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Job als Wahr- und Heilszeichen -
Nach den verheerenden Angriffen vor 60 Jahren bewahrte die Job-Statue in Brandscheid die Geduld...
Kuriosität, ein kleines Wunder, ein Heilszeichen? Jedenfalls gilt die Figur des "Dulders Job" in den beiden Schneifelgemeinden Brandscheid und Steinmehlen als ein Zeichen der Hoffnung.
Die Statuen des alttestamentalischen Job oder Hiob strahlen Ruhe, Zuversicht und Gelassenheit aus. Job als Figur in Brandscheid vermittelt einen Eindruck von Unerschütterlichkeit, obwohl er verheerende Erfahrungen während der Kriegsangriffe durch die Amerikaner machen musste. Sein Standbild blieb trotz heftigster Bombadierung unversehrt im Kirchentorso stehen - ein Anblick, den viele Brandscheider bis heute nicht vergessen haben.
Es war der 5. Februar 1945, als amerikanischen Truppen den Höhenort angriffen und Schutt und Asche hinterließen. Ein wahres Inferno, das Brandscheid damals den Namen "Verdun der Eifel" verlieh. Zu 100 Prozent wurden die Häuser dem Erdboden gleichgemacht, das Dorf brannte mitsamt seiner Kirche.
"Aus dem Kirchentorso ragte jedoch eine Figur heraus, geduldig und standhaft auf der Konsole stehend", sagt Karl Gielen, der gleich nebenan wohnte und ins Feld geflüchtet war. Die "Hiobsbotschaft" von der Vernichtung des Dorfes ereilte alle Bewohner, die geflohen waren und auf eine Rückkehr hofften. "Dulder Job" war als Rettungsanker und "Bild der Hoffnung" für die Menschen mehr als ein Zeichen der Zuversicht - er galt fortan als "Retter".
Dieses Bild des "duldenden Job" verglich der Heimatforscher Nikolaus Kyll mit der Darstellung des "Christus im Elend". Kyll: "Sowohl in Brandscheid als auch in Steinmehlen kann es sich um eine umgedeutete und umgearbeitete Figur des Christus handeln". In der Tat ist nicht nachzuweisen, dass es eine historische Gestalt des "Hiob" oder "Job" gab.
Ein Job-Bild gibt es seit dem 4. Jahrhundert in Katakomben, auf Goldgläsern und in Reliefs. "Auch von Hand geschriebene Bibeln zeigen das Bild des geduldigen Job zusammen mit seiner Frau oder einigen Freunden", schreibt Nikolaus Kyll. Oft steht er neben einem Misthaufen in gläubiger Verharrung, während seine Mitmenschen ihn wegen seines Aussatzes ausgrenzen.
Jahrhundertelang wurde er als Patron gegen Geschwüre angerufen, "Beulenkrankheiten" wurden auch "Jobskrankheiten" genannt. Im Volksmund erhielt Job auch den Zusatznamen "Schwärenmännchen". "Schwär" bezeichnet in der Westeifel Beulen, Geschwüre und Geschwülste. Ähnlich verhält es sich in Orlenbach mit der Figur des Heiligen Pelegrinus. Nach Steinmehlen soll es Jahrhunderte lang Pilgergänge und Wallfahrten zum "Dulder Job" gegeben haben, so Kyll.
Ob die beiden Jobfiguren in Steinmehlen und Brandscheid aus dem Kloster Niederprüm stammen, ist ungeklärt. Sicher scheint allerdings zu sein, dass die Eifeler Job-Gläubigkeit aus Belgien herrührt. Kyll: "In der Kathedrale zu Brügge und den Jobkirchen in Antwerpen und Lüttich wurde Job als Dulder und Heiler verehrt. Viele Jobsheilquellen sind hier belegt". Verbindende regionale Zwischenglieder sind die Ortschaften Born, Bütgenbach und Oberhausen, die als Job-Kultstätten galten.
Jobs Geduld und Ergebung sind sprichwörtlich geblieben. Auch die Eifeler Mundart bringt es zum Ausdruck: "Jedellisch wie Job" ist einer, den nichts so schnell aus der Ruhe bringt. Aber auch die Hiobs- (Jobs)botschaften sind gekommen und wieder gegangen - so wie die Dorfgeschichte Brandscheids beispielhaft zeigt. Aus einem "verbrannten Dorf" von einst ist heute eine schmucke Wohngemeinde geworden.
EXTRA
DULDER JOB
JOB (auch Ijob, bzw. Hiob), legendarische Gestalt des leidenden Gerechten im Alten Testament. Ob Job eine historische Gestalt gewesen ist oder nicht, lässt sich nicht mehr ermitteln. Er wird als ein Mann der Vorzeit vorgestellt, beheimatet in Uz, vermutlich östlich des Jordans. Diese nicht näher zu bestimmende Herkunftsangabe zeigt, dass Job jedenfalls nicht israelitischer, sondern eher edomitisch-arabischer Herkunft gewesen sein muss. Dafür spräche auch die in apokrypher Literatur (»Testament des Hiob«) vorgenommene Identifizierung Jobs mit dem edomitischen König Jobab. Unter den sprichwörtlich gewordenen »Hiobsbotschaften« (Verlust von Hab und Gut, der Kinder und der eigenen Gesundheit) bewährt sich Job nach der so genannten Rahmenerzählung des Hiobbuches als frommer Dulder, der sein Geschick aus Gottes Hand akzeptiert. Zur Belohnung für diese bestandene göttliche Prüfung erhält er seinen früheren Wohlstand schließlich doppelt zurück. In der Hiobdichtung wird Job dagegen als der leidenschaftlich um sein Recht vor Gott ringende Mensch dargestellt, der zuletzt vor der souveränen göttlichen Macht gegenüber den Geschöpfen kapitulieren muss.
Mit freundlicher Unterstützung von Joachim Schröder
Titel: Job als Wahr- und Heilszeichen -
Autor: Joachim Schröder
Copyright: © by Joachim Schröder
gepostet von Joachim Schröder am:
Date: 10.11.2009 14:16
Internet: www.joachim-schroeder.com
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