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Kriegsweihnacht in der Westeifel -
Ein Zeitbild anno 1944 nach Aufzeichnungen von Dechant Franz Hartel (+)
"Weihnachten brannte die Westeifel" - so lautet nicht nur ein Buchtitel aus der Feder des Neuerburger Autors Rudolf Homann. "Ausgerechnet an Weihnachten brannte die Bleialfer Pfarrkirche" berichtete der damalige Schneifelpfarrer Franz Hartel in seiner Chronik.
Weihnachten, das Fest des Friedens, war in der westlichen Eifel im Kriegsjahr 1944 alles andere als friedlich. Feindseligkeit pur! Schon vor Kriegsbeginn war die Eifel ein "Ameisenhaufen", wie Franz Hartel schreibt. Er meinte damit das massive Schaffen und Bauen am Westwall. Drohendes Unheil für den Schneifelort Bleialf deutete sich 1939 an, als das "Glockenverbot" vom 12. September ein Läuten untersagte, "obwohl die Firma Mark aus Brockscheid soeben erst den Glockenturm erneuert hatte", wie Hartel im Pfarrbrief mitteilte.
Im Herbst 1944 wurde insbesondere die Schneifel zum Schauplatz erbitterter Kämpfe. Hartel damals: "Tag für Tag hämmerten die Geschütze des Feindes auf unser Dorf". Bleialfer Bewohner wurden zum Schloss Wallerode nach Belgien gebracht und dort in Ställen einquartiert. Pastor Hartel verblieb in "seinem" Bleialf und rettete noch wertvolles Kircheninventar, konnte aber schlimmste Verwüstungen im "Schneifeldom" nicht verhindern.
Am 16. Dezember 1944 setzte um 5 Uhr überraschend die Rundstett-Offensive ein. Die Amerikaner zogen sich zurück, deutsche Soldaten besetzten das Dorf - Bleialf wurde das Ziel zahlloser Jabo-Angríffe. Genau an Heiligabend wurde die schöne Pfarrkirche St. Marien in Brand geschossen - ein Drama für die Gläubigen.
Pastor Hartel schreibt über diesen 24. Dezember: "Nach dem schrecklichen Mittag sank der Heilige Abend auf die Fluren der zerquälten Eifel. Unsere Soldaten bevölkerten zu Hunderten das Pfarrhaus und bereiteten die Weihnachtsfeier vor: Kerzen, Tannenzweige, Wein, Zigaretten..."
Am ersten Weihnachtsfeiertag rückten sämtliche Einquartierer ab, "das Pfarrhaus war wie leer gefegt". Sehr bewegt schildert der angesehene Seelsorger, dass er um 7 Uhr "in einem kleinen Zimmer neben der Küche an einem Tisch die Mette hielt". 30 Leute hatten sich dort eingefunden, zuvor legten sie ihre Beichte ab. Hartel klagt: "Keine Krippe, kein Christbaum! Nur zaghaft versuchten einige, ein Weihnachtslied anzustimmen".
Weitere Gottesdienste zelebrierte der Geistliche am Weihnachtsmorgen in Winterscheid und Mützenich, während es in Bleialf wegen schwerer Flugangriffe an vielen Stellen brannte. Bis Ende Januar 1945 dauerte es - dann waren die Schneifeldörfer wieder in amerikanischer Hand. "Bleialf war mit Granaten regelrecht eingedeckt", schreibt Hartel verbittert. Noch verheerender ging es im benachbarten Brandscheid zu, wo nur noch ein Kirchentorso in den Weihnachtshimmel ragte.
Das nebenstehende Bild zeigt amerikanische Soldaten am 27. Februar 1945 in der Bleialfer Kirche. An der Kirchenwand angeschlagen befand sich der dramatische Hilferuf "Herr, lass keine Mutter um verlorene Kinder weinen". Doch gerade hier auf den Schneifelhöhen flossen Tränen des Entsetzens und der Trauer - wie kaum irgendwo anders wütete hier der Kriegssturm.
Nach dem schrecklichen Unheil ließ Hartel das zerstörte Kirchendach notdürftig mit 8000 aufgeschnittenen Kartuschen reparieren. An Fronleichnam 1945 schmückten die Bleialfer ihre Straßen mit Wimpeln aus Fallschirmseide und mit Girlanden aus Fernsprechkabel. Insgesamt beklagte Bleialf den Verlust von 31 gefallenen Soldaten und 22 Zivilpersonen. Die Amtsverwaltung listete 1953 weitere 43 namentlich Vermisste auf.
Weihnachten im Krieg - auch ein Stück Eifelgeschichte, das niemals vergessen werden darf. Heute erstrahlt der "Schneifeldom" im Inneren so glanzvoll wie nie. Herrliche Kleinode, ein "himmliches" Deckengemälde und viele Figuren sind neben der Siebenschläfergruppe die Zierde des Gotteshauses.
EXTRA
Nähert man sich dem Ort Bleialf , so fällt zunächst die Kirche mit ihrem Turm auf , die das Dorfbild prägt. Der "Schneifeldom" ist neben der Basilika in Prüm die größte Kirche des früheren Kreises Prüm und gibt auch heute noch ein anschauliches
Zeugnis von der Geschichte des Ortes und seiner Pfarrei.
Wer - vom Marktplatz kommend - die Kirche besuchen möchte, tritt durch einen schönen alten Torbogen und überquert den ehemaligen Friedhof, der heute zu einer ansprechenden Anlage umgestaltet ist. Durch das Hauptportal betreten wir die Kirche und stehen zunächst in dem ältesten gotischen Teil. Er wurde 1496 erbaut; der zugehörige Glockenturm ist noch älter und stammt aus der Zeit um 1360. Das Chor der gotischen Kirche ist nach Osten zum Heiligen Land gerichtet, von wo die Erlösung durch Jesus Christus ausging.
Als man 1980 bis 1982 daranging, die gesamte Kirche zu renovieren, fand man im Gewölbe
des mittelalterlichen Teils Deckengemälde aus der Erbauungszeit , also von 1496. Die Fresken waren unter 16 bis 20 Schichten Mörtel und Putz versteckt und mussten mit größter Sorgfalt und großem finanziellen Aufwand freigelegt werden. Diese Arbeiten zogen sich bis 1982 hin, aber jetzt kann der interessierte Besucher das großartige Gemälde bewundern.
Das Thema des gesamten Gemäldezyklus sind die "10 Gebote" in der Gegenüberstellung zu
den "10 ägyptischen Plagen", die im Alten Testament der Bibel geschildert werden. (js)
Mit freundlicher Unterstützung von Joachim Schröder
Titel: Kriegsweihnacht in der Westeifel -
Autor: Joachim Schröder
Copyright: © by Joachim Schröder
gepostet von Joachim Schröder am:
Date: 10.11.2009 14:14
Internet: www.joachim-schroeder.com
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