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Wegekreuze
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Ein Bericht zum Thema Wegekreuze von JOACHIM SCHRÖDER

Stumme Zeugen der Vergangenheit
Eifeler Wegekreuze verweisen in die Glaubenswelt und bewahren bis heute das Andenken
JOACHIM SCHRÖDER

LÜNEBACH/WATZERATH/PRONSFELD. Markt-, Gerichts-, Wetter-, Pilger- und Totengedächtniskreuze: Allen Zeugen aus vergangenen Tagen begegnen die Menschen in Würde. In der Eifel gibt es sie in großer Zahl - und ein jedes hat seine eigene Geschichte.

Die Westeifel ist überdurchschnittlich mit Kreuzen der verschiedensten Art besetzt. Bis zu 1000 "stumme Zeugen" zählt man allein im Altkreis Prüm. Eine Verdichtung der Standorte tritt besonders dort zu Tage, wo das Rohmaterial zu finden war: Buntsandstein oder Schiefer. Im Prüm-Arzfelder Land ist dies besonders in den Ortschaften Schönecken, Pronsfeld, Daleiden, Arzfeld, Bleialf, Seffern und Steffeln der Fall. Vorab: Man unterscheidet hoheitsrechtliche Kreuze wie Markt-, Gerichts-, Grenz- und Sühnekreuze sowie Devotionskreuze wie Kriegs-, Unfall-, Andachts-, Pilger-, Prozessions-´und Wetterkreuze. Die erste Gruppe - etwa die mächtigen Marktplatzkreuze - symbolisieren das Recht des Marktes und der Gerichtsbarkeit, zeigen Bann- und Territorialgrenzen an. Devotionskreuze erinnern an schicksalhafte Ereignisse wie Krieg und Unfälle oder dienen der Andacht. So waren Pilgerkreuze oft wichtige Orientierungshilfen, Prozessionskreuze dienten der Ablage des Allerheiligsten - etwa am Fronleichnamstag. Auch die "Fußfälle" gehören in diese Kategorie: An diesen Kreuz-Standorten erbat man die schnelle Erlösung eines Sterbenden. An solche Bittgänge von Kindern erinnern sich ältere Menschen heute noch. Überörtlich bekannt sind in der Westeifel Pilgerkreuze auf den Strecken Kevelaer - Trier mit dem Ziel "Apostelgrab Matthias" oder auf dem Weg Prüm - Echternach mit dem Ziel "Willibrordgrab" in Echternach.

Etwa 70 Prozent des gesamtes Kreuzbestandes in der Westeifel sind aus Sandstein gefertigt. Daneben gibt es Kreuze aus Schiefer, Lavatuff und Holz. Eine bis heute unerreichte Arbeit hat vor etwa 50 Jahren Georg Jakob Meyer geleistet. "Kreuze-Meyer" wurde der Forscher respektvoll genannt, weil er den Versuch wagte, alle Weg- und Grabkreuze im Gebiet des Altkreises Prüm zu erfassen. Bei seiner Arbeit schaute er auch sehr sorgsam auf die Intension der Erbauer und deren "Baustil". Wenn man die Form der Kreuzeexemplare miteinander vergleicht, kann man in der Westeifel vier Kreuzgruppen ausmachen: die Bleialfer "Säulenkreuze", die Schönecker Kreuzigungsgruppen, die Sefferner "Glockenblumenkeuze" und die Pronsfelder Schieferkreuze. Säulenkreuze wurden einst in Bleialfer Werkstätten gefertigt - sie ruhen auf hohen, schlanken Schaften. Die Kreuzigungsgruppen aus Schönecken stellen als Gesamtkunstwerk Kreuzigungsszenen dar. Besonders markant: Sie tragen neben römischen Zahlen auch arabische. In Seffern und Pronsfeld entstand um 1760 eine größere Zahl von Schaftkreuzen, die auf der vorderen Schafthälfte drei untereinander hängende Glockenblumen zeigen. Lavatuffkreuze stehen besondern im Raum Seffern-Stadtkyll. Ihre Zahl ist aber eher klein, da der Stein sich nicht sonderlich für kunstvolle Darstellungen eignete. Schieferkreuze gibt es im Prümer Raum etwa einhundert. Es handelt sich im Allgemeinen um kleine Kreuze aus dem 18. Jahrhundert. Gefertigt wurden diese in belgischen Werkstätten oder im Raum Salm/Birresborn, wo der Schiefer gebrochen wurde. Die Steinmetzarbeiten sind kunstvoll in Flachreliefs ausgeführt, oft tragen sie Inschriften und eine Datierung. Als Bildmotive kommen bei allen Kreuzgruppen Blattkränze, Palmwedel, Totenköpfe, Rosetten, Blumenornamente und Darstellungen des Gekreuzigten in Betracht. Das älteste Schieferkreuz in der Region dürfte hingegen ein Grabkreuz aus Pronsfeld sein: es stammt aus dem Jahre 1586. Wenn Wegekreuze heuzutage wieder schön herausgeputzt, ihre Standorte neu eingefasst und schadhafte Stellen ausgebessert werden, so zeugt dies von einem neuen Bewusstsein. Heimat, Tradition und Glaube werden sichtbar. Verschönerungsvereine haben sich neben vielen Privatpersonen dieser Aufgabe verpflichtet. Doch leider werden Wegekreuze auch immer wieder zum Ziel beutegieriger Diebe.

EXTRA
Kreuz-Inschriften
Johannes schellen und Katharina Leufgen, Eheleute aus Pronsfeld, ließen dieses Zeichen des Heiles errichten als Erinnerung der Religion und der Frömmigkeit und empfehlen es den Gebeten der Vorbeigehenden. Im Jahre des Herrn 1817.

Wenn einer mir nachfolgen will, der verleugne sich selbst, er nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach.

Gelobt sei Jesus Christus. Anno 1774.

Jesus, Heiland, Seligmacher - JHS - Ruhe in Frieden.

Siehe das Kreuz des Herrn, der euch vor dem Bösen bewahrt. 1811.

Errichtet zur ehre Gottes, Magdalena Schönecker.


Mit freundlicher Unterstützung von Joachim Schröder
Titel: Wegekreuze
Autor: Joachim Schröder
Copyright: © by Joachim Schröder
gepostet von Joachim Schröder am:
Date: 20.10.2008 14:44
Internet: www.joachim-schroeder.com

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