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Gedichte zur Walpurgisnacht
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Aus der Kategorie „Zum Schmunzeln“ (Gedichte):

Walpurgisnacht

Wenn der April zu Ende geht
und schon ein Maienlüftchen weht,
dann, liebe Leute, gebt bloß Acht,
ist wieder mal Walpurgisnacht,
wo Hexen aus der ganzen Welt
zum Oberharzer Brockenfeld
auf schnöden Reisigbesen reiten
und blitzschnell durch die Wolken gleiten.

Doch auch auf Gabeln und auf Stöcken,
auf Hunden sogar und auf Böcken
kommen die Hexen angeflogen -
das ist verbürgt und nicht gelogen:
In Goethes “Faust“ kann man es lesen -
es sind, laut Goethe, nicht nur Besen,
auf denen eine Hexe fliegt
und sicher jede Kurve kriegt!

Damit die Hexenfahrt gelingt
und eine Hexe dorthin bringt,
wo ihr geliebter Teufel thront,
der sie durch seine Gunst belohnt
hoch oben auf der Brockenkuppe
bei Ringeltanz und Krötensuppe,
bestreicht ein solches Hexenweib
mit Zaubersalbe seinen Leib.

Dies Zeug aus Fett und Pflanzengift
wirkt wie ein wahrer Zauber-Lift:
Es läßt die Hexe magisch schweben
und sich von dieser Erde heben.
Derart “geliftet“ gibt sie Gas -
vor Neid würde selbst “Schumi“ blaß -
und ist nullkommanichts am Ziel
auf ihrem Reisigbesenstiel!

Mit Affenzahn geht´s hin zum Brocken,
wo höllische Vergnügen locken
wie Hexentanz und Hexenmahl;
ohne ein Fünkchen von Moral
sieht man sie sich mit Teufeln paaren
und um den Oberteufel scharen,
dem sie sogar den Hintern küssen -
was alle Hexen machen müssen!

Die neuen Hexen weiht der Fürst
der Finsternis jedoch zuerst
einmal in alle Künste ein -
dann dürfen sie ihm dienstbar sein
und sind, offiziell aufgenommen
bei Hexentreffen stets willkommen:
Dann zaubern sie, was das Zeug hält
und wie´s Beelzebub gefällt.

Den jede Hexe “Meister“ nennt
und jeder Christ als Teufel kennt,
ist auch bekannt als “Urian“ -
man sieht ihm seine Bosheit an:
Halb Mensch, halb Tier - ein Alptraumgeist,
der Luzifer und Satan heißt,
mit Hörnern, Hufen, Zottelhaar,
der stets des Guten Gegner war.

Der Hexensabbath auf dem Brocken
läßt die Dämonen kurz frohlocken -
doch nur in der Walpurgisnacht,
die manchem angst und bange macht.
Denn all der Spuk ist längst vorbei
noch vor dem ersten Hahnenschrei,
der unten in den Tälern tönt
und Schläfern in den Ohren dröhnt.

Der Ursprung dieser Hexensage
reicht weit zurück in Heiden-Tage:
Den Brocken ehrten die Germanen
(so künden Sagen uns´rer Ahnen)
als heil´gen Göttersitz und -hort
und ihre Priester brachten dort
auf mehr als einem Felsaltar
an Feiertagen Opfer dar.

Das höchste Fest, der erste Mai,
galt bald als schlimmste Ketzerei,
weil die Mission, die jetzt begann,
auf christliche Bekehrung sann.
Dies Frühlingsfest der alten Heiden
konnten die Christen gar nicht leiden,
zumal geheim und unerschrocken
der Kult noch blühte auf dem Brocken.

Man wußte sich letztendlich Rat
und schritt recht unverschämt zur Tat:
Man brandmarkte als Teufelswerk
das ganze Treiben auf dem Berg
und rief auch die Walpurgis an -
die Heilige schützt jedermann
vor der Magie der Teufelsbräute
mit Sicherheit sogar noch heute!

Mit freundlicher Unterstützung von
Henning Brunke
Autor: Henning Brunke
Titel: Walpurgisnacht
eMail: verseschmied@gmx.de
Date: Wed, 20 Apr 2005 09:22:07 +0200
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