt. Oftmals versah er andere Gemeindearbeiten, war als Hilfspolizist oder "Gemeindediener" tätig.

Mit freundlicher Unterstützung von Joachim Schröder
Titel: Nachtwächter
Autor: Joachim Schröder
Copyright: © by Joachim Schröder
gepostet von Joachim Schröder am:
Date: 15.02.2010 15:13
Internet: www.joachim-schroeder.com


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