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Häusliches Schaffen
Häusliche und landwirtschaftliche Arbeiten prägten das Leben der Eifeler Menschen durch die Jahrhunderte hindurch. Während es im 19. Jahrhundert vorherrschend kleinbäuerliche Familien mit geringem Landbesitz waren, die sich selbst versorgten, sind es heute andere Betriebsstrukturen mit Industriecharakter.
Besonders die Frauen widmeten sich dem häuslichen Wirken und Schaffen. Frauen waren als Bäuerinnen, Mägde oder Tagelöhnerinnen tätig, versahen wichtige Arbeiten in Haus, Hof und Stall, waren Mütter mit all den dazugehörigen Aufgaben und hatten dennoch nur eine schwache soziale und rechtliche Stellung.
Der wichtigste Arbeitsplatz der Frau war das Haus, wo Kochen und Waschen, Buttern und Brotbacken, Einmachen und Kindererziehen zu ihren festen Pflichten gehörten. Hinzu kamen, zumal wintertags, das Spinnen, Weben, Stricken und Nähen, die tägliche Aufräumarbeit in Küche, Spint, Futter- und Waschküche.
Daneben lag auch die Bewirtschaftung des großen Bauerngartens in ihrer Obhut: Das reichte vom Umgraben, Säen und Jäten bis hin zur Ernte des Gemüses, der Beeren, der Kräuter und Heilpflanzen, der Pflege und Unterhaltung des Gartens.Vielfach gehörte der gesamte Stalldienst in ihren Aufgabenbereich. Vor allem die Gewinnung und Verwertung der Milch verfolgten die Menschen mit großem Schaffensdrang, Füttern und Ausmisten gehörten zur Tagesarbeit. Sie kümmerten sich um das Kleinvieh wie Hühner, Enten, Gänse oder Ziegen, hier leistete sie wahre Schwerstarbeit.
Gemeinsam mit dem Mann versah die Bäuerin gewisse Arbeiten auf dem Feld. Während der Aussaat und besonders in der Erntezeit war ihre Mitarbeit unverzichtbar. In Kriegszeiten, als die Männer abberufen waren, ging sie hinter dem Pfluge her, schwang den Dreschflegel oder fuhr mit dem Ochsengespann das Getreide ein. Eine der wichtigsten Feldarbeiten war das Setzen und Lesen der Kartoffeln. Ihr Einsatz im Rübenfeld, bei der Heuernte, beim Garbenbinden und Ährenlesen, beim Reinigen des Getreides und beim Dreschen galt als besonders wichtig. Hinzu kam die Verpflegung auf dem Feld, wobei die Kinder vielfach halfen und Botengänge übernahmen. Bei der Heu-, Getreide- und Kartoffelernte wirkten zusätzliche Tagelöhner(innen) mit, damit die Arbeiten überhaupt bewältigt werden konnten.
Ausdauer und körperliche Kraft verlangten der Bäuerin viel ab. Nicht selten brachen plötzliche Erkrankung und Schwächung ihr Arbeitsleben abrupt ab, so dass sie durch fremde oder eigene Kinder ersetzt werden musste.
Die täglichen Arbeiten in Haus, Hof, Stall und Feld verlangten Bauer und Bäuerin alles ab. Die Betreuung und Erziehung der Kinder oblag fast alleine der Frau. Oftmals musste diese Versorgung der Kinder den alltäglichen Arbeiten untergeordnet werden. Größere Geschwister sprangen ein, kümmerten sich um die Kleinen und erledigten leichtere Hausarbeiten. Erziehung als wissenschaftliche Aufgabe war unbekannt, man führte die Kinder in die einzelnen Abläufe ein, kontrollierte und strafte, gab strenge Anweisungen und altersgerechte Aufgaben wie das Viehhüten oder das Lesen von Gartenfrüchten.
Bis zur Einführung der allgemeinen Schulpflicht zu Beginn des 19. Jahrhunderts ging nur etwa die Hälfte der Mädchen und Jungen zum Unterricht. Zu sehr wurde ihre Arbeitskraft im Haus gebraucht. Erst allmählich setzte sich der Gedanke durch, Kinder auch "bilden" zu lassen. Vielfach standen als Erziehungsziele vaterländische und religiöse Inhalte im Mittelpunkt, das Praktische erlernte man zu Hause. Das Rollenverständnis war klar: Jungen sollten handwerkliche und technische Interessen entwickeln, Mädchen nach dem Vorbild der Mutter eine untergeordnete Stellung im Familiengefüge übernehmen.
Nur sehr selten kam es vor, dass Frauen sich in bürgerlichen Haushalten verdingten. Ihre soziale Beziehung zu der eigenen Familie war zu stark, weitere Ausbildungs- und Erwerbsmöglichkeiten gab es nicht. Mädchen und Frauen ohne Grundbesitz mussten so in einer bäuerlichen Haushaltsfamilie arbeiten und sich ihren Lebensunterhalt verdienen.
Die rechtliche und soziale Stellung der Frau war gegenüber dem Mann eher trostlos. Da die Männer alle rechtlichen und geschäftlichen Dinge zu regeln hatten, darüber hinaus in der Öffentlichkeit ein Amt bekleideten oder ins Wirtshaus gehen durften, war die Frau "von Natur aus" untergeordnet. Ihr Einfluß blieb auf das Haus beschränkt. Wertschätzung und Anerkennung gab es selbst für alte Frauen kaum, die ein Leben lang geschuftet hatten und im Alter zwar zu Hause lebten, aber ohne besondere Aufmerksamkeit ihre letzten Jahre verbrachten.
Mit freundlicher Unterstützung von Joachim Schröder
Titel: Häusliches Schaffen
Autor: Joachim Schröder
Copyright: © by Joachim Schröder
gepostet von Joachim Schröder am:
Date: 06.11.2009 10:55
Internet: www.joachim-schroeder.com
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