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Von Wagnern, Böttchern und Sümmermachern
Von Joachim Schröder, Pronsfeld
Ein Wagen ohne Rad
ist ein Entschluß ohne Tat,
ein Acker ohne Saat,
eine Wiese ohne Mahd,
ein Feldherr ohne Soldat'
ein Pfarrhof ohne Kurat-
Drum -
Kein Wagen ohne Rad!
Räder- und Stellmacher, wie die Wagner früher hießen, gab es bereits auf den Fronhöfen zur Zeit Karls des Großen. Als selbständige Handwerker werden sie im !5. Jahrhundert erwähnt. Ein Beruf, ohne den im wahrsten Sinne des Wortes "nichts lief".
Der Wagner hatte eine wechselnde Werkstatt, sie war nicht an das Haus gebunden. Zumeist befand sich der Arbeitsplatz an einem Bach, wo Wasser zum Ablöschen der Eisenbänder vorhanden war. Auf diese Weise ließ sich Geld sparen. Auch wurden immer mehrere Räder gebunden. Hier auf der Wiese stand der "Bock" mit den vier Auflagen für die Felgen, das nötige Werkzeug lag parat: Zangen mit langen Griffen, Hammer und Eisen.
Im glühenden Feuer heizte der Wagner den Bändern heftig ein, ehe sie auf den Radbock getragen wurden. Mit Hilfe eines Eisens, an dessen Spitze sich eine Hakennase befand, zog der Wagner das Band auf die Felge. Wichtig bei dieser Arbeit war, daß zwischen den Felgenstücken, die jeweils zwei Speichen aufnahmen, so viel Platz ist, daß das Band unverrückbar festsitzt. Denn nach dem Abkühlen schrumpfte es um einige Zentimeter. Die einzelnen Griffe mußten "sitzen", das Eisen glühendheiß sein, und eine helfende zweite Hand war unbedingt vonnöten. Das Eisenband brannte sich in das Eichenholz ein, sofort kippte man eimerweise Wasser auf die Räder, so daß kein größerer Schaden entstand. Weitere Kühlungsarbeit war angesagt, bis kein Wasserdampf mehr sichtbar war. Dann wurden gleicherweise die beiden oberen Nabenbänder aufgezogen, die mit Hilfe einiger Hammerschläge passend geführt wurden. Nach Drehung des Rades geschah das gleiche auf der Gegenseite.
Die Arbeit des Wagners war getan. Große Karren- und Wagenräder bearbeitete er ebenso wie kleinere Schubkarren oder Leiterwägelchen. Letztere hatten sechs oder acht Speichen, größere zehn, zwölf, 14 oder 16. Es mußte immer eine gerade Anzahl sein, da sonst die Felge, welche wegen der Rundung in Einzelstücken zusammengesetzt werden mußte, nicht mehr anzupassen gewesen wäre. Je kürzer die Speichen waren, desto schwerer wurde das Einziehen der Felge.
Radmacher, Achsenmacher, Deichselbauer und Wagner leisteten dem Eifeler Bauern unverzichtbare Dienste. Denn nur wenige beherrschten dieses Handwerk.
Das Halsgeschirr der Pferde, Ochsen und Kühe wird "Kummet" oder "Hamen" genannt. Dieses wurde vom Hamenmacher angefertigt. Das Hamscheit (Koppelhämchen) war ein Koppelscheit für ein Doppelgespann, das der Landmann für das Pflügen und Eggen brauchte. Eine wunde Stelle am Halse des Zugtieres nannte man Hamdruck, die kugelförmigen Glöckchen am Kummet hießen Hambellen. Aus der Herstellung des Hamen hat sich der Familienname Hammacher ergeben, der im Raum Hostel, Nettersheim, Zülpich erhalten ist.
Böttcher und Küfer fertigten Gefäße aus Holz: Bottiche, Fässer, Mulden, Näpfe, Tröge und Wannen. Bottiche waren hölzerne, oben offene, aus Dauben (gebogene Längsbretter) zusammengesetzte Gefäße. Diese wurden in Haus und Stall eingesetzt. Böttcher, Küfer, Binder und Büttner waren, wie Quellen belegen, ein fröhliches Volk. Dies hat gewiß etwas mit dem Inhalt ihrer Erzeugnisse zu tun, dem "feuchten Naß", wie ein Trinkspruch belegt:
Je voller das Faß,
je linder der Klang,
je edler das Naß,
je heller der Sang.
oder:
Ein gut gebund'nes Faß,
ein ausgepichter Magen
kann zwanzig Maß vertragen
und tut sich nit beklagen.
Auf die Herstellung hölzerner Hohlmaße verstand sich der Scheffel- oder Sümmermacher. Zur Messung von Schüttgut aller Art gab es bis in das 20. Jahrhundert hinein hölzerne Gefäße aus dünnen, gebogenen Brettern, die meist mit Eisenbändern beschlagen und oben mit einer Streichleiste versehen waren. Für die Eifeler Bauern war dieses Instrument unverzichtbar zur Mengenbestimmung von Getreide: für den Verkauf, die Aussaat, die Abgabe als Naturallohn oder Zehnt. Auch für die Einteilung des Viehfutters war dieses Hohlmaß wichtig.
Für Wand und Boden des Hohlmaßes nahm der Scheffelmacher nur allerbestes, astloses und gut abgelagertes Eichenholz. Mit Axt und Spaltkeil spaltete er die abgelängten Klötze axial zum Herz des Holzes hin. Die so gewonnenen kuchenförmigen Stücke galt es nun in schmale, dünne Brettchen aufzureißen. In stundenlanger Arbeit wurden diese glattgehobelt und geschliffen. Um die Brettchen biegen zu können, mußten sie gewässert und erhitzt werden. Etwa zwei Tage blieben sie im Wasserbad, dann gelangten sie in den "Baakes", wo der Sümmermacher die Wärme des Ofens vom täglichen Brotbacken ausnutzen konnte. Nach wenigen Minuten konnte der Sümmermacher die Brettchen wieder entnehmen, um sie anschließend auf walzenförmigen Biegeklötzen zu formen. Diese rollte der Handwerker über eine Bretterbahn, wobei er das eingespannte Brett mit der Kraft des Oberkörpers fest an die Walze preßte. Nach dieser Schwerstarbeit wurde das Brett von der Walze abgenommen und die beiden Enden konnten zusammengeführt werden. Die fertig gebogene Hohlmaßwand kam sodann für weitere Tage zum Trocknen in einen Raum oberhalb des Backofens. In seiner Werkstatt erfolgten nun die weniger anstrengenden Restarbeiten. Die Enden der Wand wurden zusammengenagelt, der Boden wurde angebracht, um die Wandkante ein eiserner Reifen gelegt. Boden und Wand erhielten ebenfalls Eisenbänder zur Verstärkung. Schließlich brachte der Scheffelmacher zwei Eisengriffe an, manchmal war es auch eine Stange mit einem Quersteg als Tragegriff. Dieser war zugleich Streichleiste für das Füllgut.
Diese Produkte wurden durch Hausierhandel oder auf den Eifeler Märkten vertrieben.
Hochkonjunktur hatte das Handwerk im 19. Jahrhundert, als es galt, die vielen verschiedenen Maßeinheiten -im Rheinland waren es um 1800 noch 22 Ortsmaße- zu vereinheitlichen ("metrisches System"). Malter, Metze, Scheffel, Simmer, Sömmer, Wispel, Sester, Pinte und Minkel sind nur einige der vielen Bezeichnungen für Hohlmaße mit unterschiedlichen Größen.
Die preußische Maß- und Gewichtsordnung von 1816 brachte dem Sümmermacherhandwerk einen ungeahnten Aufschwung. Zentum der Herstellung in der Eifel war Gemünd.
Im Folgenden nun weitere eifeltypische Berufe exemplarisch dargestellt. Die Darstellungen erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
Feldhüter
| Heilkunst
| Kesselhaken
| Köhler
| Korbmacher
| Maurer
| Müller
| Schmied
| Schuster
| Töpfer
| Wagner
Mit freundlicher Unterstützung von Joachim Schröder
Titel: Wagner
Autor: Joachim Schröder
Copyright: © by Joachim Schröder
gepostet von Joachim Schröder am:
Date: Mon, 10 Dec 2007 16:09:25 EST
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