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Rosenkranz
von Albert Spycher-Gautschi
Rosenkranz -

Geschichten rund um den Rosenkranz
von Albert Spycher-Gautschi

Bild 1 - Paterl-Schmelzer im Fichtelgebirge Der Verfasser erlag einst der Faszination des Granatsteins, der nach dem Zedel'schen Universallexikon von 1735 die Kraft habe, "das Herz zu stärken und die Melancholei zu vertreiben". Dass sich die "böhmischen Granate" eines aus Sammlerleidenschaft erworbenen Rosenkranzes als gegossene Glasperlen erwiesen, gab Anreiz zu Literaturstudien über die einstmaligen Glasperlenhütten im Böhmerwald und im Fichtelgebirge, in denen "Paterln" für die Herstellung von Rosenkränzen (Paternostern) fabriziert wurden. Die ungesunde Arbeit der "Paterlmacher" glich sich hier wie dort:

Bild 2 - Granatschleifer in Waldkirch. "Rings um den Ofen sassen die Perlenmacher, jeder vor einer fensterartigen Öffnung, durch die man die Schmelztiegel mit dem flüssigen Glas erblickte. Jeder Perlenmacher arbeitete mit zwei dünnen, spitz zulaufenden Eisenstäben, die er zuerst in ein mit aufgelöstem Ton gefülltes Gefäss tauchte. Diese Beschichtung verhinderte das Ankleben der Glasmasse an den "Paterlneisen". Sodann berührte der Arbeiter wechselweise mit der Spitze eines Stabes die glühend-flüssige Glasmasse, wickelte aus der anhaftenden winzigen Menge mit geschickten Drehungen Perle um Perle und liess diese in ein Auffanggefäss fallen. Naturbelassen oder an Ort und Stelle eckig geschliffen und poliert, wurden die Perlen von Frauen und Kindern zu Strängen aufgefädelt und bündelweise zu den Hüttenmeistern getragen (zusammengefasstes Zitat, (Bild 1)."

Bild 3 - Paternosterer im Mönchsgwand mit dem Fiedelbohrer hantierend. Laut dem "Technologischen Magazin" des Ch.W.J. Gatterer von 1790 wurden auch tubusförmige Perlen hergestellt, indem man Röhren verschiedener Dicke aus der Glasmasse zog und nach dem Erkalten in Stückchen zerhackte. Die Glasmanufakturen auf der Insel Murano bei Venedig lieferten "durchsichtige, rubinrote, himmelblaue, granat-, hyazinthfarbige und dunkelmeergrüne" Perlen. Wo auch immer Glasperlen fabriziert wurden, suchte man Produkte zu schaffen, die in Farbe und Transparenz edlen Schmucksteinen möglichst nahe kamen. Rote Perlen waren um ein Mehrfaches teurer als Andersfarbige. Die farbliche Zusammensetzung des Schmelzgutes war überall Betriebsgeheimnis und wurde in den Schmelzerfamilien von den Vätern auf die Söhne übertragen. Bild 4 - Rosenkranz-Inserat Benziger & Co. AG. im Einsiedler-Kalender 1904. Das von Josef Blau 1940 in den "Glastechnischen Berichten" veröffentlichte Rezeptbuch des Meisters Joh. Barth. Eisner in Klostermühle (Bergreichenstein) bleibt die Ausnahme. Umso häufiger finden sich "Geheimrezepte" in Schatzzauberbüchern, wie etwa "Rubinen zu machen" im "Geheimnisvollen Heldenschatz, oder der vollständige egyptische magische Schild des Johannes Staricius" von 1750. Man liess hiefür je ein Quintlein (3,76g) Granat, Sanguis Draconis (Drachenblut, Harz des Drachenbaums), Mastix (Pistazienharz) sowie ein Loth (15,01g) Kristall im Tiegel zerfliessen, sodass "Steine daraus werden, so roth als Rubinen". In Hans Watzliks 1932 erschienenem Roman "Die Leturner Hütte" lebt die Herausforderung, "wie man diese düstere höllische Farbe in das Glas bringt", wieder auf. Dabei floss Blut, und es ging auf Leben und Tod. Bild 5 - Einsiedler Rosenkranz mit Durchblick. Das Gewerbe der Paterlmacher erlag zu Anfang des 20. Jahrhunderts vor allem der aufstrebenden Glaswarenindustrie in Gablonz (Tschechien). Die ursprünglich Bergkristall, Amethyst, Achat und Jaspis verarbeitenden Edelsteinschleifer in Freiburg im Breisgau und Waldkirch hatten zur Zeit König Karls VI. und noch unter Regentschaft der Kaiserin Maria Theresia das Privileg, die böhmische Granat-Varietät der Pyrope (griech. pyropos = feurig) aus den Lagerstätten westlich von Trebnitz zu importieren, zu bohren und zu schleifen. Während die Freiburger Betriebe um 1820 eingingen, behauptete sich das Waldkircher Schleifergewerbe mit wenigen Betrieben bis gegen Ende des 19. Jahrhunderts und lebt heute in der Tradition der Firma August Wintermantel weiter (Bild 2). Im mittleren Schwarzwaldgebiet brachte das Granatschleifen willkommenen Zusatzverdienst für Heimarbeiterfamilien. Diese bezogen Rohware und Arbeitsmaterial von Verlegern, welche die fertigen Schnurgranate gegen Bezahlung zurücknahmen. Zollbedingte Preisanstiege der Rohgranate sowie die Konkurrenz der Pforzheimer Bijouterie machten diesem Gewerbe an der Schwelle zum 20. Jahrhundert ein Ende.

Bild 6 - 54 cm langer Glasperlen-Rosenkranz aus Schwäbisch-Gmünd auf einem Handstück mit pyropreichem Granat von der Alpe Arami im Tessin. Im 18. Jahrhundert war Nürnberg ein wichtiger Umschlagplatz für die Glasperlenproduzenten. Ihre Handelsgeschichte nennt unter anderem "Granaten, falsche; böhmisch geschliffene wie auch böhmische Rubin-Granaten". Laut Gatterer gelangte ein Teil dieser Ware zu Tauschzwecken in den Sklavenhandel. So kosteten in Angola "vier Pfund Glasperlen eine Piece, das ist, einen Sklaven". Abnehmer waren auch die Rosenkranzhersteller, die Paternosterer. Ein Aquarell im Hausbuch der Mendel'schen Zwölfbrüderstftung in Nürnberg erinnert daran, dass dieser Berufszweig im 15. Jahrhundert auch zum Klostergewerbe zählte (Bild 3). Von Gislind M. Ritz erfahren wir, dass sich die Lübecker Paternostermacher und die Schwäbisch-Gmünder Augsteindreher seit dem 14. Jahrhundert Zunftordnungen unterstellten. Rosenkränze wurden damals aus kostbaren Materialien gefertigt und waren dem gehobenen Bürgertum sowie der hohen Geistlichkeit vorbehalten. Bild 7 - 56 cm langer Korallen-Rosenkranz aus Schwäbisch Gmünd auf einem Korallenstock. So verschenkte der Basler Bischof Johannes von Venningen laut Haushaltbuch nicht nur saphyr- und topasbesetzte Fingerringe, am 23. September 1458 bedachte er eine Hochzeiterin in Zwingen (Laufental) mit einem Paternoster im Wert von vier Gulden. Ähnlich organisiert wie die Schwarzwälder Heimindustrie war die Fabrikation von Rosenkränzen aus Granaten, Bein, Glas und andern Materialien - auch "Bätteli" in Ableitung von "beten" genannt - im schweizerischen Wallfahrtsort Einsiedeln. Dort bezogen Heimarbeiterfamilien samt Kindern das Werkmaterial vom Verlagsunternehmen Benziger & Co. AG, lediglich die Zange zum Verbinden der Zwischenglieder war ihr Eigentum. Wie Fabrikinspektor Schuler ermittelte, betrug um 1900 der Verdienst an einem Dreizehnstundentag etwa einen Franken und 20 Rappen (Bild 4).

Bild 8 - 28 cm langer Spielzeug-Rosenkranz mit tonnenförmigen rosaroten Glasperlen. Auf den Doppelbegriff "Rosenkranz" als sogenannte Gebetszählschnur oder Andachtskette und im Sinne des Rosenkranzgebets einzugehen, würde den Rahmen dieses Beitrags sprengen. Dafür sei auf auf ein 2003 erschienenes Werk von Urs Beat Frei und Fredy Bühler hingewiesen, die mit einem internationalen Autorenteam diese komplexe Thematik umfassend behandeln. Die nachfolgend vorgestellten aus 5 "Gesätzen" zu je Ave-Perlen bestehenden Rosenkränze wurden mit dem Budget des Normalverdieners auf Flohmärkten und Antikmessen gekauft. Einst bekam der Verfasser im Elsass eine Halskette angeboten, die sich als Rosenkranz mit Perlen und Kreuz-Anhänger aus Knochenmaterial (Bein) erwies. In die Mitte des Kreuzleins ist ein Messingtubus mit einem winzigen Lichtbild eingelassen, das beim Hindurchschauen das Gnadenbild und die Klosterkirche von Einsiedeln erkennen lässt - ein sogenanntes "Wüülein", abgeleitet vom französischen "vue" (Bild 5 ). Bild 9 - 47 cm langer amethystfarbener Glasperlen-Rosenkranz mit einer Amethyststufe. Solche Exemplare schenkte man Gläubigen, die nicht nach Einsiedeln wallfahren konnten. Die Verkäuferin wollte "für so etwas Heiliges" kein Geld annehmen und liess sich für das unerwartete Geschenk auch nicht zu Café et Gouglhopf einladen. Ausgerechnet in einem Pilgerladen behauptete man, das am Anfang erwähnte Exemplar bestehe aus Granatperlen, obschon deutliche Guss-Merkmale erkenntlich waren. Der stattliche Preis war trotzdem in Ordnung, weil nicht erkannt wurde, dass es sich um eine Silberfiligranarbeit aus Schwäbisch-Gmünd mit Email-Malereien aus Lorch handelte (Bild 6). Auf einer Antikmesse offerierte die Anbieterin einen Preisabschlag, weil sie nicht sicher war, ob die Korallenperlen ihres Gmünder Rosenkranzes (Bild 7) echt waren. Später bestätigte ein Mineraloge die Echtheit der Korallen. Bei anderer Gelegenheit zeigten sich in der Tiefe einer Kartonschachtel voller Krimskrams winzige, von Staub durchmischte Kügelchen. Bild 10 - Dem Hl. Dominikus geweihtes Reliquenkreuz mit der Inschrift Diese konnten als kaum 20 Zentimeter langes unversehrtes Spielzeug-Gebetskettchen geborgen werden (Bild 8). Marché aux puces in einem Sundgaudorf: Gegen die frühe Morgensonne gehalten, erstrahlte der vor einem schmucken Riegelhaus entdeckte Rosenkranz in reinsten durchsichtigen Amethystfarben und erinnerte an den Berufsstolz der einstmaligen Paterlmacher. Erst die genauere Prüfung ergab, dass zwischen den versilberten Abdeckkapseln spätere Produkte des Maschinenzeitalters eingereiht waren (Bild 9). Gebetsschnüre von ähnlicher Qualität aus dem ersten Viertel des 20. Jahrhunderts sieht man nicht mehr oft, dafür Gewirre von schwarz angestaubten Holzperlenketten mit rostigen Zwischengliedern. Der Händler war froh, eine davon billig loszuwerden, und der Käufer kam zu einem der seltenen verschraubten und aufklappbaren Reliquienkreuze, das an der schadhaften Kette hing (Bild 10) Bild 11 - 3,5 Zentimeter langes Das Augenmerk des Sammlers richtet sich auch auf die verschiedenartigsten Münzen, Medaillen und Pilgerandenken, die von den Herstellern oder der Käuferschaft an die Rosenkränze appliziert wurden. Urs Beat Frei und Fredy Bühler zeigen in ihrem Buch einen sogenannten Einhänger - ein Wallfahrtsandenken, das zwischen die Perlen eines Rosenkranzes aus der Zentralschweiz (Bild 28/401, 18. Jahrhundert) gesetzt wurde. Das Erstaunen beim Verfasser war gross, als die Ehegefährtin bei der Fossiliensuche im elsässischen Jura einen silberglänzenden und teilweise mit Lehm überkrusteten Gegenstand aus der Ackererde hob. Zuhause entpuppte sich der Fund als zerdrücktes, aus zwei gegeneinander verschiebbaren Hülsen bestehendes "Drehhäuschen", in der Zentralschweiz "Trülli" genannt (Bild 11). Eine der beiden Anschluss-Ösen ist verloren gegangen. Aus dem unbeschadeten Innern liessen sich eine Schabmadonna aus Ton, zwei bedruckte Stoff-Fetzchen sowie ein briefmarkengrosses doppelt gefaltetes Stück Papier freilegen. Wie bei jedem Neuzugang tauchte auch bei diesem amulettartigen Objekt mit Ehrfucht und Respekt die Frage auf, wer wohl dieses Werkzeug der Volksfrömmigkeit letztmals in Händen gehalten, und was es für den Besitzer oder die Besitzerin bedeutet hat. Insofern verfolgt diese Sammlerei nicht bloss kulturhistorische und materielle Ziele, sie stellt auch Fragen an das eigene Ich.

    Bildlegenden:
  1. Paterl-Schmelzer im Fichtelgebirge.
  2. Granatschleifer in Waldkirch.
  3. Paternosterer im Mönchsgwand mit dem Fiedelbohrer hantierend.
  4. Rosenkranz-Inserat Benziger & Co. AG. im Einsiedler-Kalender 1904.
  5. Einsiedler Rosenkranz mit Durchblick.
  6. 54 cm langer Glasperlen-Rosenkranz aus Schwäbisch-Gmünd auf einem Handstück mit pyropreichem Granat von der Alpe Arami im Tessin.
  7. 56 cm langer Korallen-Rosenkranz aus Schwäbisch Gmünd auf einem Korallenstock.
  8. 28 cm langer Spielzeug-Rosenkranz mit tonnenförmigen rosaroten Glasperlen.
  9. 47 cm langer amethystfarbener Glasperlen-Rosenkranz mit einer Amethyststufe.
  10. Dem Hl. Dominikus geweihtes Reliquenkreuz mit der Inschrift "Agnus Dei" (Lamm Gottes), einer Hostie sowie Holz vom Pomeranzenbaum, den Dominikus der Legende nach auf bei der Kirche Santa Sabena auf dem Aventin zu Rom gepflanzt haben soll.
  11. 3,5 Zentimeter langes "Drehhäuschen" aus dem 18./19. Jahrhundert. Acker-Lesefund.
    Verwendete Literatur (Auswahl):
  • Blau, Josef: Die Glasmacherei im Böhmer- und Bayernwald in Volkskunde und Kulturgeschichte, Kallmünz/Regensburg 1954.
  • Eise, Walter: Die Schmuckwaren-Industrien von Pforzheim und Gablonz in ihrem wirtschaftlichen Aufbau, Dissertation Heidelberg 1933.
  • Frei, Urs Beat und Bühler, Fredy: Der Rosenkranz. Andacht-Geschichte-Kunst, Bern 2003.
  • Metz, Rudolf: Edelsteinschleiferei in Freiburg und im Schwarzwald, Lahr 1961.
  • Ritz, Gislind M.: Der Rosenkranz, München 1962.
  • Roth, Joh. Ferd.: Geschichte des nürnbergischen Handels, Bd. 2, Nürnberg 1801.
  • Schuler, Fr.: Die schweizerische Hausindustrie, in: Zeitschrift für schweizerische Statistik 1904.
  • Veh, Frieda Maria: Die Glasknopf- und Glasperlen-Industrie im Fichtelgebirge, in: Bayerisches Jahrbuch für Volkskunde 1964/65.

    Mit freundlicher Unterstützung von Albert Spycher-Gautschi
    Titel: Rosenkranz
    Autor: Albert Spycher-Gautschi
    Copyright: © by Albert Spycher-Gautschi
    Bilder: Albert Spycher-Gautschi
    gepostet von Albert Spycher-Gautschi am:
    Date: 04.06.2012 22:19


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