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Berufs- und Zunftlieder
Schneider:
Die Schneider hielten's Grindelsfest
am Tag Sanct Batholomä,
da waren ihrer neunzig,
neunmal neun und neunzig
versammelt auf der Höh'.
Und als die Schneider versammelt warn,
da hielten sie einen Rat,
da saßen ihrer neunzig,
neunmal neunundneunzig
auf einem Kartenblatt.
Und als sie auf der Herberg' war'n,
da hielten sie einen Schmaus,
da fraßen ihrer neunzig,
neunmal neunundneunzig
vor einer gebrat'n Maus.
Und als das Mahl verzehret war,
da hatten sie auch Durst,
da tranken ihrer neunzig,
neunmal neunundneunzig
aus einem Fingerhut.
Und als die Schneider lustig war'n,
da hielten sie auch Tanz,
da tanzten ihrer neunzig,
neunmal neunundneunzig
auf einem Geißenschwanz.
Die Leineweber
Die Leineweber haben eine saubere Zunft,
Mittfasten halten sie Zusammenkunft.
Aschegraue, dunkelblaue,
mir ein Viertel, dir ein Viertel.
Fein oder grob,
gegessen wern se doch mit der Julle,
mit der Spule,
mit der schrum, schrum, schrum.
Die Leineweber haben sich ein Haus gebaut,
von Buttermilch und Sauerkraut.
Die Leineweber schlachten alle Jahr zwei Schwein,
das eine ist gestohlen, das andre ist nicht sein.
Die Leineweber nehmen keine Lehrjungen an,
der nicht sechs Wochen lang fasten kann.
Die Leineweber haben ein Schifflein klein,
da setzen sie die Wanzen und die Flöhe hinein.
Die Leineweber machen eine saubere Musik,
als führen zwölf Müllerwagen über die Brück.
Der Fuhrknecht
Es fuhr ein Fuhrknecht über'n Rhein,
der kehrt beim jungen Pfalzgraf ein,
der kehrt beim jungen Pfalzgraf ein.
Er fuhr ein schönes Faß voll Wein,
der Pfalzgraf schenkt ihm selber ein.
Es leb der Fürst, es leb der Knecht!
Ein jeder tu das Seine recht.
So trank der Fürst, so trank der Knecht,
und Wein und Treue waren echt.
Der Scherenschleifer
Es kam ein fremder Schleifer daher,
er schleift die Messer und die Scher.
Den Jungfraun schleif ich sie umsunst,
mit meiner schönen Schleiferkunst.
Ich hab im Sinn, nach ... zu fahrn,
mit meinem schönen Schleiferkarrn.
In ... sind auch große Herrn,
die mir was zu verdienen gebn.
Nur eines steht mir sehr wohl an:
Ich kann des Hofmanns Lisl han.
Zu Haus hab ich ein gar faules Weib,
drum hab ich auch kein Hemd am Leib.
Sie kocht mir selten die Suppe warm,
das Gemüs ist geschmelzt daß Gott erbarm.
Ach! Scherenschleifer, schleif nur zu
denn schöne Mädchen gibts genu.
Alle Handwerker
Frisch, lustig und fröhlich,
ihr Handwerksgesellen!
Und tut euch mit ängstlichen
Sorgen nicht quälen!
Denn nicht Reichtum macht glücklich,
Zufriedenheit macht reich;
Wir alle sind Brüder,
wir alle sind gleich.
Wir haben schon Kaiser und Könige gesehen,
sie tragen goldne Kronen und müssen vergehen.
Der Reiche lebt herrlich in großen Palasten,
der Arme muß ja oft hungern und fasten.
Mit freundlicher Unterstützung von Joachim Schröder
Titel: Eifeler Handwerk
Untertitel: Berufs- und Zunftlieder
Autor: Joachim Schröder
Copyright: © by Joachim Schröder
gepostet von Joachim Schröder am:
Date: 17.06.2009 15:45
Internet: www.joachim-schroeder.com
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