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Eifelbeschreibung vor 450 Jahren
Ein interessantes geschichtliches Dokument mit vielerlei Hinweisen auf die Landschaft, die politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse ist die Kosmographie von Sebastian Münster, die 1544 in Basel erschien. Diese Beschreibung der "Eyfel", wo man "bis auff den heutigen tag viel Metallen grebt" und wo "zu unseren zeiten Sylber gegraben wird, besunder in der Eyfel", soll im folgenden wiedergegeben werden.
"Wiewol dies ein trefflich rauch Landt und birgig ist, an den Hunesruck undt das Lützelburger landt stossendt, hat es doch Gott nicht unbegabt gelassen, der dann einem jeden Landt etwas gibt, darvon sich die Eynwohner mögen betragen und ernehren. Zu Bertrick istein warm Bad, den Krancken heilsam, liegt anderthalb Meil von der Mosel. Unfern von der Graffeschaft Manderscheid in den Herrschaften Keila, Kronenburg und Sleida im Thal Hellenthal macht man fürbindig gut Schmideysen, man geusst auch Eysen Oefen, die ins Oberlandt, alss Schwaben und Francken verkauft werden. Item zwen namhafftiger See sind in dieser Eyfel, einer bey dem Schloss Ulmen und der ander bey dem Closter zu Laich, die sind sehr tief, haben keynen Eynfluss, aber viel Ausflüss, die nennt man Marh und sind Fischreich. In dem zu Laich findt man Stein grün-, gelb- und rotfarb, gleich den bösen Smaragden und Hyazinthen. Im Marh zu Ulmen ist ein Fisch, wie dann viel gesehen haben, auff dreyssig Schuch lang, und ein ander auff zwölf Schuch lang, die haben Hecht gestalt. Und so sie sich lassen sehen, stirbet gewisslich ein Gauerb des Hauss-Ulmen, es sey Mann oder Frau, ist offt bewäret und erfaren worden. Diese Marh liegen gemeinlich auff hohen Bergen. Man hat daz zu Ulmen wöllen ersuchen in seiner Tieffe, und nachdem man daz Bley 300 klaftern tieff hinabgelassen, hat man kein Grund mögen finden. In der rechten Eyfel ist ein raucher Boden von Wäldern und da wenig mehr dann Haberen wechst, aber gegen den Rhein und gegen der Mosel ist es fruchtbar, umb die Statt Mayen die Trierisch ist erzeigt sich gut Sylber Bergwerck, werden aber durch ungeschicklichkeit der Bawren verwarlost und kommen in abgang.
Der Herrschafft halben, so in der Eyfel ist, soltu wissen dass sie vast halber Lützelburgisch und Trierisch ist, doch der mertheil Lützelburgisch. Darinn wohnen die Graffen von Arburg, Fürnenberg, Manderscheid. Item die Freyherren von Ryfferscheid, die Herren von Rulingen, die Herren von Ryneck...
Der Eyfler Handtierung ist vast mit Rindvieh, Honig und Wachs. Das Vieh kompt vast aus dem Landt bei Bastenach, heisst das oessling, von dem der groß Wald genannt Ardenner Wald, darinn St. Ruprecht daz groß Closter ligt. Es schreibt von diesem Landt Doctor Simon Reichwein, der es wohl durchfahren und besichtiget hat also:
Diss Land ist von Natur ungeschlacht, rauch von Bergen und Thälern, kalt und mit ungestümen Regen überschüttet, aber Wasser und Brunnen halb gar lustig. Die Eynwohner sind gar arbeitsam, haben sinnreiche Köpff wo sie geübet werden, aber sie hangen an dem Ackerbaw und warten des Viehs. Es hat diss Landt gar weiss Vieh und viel Milch und Molcken. Es hat mehr Visch dann Wildprät, bringt auch frücht für sich gnug, aussgenommen, da es so gar rauch ist, bringt es zimblich Haberen aber wenig andere Frücht. Umb Manderscheid von Gerardstein möcht es zu Sommerszeiten vergleicht werden Italiae seiner Sommerfrüchten halben: dann es bringt Melonen, Cucumern, Krausen Lattich und dergleichen Welsche Früchte. Inden Herrschaften Schida, Cronenburg und Riehn sind Eysen Ertz, da man Eysen Oefen ausgeusst..."
Eine sehr interessante und dazu auch freundliche Beschreibung unserer Eifel, die in ihrer positiven Darstellung eher überrascht. Landwirtschaftliche und industrielle Voraussetzungen scheinen also gar nicht so schlecht, und in der Tat: Diese schöne und -trotz aller Hemmnisse- gut ausgestattete Landschaft hat des "Schönen und Reizvollen" viel (Arndt). Dazu gehört in erster Linie die Natur, das unverwechselbare Eifelgesicht mit den einzigartigen Maaren, die schlummernden Schätze, die der Boden bereithält, und nicht zuletzt die Menschen mit ihren "sinnreichen Köpfen", die es durch alle Zeiten verstanden haben, ihren Lebensunterhalt und eine gewisse Lebensqualität zu gewährleisten. Richtig ist, daß dieses Leben und das Arbeiten in vergangenen Jahrhunderten äußerst hart war. Aber war es in anderen Landstrichen anders ?
Heute blicken wir (und die vielen Besucher der Eifel) auf eine einzigartige Kulturlandschaft, die es verdient, endlich im (ge-)rechten Licht gezeigt zu werden. Vorbei die Zeit mit "Sybirien Preußens" oder anderer Klischees, die sich zu lange in "nicht sinnreichen Köpfen" festgesetzt hatten und heute noch teils fortleben.
Mit freundlicher Unterstützung von Joachim Schröder
Titel: Eifelbeschreibung vor 450 Jahren
Autor: Joachim Schröder
Copyright: © by Joachim Schröder
gepostet von Joachim Schröder am:
Date: 17.06.2009 15:45
Internet: www.joachim-schroeder.com
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