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Von Acht bis Wenzelbach
Prümer Flurnamen
Ein Blick in die Geschichte der ehrwürdigen Abteistadt Prüm lohnt immer wieder. Im Folgenden betrachten wir einmal die Flurnamen in der Stadt und rund um die Stadt, die wichtige Hinweise auf die Besiedlung und die Herkunft von ortstypischen Bezeichnungen liefern. Als Quelle für diese Nachforschungen dient nach Angaben des Katasteramtes das "Verzeichniß der einzelnen Distrikts resp. Gewannennamen in den Fluren der Gemeinde Prüm" von 1826.
Nach diesen Unterlagen sind die Flurnamen in fünf Gruppen eingeteilt, die sich nach den Örtlichkeiten bzw. Gebäuden richten:
- die dem Kloster zugeordneten Namen
- die der so genannten Bürgersiedlung zugeordneten Namen
- um die Stiftsfreiheit
- Kalvarienberg, Kreuzerweg
- um Prüm herum
Wie anderenorts könnte man auch eine Einteilung nach den Begriffen selbst und deren Endungen vornehmen. So ist eine Unterscheidung nach "Höhe", "Berg", "Seifen", "Bach", "Born", "Paisch", "Wiese", "Garten", "Dell", "Feld", "Heck", "Held" oder "Büsch" ebenso leicht zu tätigen. Doch bleiben wir bei der Gruppierung nach den oben genannten "lokalen" Kriterien.
Ingesamt 21 Flurnamen in der Stadt Prüm können dem Kloster zugeordnet werden, das im Jahre 721 gegründet wurde und die Geschichte der Stadt maßgeblich beeinflusste. "Am Kloster", "Klosterhof", "Klostergarten", "Bei der Kirch", "An der Burg" nehmen direkten Bezug zu den Gebäuden an der Prüm, die ursprünglich im Bereich des heutigen Stadtfriedhofes lagen. Das Gelände unmittelbar um die mächtige Anlage bestimmte weitere Begriffe und verwies zudem auf die Einteilung des Gebietes: "Im Weiher", "Im Rehgert", "Auf der Insel", "Über dem Mühlenwehr", "Unter dem Duppborn", "Auf dem Rübenstück", "Am Prümbach" usw. Auf klösterlich-ländliche Tätigkeiten verweisen Flurnamen wie "Bei der Lohmühle", "Im Brauhausgarten", "In der Gerberei unter der Held", "Im Hopfgarten", "Im Pottaschgarten" und "Unter der Mühle". Bis heute sind Lokalitäten wie "Auf dem Hahn" und "In der Held" als ortsspezifische Bezeichnungen erhalten und liefern wichtige Hinweise auf Lagebezeichnungen innerhalb der Stadt Prüm. Nicht zu deuten ist der Flurname "Im Hopendäl" Vielleicht hat auch er mit Hopfen zu tun, denkbar ist auch "Heutal", wo man das Gras abends zu Haufen zusammenfügte ("hopte"). Interessant erscheint auch der Hinweis, dass der Fluss Prüm in diesem Bereich eine Insel bildete - wohl wegen der Abzweigung des "Mühlenbaches" vom Fluss Prüm im Bereich der Klostermühle.
Zu der Gruppe "Bürger-Siedlung" zählen Flurnamen, die sich zum Teil noch heute in Straßenbezeichnungen wiederfinden: "Auf dem alten Markt", "In der Pfanngasse", "Im Thiergarten", "Am Fuhrweg", "Am Johannis-Born", "Auf der Ritz" oder "Auf dem Burgring". Interessant ist auch, dass sich einige wenig aussagekräftige Namen einschlichen, vermutlich um verbal abzukürzen: "Auf dem Kalk", "In der Straße", "Auf dem Berg", "Im alten Hof", "Auf dem Graben", "Auf der Lay", "Auf dem Strich", "Auf dem Neugarten". Andererseits finden sich aber auch echte Flurbezeichnungen, die auf Grundstücke und Felder verweisen. Beispielhaft nenne ich "Auf dem Kleefeld", "Im Treuenberg", "Auf Brockenwieschen", "Auf Heinenpesch", "Auf Pollichs", "Auf Kindsen Trisch". Hier erfahren wir denn auch einige Besitzernamen aus der Stadt, die am Rande der "Bürgersiedlung" Wiesen und Gärten ihr Eigentum nannten. Im Prümer Verzeichnis gibt es in dieser Gruppe seltsamerweise keinen Begriff mit "Bungert" oder "Wingert", wie er anderenorts oft üblich ist.
"Um die Stiftsfreiheit" gruppieren sich Orts- und Flurbezeichnungen, die auf bedeutende Einrichtungen Prüms verweisen. Ohne diese Flurnamen alle wörtlich zu erwähnen, belasse ich es bei der Benennung dieser Gebäude, die für die Klosterbewohner, später auch für die Stadtbevölkerung von größter Bedeutung waren: Hospital, Spital, Schule, Dechanei, Pfarrhaus und alte Kirche. Die Straßenbezeichnung "Spitalgasse" hat sich bis heute erhalten, ansonsten blieben keine Ortsbezeichnungen erhalten. Alteingesessene Prümer können allerdings die Örtlichkeiten der Gebäude bis heute klar bestimmen.
Der Prümer "Hausberg" - der Kalvarienberg - und der Kreuzerweg sind schicksalhafte Punkte im Bereich der Abteistadt. Die religiösen Hinweise sind unverkennbar: Zum Kalvarienberg und seiner Kapelle führte einst der Kreuzweg, der in der Fastenzeit und speziell am Karfreitag höchste Bedeutung hatte. Der "Kreuzerweg" trägt seinen Namen wegen der sieben Fußfallkreuze, die von Kindern abgeschritten wurden, um für eine gute Sterbestunde eines Schwerkranken zu beten. Das älteste Fußfallkreuz stammt aus dem Jahre 1597 mit der Darstellung der Todesangst Jesu. Zu den Flurnamen rund um den Kalvarienberg und den Kreuzerweg zählen "Auf dem Burgstück", "Im Eulenrech", "Am Ölberg", "Auf Maikreuzchens-Wies", "Im Lindenberg", "An der Kuhtrifft", "Am Kalvarienberg", "Hinter dem Kalvarienberg", "In der Krümme". Die Flurbezeichnung "Auf der Acht" verweist auf die Gerichts- und Hinrichtungsstätte im Bereich des heutigen Achterweges, wo bis heute ein Grabkreuz aus Schieferstein erhalten ist. Hier soll auch der Brandstifter des Brandes von 1768, der 214 Häuser vernichtete, hingerichtet worden sein.
Rund um Prüm verweisen einige Flurnamen auf Streusiedlungen, die bis heute existieren. "In Wirbelscheid", "Auf der Tafel", "Auf Walcherath", "Auf der Selbach" und "Im Rathenberg". Bei diesen Aussiedlern handelte es sich um Bauern, die aus der Enge des Stadtgebietes auszogen, um größere Betriebe anzusiedeln. Zu den weiteren Flurnamen rund um Prüm zählen "In der Tettenbach", "Oben in der Tettenbach", "Am Lenzbrück", "Auf dem Ma(h)lseifen", "Im steinigen Berg", "In der Steinkaul", "Auf dem Pferdemarkt", "In der Wenzelbach" und "Forsthaus". Das abgewandelte Wort "Held" ist von "Heide" abzuleiten. Heide ist ein ebenes, unbebautes, wild bewachsenes Land. Hell oder Helle kann aber auch ein Wohnstättenname sein. Hell/Höll/Helle/Hölle/Hellen/Höllen ist auch eine Geländeform, im Norddeutschen eine abschüssige Fläche. Außerdem gibt es eine Erklärung, die sich auf den Hilferuf "helfa-rihhi" = "Hilfe,Beistand,Schutz" stützt. Schließlich gab es im Mittelalter den mittelhochdeutscher Übernamen "helt" = "Held".
Auch ist interessant zu erfahren, dass sich beispielsweise der Pferdemarkt und "Lenzbrück" noch vor 200 Jahren außerhalb der Stadt befanden. Daraus ist abzuleiten, dass die Urzelle der Stadt unmittelbar an der Prüm lag. Eine weitere Ausdehnung der Stadt gab es vorerst nur entlang des Gewässers, eine Besiedlung in westliche und nördliche Richtung erfolgte erst etwa 1000 Jahre nach Gründung des Klosters.
Mit freundlicher Unterstützung von Joachim Schröder
Titel: Prümer Flurnamen
Autor: Joachim Schröder
Copyright: © by Joachim Schröder
gepostet von Joachim Schröder am:
Date: 26.06.2009 16:11
Internet: www.joachim-schroeder.com
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