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Naturalien
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Naturalien -

Naturalien sind streng genommen alle durch Kunst noch nicht umgeänderte Erzeugnisse der Natur; gewöhnlich aber versteht man unter diesem Namen jene den drei Naturreichen entnommenen Körper, durch deren Zusammenstellung, sobald sie in größerer Menge vorhanden sind, naturhistorische Sammlungen (Naturalienkabinette) entstehen.

Der Zweck solcher Sammlungen kann, richtig aufgefaßt, nur ein ernster und wissenschaftlicher sein, denn sie sollen eine möglich große Zahl auf angemessene Art bewahrter und aufgestellter Naturkörper enthalten, die als Belegstücke dienend oder die Möglichkeit genauer Untersuchungen darbietend, dem Naturforscher ebenso unentbehrlich sind als Bücher und Abbildungen.

Die Notwendigkeit solcher Sammlungen ergibt sich bei Erwägung der ungemeinen Schwierigkeit, welche das herbeischaffen einheimischer Naturkörper im Augenblicke des Bedürfnisses für den untersuchenden Forscher haben würde, sowie aus der Unmöglichkeit, die Erzeugnisse weit entlegener Länder in frischem Zustande zu erlangen. Verdient der frische oder gar lebende erhaltene Gegenstand immer den Vorzug vor dem künstlich bewahrten und vor Zerstörung geschützten, so vermag die Kunst doch sehr viel, und wird in zahlreichen Fällen der Untersuchung das nötige Material fast in demselben brauchbaren Zustande liefern können, in welchem der frische Körper sich einst befand. Die Anordnung und Aufstellung solcher Sammlungen werden daher wesentlich unter dem Gesichtspunkte des ernsten Zwecks und der Belehrung geschehen müssen; es werden die Konsequenz und Regelrichtigkeit, welche das klare Naturstudium bezeichnen, sich auch in der Einrichtung der Sammlung darzulegen haben, weil diese als wichtiges Hilfsmittel des Studiums selbst gilt. Daß ein gewisse Eleganz im Äußeren, wo irgend die Mittel sie erlauben, Anwendung erhalten dürfe, versteht sich zumal bei den vom Staate erhaltenen Sammlungen von selbst, indessen darf diese nicht einen vorwiegenden Eindruck hervorbringen, noch viel weniger in die Spielerei sich verlieren, die man in den Raritätenkammern der vergangenen Jahrhunderte getrieben hat. Der wissenschaftlichen Bestimmung muß die Wahl der Gegenstände, die Namengebung und die systematische Folge entsprechen. Mustersammlungen sind in dieser Beziehung die königlichen zu Berlin und Leyden.

Daß man schon im Altertum das Bedürfnis solcher Sammlungen gefühlt haben möge, wird bei Erwägung des unvollkommenen Zustandes der dem Volke ohnehin fremden Naturwissenschaften sehr unwahrscheinlich. Von den Versuchen des Mittelalters ist in dieser Beziehung wenig zu melden, denn die Sammlungen an Agrippa von Netteshaim, Paracelsus, Cardanus, Konr. Gesner, Georg Agricola bestanden nur aus ungeordenten Naturkörpernm teils aus Kuriositäten, welche Wunderliebe aufgehäuft hatte. Etwas besser, aber immer noch sehr unvollkommen, waren die Sammlungen des antwerpener Arztes Sam. Quickelberg, der 1553 in Ingolstadt lebte, und in München (1565,4) ein Verzeichnis seiner Vorräte herausgab; des älteren Tradescant, der um 1600 zu sammeln begann, die von Ashmole, der 1682 seine Schätze an die Universität zu Oxford schenkte, und die von Sloane, dessen Katalog an 19000 zoologische Gegenstände aufführt. Von allen diesen Museen sind aber nur geringe Reste übrig, denn die Kunst der Taridermie ist sehr neueren Ursprungs.

Die zahlreichen Sammlungen der gegenwärtigen Zeit sind eben daher meist nur 30 bis 60 Jahre alt und in allen Beziehungen denjenigen früherer Jahrhunderte ganz ähnlich. Als die reichste des Kontinents dürfte die von Leyden anzusehen sein, ihr folgen diejenigen von Paris, Berlin, Wien, und Petersburg. Privatsammlungen, teils von großem Wert , aber gewöhnlich, und zwar mit allem Rechte, nur auf ein Fach gerichtet, gibt es unzählige. Die zunehmende Liebe zum Sammeln hat den Naturalienhandel hervorgerufen, der hin und wieder sehr im Großen betrieben wird, aber nur in seltenen Fällen in den Händen wissenschaftlich gebildeter Männer sich befindet.

Quelle: Real Encyklopädie für die gebildeten Stände von 1846

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