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Abendmahl
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Steht das Sacrament des Abendmahls überhaupt unter den übrigen Sacramenten mit einer gewissen eigentümlichen Auszeichnung da (s. hier über Concil. Trident. Sess XIII. cam. 3. in ea — Eucharistia — excellens et singulare reperitur); so offenbart sich dieses Ausgezeichnete und Eigentümliche auch in der Art und Weise, wie sich das Abendmahl zum Christentum und zur Kirche im Großen verhält. Dies wird sich von selber aus dem ergeben, was wir aus seiner Bedeutung, seinem Wesen und seinem Inhalt erkennen werden. Die Einsetzung dieses Sacraments durch den Erlöser bei der letzten Ostermahlzeit erzählt Matthäus Kap. 26, 26-28. also; "Da sie nun aßen, nahm Jesus das Brot, segnete und brach es, gab es seinen Jüngern und sprach: Nehmet und esst, dieses ist mein Leib! Darauf nahm er den Kelch, reichte Ihnen den selben und sprach: Trinket Alle daraus, denn dieses ist mein Blut, das Blut des neuen Bundes, welches für Viele zur Vergebung der Sünden vergossen wird."

Markus wiederholt Kap. 14, 22-24. dasselbe:
Lukas 22, 19 -22 ebenso; nur setzt er noch hinzu: "Tut dies zu meinem Andenken!"
Was wir bei Joh. 6, 52-61. geschrieben finden, ist eine Hinweisung auf die erst zu geschehende Einsetzung und eine verbreitende Erklärung des künftigen großen Geheimnisses.
Paulus aber kommt 1. Kor. 11, 23-39 auf die schon geschehene Einsetzung zurück und erzählt sie eben als die bereits vollzogene in ihren Grundzügen nochmals, indem er B. 23-26 sagt: "Denn vom Herrn habe ich es empfangen, was ich euch übergeben habe, nämlich: Der Herr Jesus, nahm in der Nacht, da er verraten wurde, Brot, dankte, brach es und sprach: Nehmet hin, esset, dies ist mein Leib, der für Euch hingegeben wird. tut dies zu meinem Andenken. Desgleichen nahm er nach der Mahlzeit den Kelch und sprach: dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blute; tut dieses, so oft ihr trinket, zu meinem Andenken! Denn so oft ihr dieses Brot esset und diesen Kelch trinket, sollet ihr den Tod des herrn verkünden, bis er wieder kommt." —

Inhalt des Sacraments d. A.: Im Sacrament der Eucharistie ist, wie das Concilium von Trident sich ausspricht, der Leib und das Blut samt der Seele und Gottheit unseres Herrn Jesu Christi — wahrhaft, wirklich und wesentlich enthalten, nicht etwa nur wie in einem Zeichen, oder im Bilde, oder der Kraft nach (Conc. trid. sess. XIII. can. 1. cfr. cap. 1).
Die katholische Kirche nimmt die Einsetzungsworte schlechthin buchstäblich, nicht figürlich. Sie hält sich an das dort klar und deutlich ausgesprochene Ist undverdreht dieses nicht in eine B e d e u t e t. Mit der letzten Annahme verbindet sich in der Regel die Vorstellung, Christus habe durch das Abendmahl lediglich nur ein Andenken an ihn in der Kirche stiften wollen und er habe die Erinnerung an ihn an den ganz natürlichen Genuss von Brot und Wein geknüpft. Allerdings ist mit dem Abendmahl die Erinnerung an Christus verbunden, wie er ja selbst sagt: Tut dies zu meinem Andenken! Allein diese Erinnerung ist eine schlechthin eigentümliche, mit einer jeden anderen Art nicht zu vergleichende. Für eine Erinnerung im gewöhnlichen Sinne war bei Christus mehr als hinlänglich gesorgt durch seine ganze großartige, mit Nichts zu vergleichende Erscheinung, durch sein gesamtes Wirken, durch seinen Versöhnungstod, durch seine Auferstehung und Himmelfahrt, und insbesondere durch die von Ihm gestiftete Kirche und das darin errichtete Lehr- und Predigtamt—ewige Zeugen seines Lebens in der Menschheit. Wenn daher Christus sagt: Tut dies zu meinem Andenken! so soll zwar die Erinnerung an ihn allerdings auch an das Abendmahl geknüpft sein, aber nicht nur, auf dass eine einfache Erinnerung an Christus sei, sondern auf dass hier das Andenken an ihn sich aufs Innigste und Lebendigste verbinde mit dem Genusse seines Leibes und seines Blutes. Man soll sich nicht etwa erinnern, indem man Brot ist und Wein trinkt, sondern indem man seinen Leib isst und sein Blut trinkt. Das schlechthin Eigentümliche und Einzigartige des Abendmahls erklärt sich hinlänglich aus der Person und dem Werke Christi. Wenn der Apostel Paulus 1 Kor. 11, 26 sagt: "So ist ihr dieses Brot esset und diesen Kelch trinket, sollt ihr den Tod des Herrn verkündigen;" so ist in diesen Worten die innerste Beziehung des Abendmahls zum Tode Christi für Jeden ausgesprochen. Die Bedeutung des Abendmahls ist an die Bedeutung des Todes Jesu Geknüpft. Der Tod Christi ist aber der Tod des Welterlösers. Aus dem Tode Christi folgte die Erlösung der Welt. Darauf deuten die Einsetzungsworte selbst hin, indem es in ihnen heißt, der Leib wird hingegeben und das Blut wird zur Vergebung der Sünden vergossen werden. Ist nun die stete Erinnerung an Christus das Lebendige Bewusstsein der Menschheit von Christo, wie es zu allen Zeiten nach ihm ist; so ist dieses selbe Bewusstsein zugleich das über den Tod Christi, durch den die Welt erlöst ist. Die wahre und eigentliche Lebendigkeit besteht aber nicht darin, die so vollbrachte Erlösung etwa nur zu wissen, sondern vielmehr darin, die Erlösung an sich zu erfahren. Diese Erfahrung macht aber ein Zweifaches notwendig. Zuerst muss sich der selbe Christus, der die Welt als Gottmensch erlöst hat, in seiner wahren Lebendigkeit, d. h. in eben seiner Gottmenschlichkeit in sich aufnehmen. Diese Vereinigung will das ganze Christentum, sie ist sein Zweck und seine Absicht. Und so verwirklicht sich im Abendmahle, welches der würdige Genuss des wahren Leibes und Blutes Christi ist, das Wesen und der Zweck des Christentums. Damit aber wird von selbst begriffen, warum das Abendmahl mit einer bestimmten Auszeichnung unter den übrigen Sacramenten dasteht. (Vergl. über das Bisherige Staudenmaiers theolog. Enzyklopädie I. Thl. 2. Aufl. S. 784 - 792).

Damit kommen wir nun auf das Frühere zurück, auf die im Abendmahle festgehaltene Erinnerung. Dass sie keine leere sei, haben wir bisher dargetan. Es geht aber auch noch aus Anderem hervor. Wäre der Inhalt des Abendmahls nur gewöhnliche Speise und Trank und als diese wiederum nur Erinnerungszeichen; so würden die Worte des Apostels 1 Kor. 11, 27-29. unverständlich, in jedem Falle aber bedeutungslos sein: "Wer demnach unwürdig dieses Brot ist und den Kelch des Herrn trinket, der versündigt sich an dem Leibe und Blute des Herrn. So prüfe denn Jeder sich selbst: alsdann ess er von diesem Brote und trinke aus diesem Kelche; denn wer unwürdig isst und trinkt der isst und trinkt sich selbst das Gericht, weil er den Leib und das Blut der Herrn nicht unterscheidet." Klarer, deutlicher, bestimmter und mit stärkerer Hervorhebung des Unterschiedes kann man nicht sprechen. Dasselbe ist der Fall bei Joh. 6, 32-35. 48-59.: "Darauf sprach Jesus zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Nicht Moses hat euch Brot vom Himmel gegeben, sondern mein Vater gibt euch das wahre Brot vom Himmel. Denn das ist das Gottesbrot, welches vom Himmel kommt und der Welt das Leben gibt. Sie sagten zu ihm: Herr, so gib uns doch für immer solches Brot! darauf sprach Jesus zu ihnen: Ich bin das Brot des Lebens; wer zu mir kommt, der wird nie hungern; und wer an mich glaubt, den wird nie dürften. Ich bin das Brot des Lebens. Haben gleich Eure Väter in der Wüste Manna gegessen, so starben sie dennoch. Allein dieses ist das Brot, welches vom Himmel herab kommt, dass keiner sterbe, der davon isst. Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel kommt. Wer von diesem Brote isst, der wird ewig leben. Und zwar ist das Brot, das ich geben werde, mein Fleisch für das Leben der Welt. Hierüber zankten sich die Juden mit einander und sprachen: Wie kann dieser uns sein Fleisch zu essen geben? Jesus sprach zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, wenn ihr das Fleisch des Menschensohnes nicht esset und sein Blut nicht trinket, so habet ihr kein Leben in euch. Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der hat das ewige Leben und ich werde ihn am jüngsten Tage erwecken; denn mein Fleisch ist wahrhaft Speise und mein Blut ist wahrhaft Trank. Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der bleibet in mir und ich in ihm. Gleich wie der lebendige Vater mich gesendet hat und ich durch den Vater lebe; so wird auch der, welcher mich isst, durch mich leben. Dies ist das Brot, welches vom Himmel herabgekommen; nicht wie eure Väter das Manna aßen und starben; wer dieses Brot isst, der wird ewig leben." — Auch in diesen so wichtigen Stellen ist das Brot und der Trank des Abendmahls von jedem anderen Brot und Trank, selbst das Manna, auf das Bestimmteste unterschieden; der Genus des Abendmahls gibt dem Genießendem ewiges Leben: die vom Manna gegessen haben, sind gestorben. Ebenso ist in dieser Stelle der Zweck des Abendmahls mit dem Zweck des Christentums als Eins gesetzt: Die lebendigste und innigste Vereinigung des Menschen mit dem gottmenschlichen Erlöser. Wie wenig in dieser Rede Christi an etwas bloß Figürliches, etwas, wie man geglaubt hat, an eine Versinnlichung des Glaubens, zu denken sei, geht schon aus dem Anstoße hervor, den die Juden an eben diesen reden Jesu genommen haben: "Wie kann uns dieser sein Fleisch zu essen geben?" Christus jedoch hat keine andere Erklärung gegeben, um einen etwaigen Irrtum, hergekommen aus Missverständnis, aufzuheben; vielmehr blieb er bei seiner Rede stehen und ließ es, da der Glaube sich nicht gebieten lässt, zu, dass selbst einige seiner Jünger seine Lehre für eine harte lehre ausgaben (Joh. 6. 61) und von ihm zurücktraten (Joh. 6. 67.). Die buchstäbliche Auslegung ist dadurch vom Herrn selbst als die rechte und wahre bezeichnet, sonst hätte er widersprechen müssen: und eben die wörtliche Erklärung, auf das Wesen und den Zweck des Christentums hingesehen, ist Geist und Leben: "Die Worte, die ich zu euch rede, sind Geist und Leben." (Joh. 6. 64.) Nur die geistlose und unlebendige Anschauung vom Christentum im Allgemeinen findet sich durch jene buchstäbliche Auslegung zurückgestoßen.

Der Einwurf des Dr. Clarke: — dass, da es in der syro-chaldäischen Sprache kein einziges Wort für "Bedeuten" gebe, für welches sofort stets das Zweitwort Sein (D a s  i s t, für: D a s  b e d e u t e t) genommen werde; Christus aber wahrscheinlich in jener Sprache gesprochen habe; so habe auch Jesus gesagt: das ist, nur aber um auszudrücken: das bedeutet, — diesen Einwurf hat Wiseman auf das Schlagendste dadurch zurück gewiesen, indem er dargetan, dass die syrische Sprache (darin reicher als beinahe jede andere) über vierzig Wörter besitze, welche Bedeuten bezeichnen. Dass nun aber im Abendmahl der Leib und das Blut Christi genossen werde, und an keine figürliche Deutung zu denken sei, geht nach der Heiligen Schrift auch aus dem hohen Altertum hervor: es ist Lehre der frühesten Kirche. Es ist in diesem Sinne der Inhalt der Arkandisziplin, was selbst durch die Feinde des Christentums dadurch sichtbar wird, dass sie das Abendmahl der Christen für ein Thyestes-Mahl hielten, indem sie annahmen, es werde dabei ein Kind geschlachtet und das in das Blut desselben getauchte Brot genossen. (s. Döllingers Lehre von der Eucharistie und Wisemans Schrift über die vornehmsten Lehren und Gebräuche der katholischen Kirche). Von den Vätern könnten wir für die vorhin beschriebene altkirchliche Auffassung viele Stellen anführen. Wir berufen uns für jetzt nur auf Justin den Märtyrer. Dieser sagt: "nach Beendigung unserer Gebete begrüßen wir einander mit Friedensküssen. Dann wird dem, welcher den Brüdern vorsteht, Brot und mit Wasser gemischter Wein gereicht; wenn er dieses genommen hat, so lobpreiset er den Vater wegen Allem im Namen des Sohnes und des Heiligen Geistes und stattet Dank ab in vielen Gebeten, dass er dieser Gaben würdig erachtet worden ist. Diese Nahrung nennen wir Eucharistie, woran bloß diejenigen Teil nehmen dürfen, welche die von uns vorgetragenen Lehren glauben und durch Wasser zu Sündenvergebung wiedergeboren, nach den Vorschriften Christi leben. Aber wir nehmen diese Gaben nicht wie gewöhnliches Brot und gewöhnlichen Trank, sondern wie Jesus Christus, unser Heiland, Mensch geworden ist und zu unserer Erlösung Fleisch und Blut angenommen hat, so wird, laut der uns eingeprägten Lehre, die Nahrung, die durch das Gebet der Worte, die er sprach, gesegnet werden und durch welche unser Blut und Fleisch in der Umwandlung genährt wird, das Fleisch und das Blut dieses menschgewordenen Jesus." Apol. I.
Diese Stelle aus Justin führt uns schon von selber zur Lehre von der Transsubstantiation. Die Transsubstantiation ist die Verwandlung. Durch den Priester der katholischen Kirche wird das Brot in den Leib, der Wein aber in das Blut Christi verwandelt, durch das Aussprechen jener Worte, welche die Einsetzung des Abendmahls durch Christus nur wiederholen, wie wir diese nach Matth. 26, 26-28. Mark. 14, 22-24. Luk. 22, 19-22. schon oben in Betrachtung gezogen haben. Zwar bleiben auch nach der Verwandlung die sichtbaren Gestalten des Brotes und des Weines, allein das Brot ist nicht mehr das Brot, sondern der Leib Christi und der Wein nicht mehr der Wein, sondern das Blut des Erlösers. So ist Christus nach der Wandlung sacramentalisch gegenwärtig in den gestalten von Brot und Wein, die an sich der leib und das Blut Christi sind. Das christliche Altertum hatte dieselbe Anschauung. So sagt Cyrill von Jerusalem cathech. mystag. 1. 7: "Wein und Brot, was vor der Anrufung der anbetungswürdigsten Dreieinigkeit Nichts war als Brot und Wein, wird nach dieser Anrufung der Leib und das Blut Christi." Ebenso sagt Cyrill catech myst.IV. 3: "Nehmen wir also dasjenige, was uns gereicht wird, mit aller Überzeugung als den Leib und das Blut Christi an. Denn in der Gestalt des Brotes wird dir der Leib Christi und in der Gestalt des Weines das Blut Christi gegeben; damit du, wenn du den Leib und das Blut Christ genommen, Einen Leib und Ein Blut mit ihm erhaltest. So werden wir auch Christuskörper, indem sein Leib und Blut unter unsere Glieder verteilt wird; so werden wir, nach dem hl. Petrus, heilhaftig der göttlichen Natur." Auf gleiche Weise catech. myst.IV.6: "Darum sieh das Brot und den Wein nicht bloß als Elemente an, denn sie sind, nach der Aussage des Herrn, der Leib und das Blut Christi. Stellen sie dir gleichwohl deine Sinne also dar, so soll dich doch der Glaube sicher und gewiss machen. Beurteile die Sache nicht nach dem Geschmacke, sonder sei durch den Glauben gänzlich versichert, dass du die Gabe des Leibes und Blutes Christi erhalten hast." — Auf dieselbe Weise sprechen sich aus Gregor von Nyssa orat.catech. c. 37. Chrysosto,us homil. 1. in cap. XIV. Math. homil. 46 (al.45) in Joann. hom. 24 in 1 ep. ad Corinth. homil. 1. de prodit. Judae. hom. 3. in cap. 1. ad Ephhes. homil .9 .de poenit., Augustinus in Psalm. 14. contra Adversar. legis et prophet. I. II. c. 9.
Endlich stimmen in der beschriebenen Anschauung die Liturgien der alten Kirche überein und zwar in der morgenländischen, griechischen und lateinischen. Sie alle sprechen vom wirklichen Leibe und Blut Christi.

Die Wirkung des Sacraments des Abendmahls ist vielfach schon in den obigen Aussprüchen der Schrift und der Tradition bezeichnet worden. Wenn Christus sagt: "Wer mein Fleisch ist und mein Blut trinket, der bleibt in mir und ich in ihm." Joh. 6, 57. und mit diesem Ausspruche den andern verbindet: "Wer von diesem Brote ist, der wird ewig leben." Joh. 6, 52. vgl. 6. 33. 35. 48. 49. 50. 51. 54. 55. 58. 59.; so ist in Beidem zumal die Wirkung, welche das Sacrament beabsichtigt, sehr klar ausgesprochen.
Die Wirkung wie der Zweck des Sacraments des Abendmahls ist Vereinigung mit Christo und ewiges Leben durch diese Vereinigung. In der Einheit beider Momente fasst das Abendmahl die Stelle auf: "Gleichwie der lebendige Vater mich gesandt hat und ich durch den Vater lebe; so wird auch der, welcher mich isst, durch mich leben." Joh. 6, 58.
Das ist nun auch der ganz eigentliche und wahre Zweck des ganzen Christentums. Zu diesem Ziel und Ende ist Christus erschienen. Wenn der Apostel Paulus als den höchsten Grad des christlichen Bewusstseins den Anspruch bezeichnet: "ich lebe, doch nicht ich, sondern Christus lebt in mir." Gal. 2. 30.; so ist das diesem Anspruche entsprechende Bewusstsein und Leben im Abendmahle vollzogen und verwirklicht. Das Abendmahl ist sonach das große Sacrament der Vereinigung, in welchem sich das hohepriesterliche Gebet Christi verwirklichet: "Du in mir und ich in ihnen, damit sie vollkommen Eins seien." Joh. 17. 23.
Diese Einheit des Menschen mit Gott ist die sacramentalische, die selbst wieder in der innersten Verbindung mit der ethischen ist, eine Einheit somit, die weit davon entfernt ist, eine panthaistische zu sein. Die große Vereinigung, welche durch das Altarssacrament vollzogen wird, ist aber jene, durch welche nicht nur der Mensch mit Gott durch Christus vereinigt wird, sondern auch der Mensch mit den Menschen, die nun alle Glieder am Einen Leibe Christi und unter einander Brüder werden. Darum betrachtet das Cocilium von Trient die hochheilige Eucharistie in der Kirche unter Anderem "als ein Symbol derjenigen Einigkeit und Liebe, in welcher er (unser Heiland) alle Christen unter sich verknüpft und verbunden hat wissen wollen.." Concil. Trid. Sess. XIII. praef.
Sie ist "ein Symbol desjenigen einigen Leibes, dessen Haupt er selber ist, und als dessen Glieder, in der festgesetzten Verkündigung des Glaubens, der Hoffnung und Liebe mit einander verbunden, er uns gewollt hat." Sess. XIII. cap. 2. Welche Folgerung daraus für die Kirche selbst hervorgehe, sofern dies Gemeinschaft ist, ist von selber klar. Vgl. Staudenmaiers theol. Enzyklopädie I. Thl 2te Aufl. S. 788, 789. —

das Abendmahl als Opfer. Wie das Abendmahl Sacrament ist, so ist es auch Opfer. Beide Ideen gehen in ihrer Vereinigung die der heil. Messe. Wie der Messias als Hohepriester und Opferer schon in der Weissagung enthalten war Pf. 109, 4. Maleach. 1. 11., wie er als dieser bei seiner Erscheinung sich betätige (s. Hohepriesteramt Christi); so steht er als sich selber opfernder Hohepriester immerwährend in der Menschheit das, er hat als solcher eine ewige Gegenwart in und durch die Kirche, durch die er für alle Zeiten und Räume als derselbe hindurchgeht. Allerdings hat der Hohepriester Christus, wie der Brief an die Hebräer sich ausdrückt, das, was er tat, Ein für allemal getan, als er sich selbst opferte (hebr. 7. 27.): — allerdings sind wir wie es in demselben Brief heißt, durch die Aufopferung des Leibes Jesu Christi Ein für allemal gereinigt, (heb. 10. 10.): allerdings wird in den nämlichen Briefe mit Hinsicht auf den Attestamtlichen Hohepriester weiter geschrieben: " Er aber (Christus, der ewige und wahre Hohepriester), nachdem er ein einziges Sündenopfer gebracht, sitzet auf ewig zur Rechten Gottes: denn mit Einem Opfer hat er die Geheiligten auf ewig vollendet" (heb. 10. 12. 14.);— allein dies widerspricht der katholischen Anschauung von der steten Wiederholung oder Erneuerung des Opfers Christi in der Messe nicht; vielmehr verhält es sich hiermit eigentlich nur, wie es sich im Grunde mit allem Andern verhält. Wie nämlich das Prophetische Amt Christi im Lehramte der Kirche ununterbrochen fortlebt, und wie dasselbe von seinem königlichen Amte gilt;— ebenso lebt auch sein Hohepriesteramt unaufhörlich in der Kirche dadurch fort, dass er selber als der Hohepriester für die Menschlichkeit zu allen Zeiten und an allen Orten sich betätigt.
Man wird auch hierin die katholische Anschauung nur dann recht begreifen, wenn man sie auf Alles, was Christus der Menschheit ist und was er für sie tat, recht lebendig, ja wir möchten sagen, absolut lebendig denkt. Die Erlösungstat Christi ist kein historisches Factum in dem Sinne, dass es wir es nur in der Erinnerung hätten und dass sie, einmal vollbracht, außer der Erinnerung tot und unfruchtbar wären. Vielmehr ist das Leben und Werk Christi im Unterschiede von allem andern leben und Werk so beschaffen, dass es in der Menschheit immer lebt und immer wirkt.
was Christus für das menschliche Geschlecht getan hat, tut er fortwährend und unaufhörlich auch für die in verschiedenen Zeit- und Raumgebieten lebenden Individuen des Geschlechtes. das ist nun insbesondere auch der Fall mit seinem versöhnendem Opfertode. Christus ist der ewige Hohepriester dadurch, dass er der Hohepriester für die Individuen aller Zeiten ist. Seine Ewigkeit ist seine unaufhörliche Lebendigkeit. So fasst auch das Concilium von Trient den Hohepriester Christus: er ist der, der Alle, so Viele geheiligt werden sollten, vollendet und zur Vollkommenheit bringt. Sess. XIII. cap. 1. Und eben so fasst es die ewige Erlösung. Ibid. Ferner sagt das Concilium: "Es ist Ein und das selbe Opfer und vermittelst des Dienstes der Priester jetzt noch derselbe Opfernde, welcher damals sich am Kreuze opferte; nur die Opferungsweise ist verschieden. Und zwar werden durch dieses die Früchte jenes, nämlich des blutigen Opfers, reichlich empfangen." Ibis. cap. 2. —

Die Kommunion des Priesters geschieht unter den zwei Gestalten, die der Laien in der Regel unter einer Gestalt. Dadurch wird aber am Wesen des Sacraments und an der Kraft desselben nichts verändert. Die Handlung ist nach diesen Beziehungen dieselbe. Nur der des Hinzutritts würdig ist, darf hinzutreten. Nicht hinzutreten dürfen wegen Unmündigkeit die Kinder. Ausgeschlossen sind die Ungläubigen, die Häretiker und in der alten Kirche waren es die Büßer. nach den Kirchengesetzen soll jeder Christ wohlvorbereitet des Jahres wenigstens Einmal zum Tische des Herrn gehen. —

Geschichtliches. der Abendmahlsbegriff, wie wir ihn oben festgestellt haben, war in der katholischen Kirche von Anfang bis jetzt derselbe. Abweichende Ansichten wurden stets als solche zurück gewiesen, die der Einsetzung dem Wesen und der Idee des Abendmahls nicht entsprechen. Zwischen der griechischen und lateinischen Kirche gab es deshalb keinen Streit, als etwa den, ob beim Abendmahl gesäuertes Brot genommen werden soll. Ein anderer Streit berührt die Sache; es ist dies der in der lateinischen Kirche ausgesprochene Streit, angefacht durch Berengar von Tours, in der Mitte des 11.ten Jahrhunderts. Schon im 9ten Jahrhundert hatte Scotus Erigena sich für die figürliche Erklärung ausgesprochen; seine Ansicht erhielt die gebührende Zensur. (Vgl. darüber Staudenmaiers Philosophie des Christentums I. Bd. S. 591 ff.) Berengar von Tours bestritt die Verwandlung, Transsubstantiation, nicht aber eigentlich die Gegenwart Christi im Abendmahle selber, obschon er sich hierüber nicht immer gleich aussprach, indem er mehrere Male in die figürliche Deutung hineingeriet. Er entsagte jedoch später seinem Irrtum. Mehrere Synoden hatten über ihn geurteilt. Die vierte lateranische Synode im Jahr 1215 sprach sich umständlich über die Transsubstantiation aus. Die Hussiten forderten den Kelch auch für die Leien, der diesen entzogen worden war, weil zu verschiedenen Zeiten und an verschiedenen Orten das heilige Blut verschüttet worden war, was dem christlichen Gemüte zu argem Anstoß wurde. Ohnehin war bei den ersten Christenverfolgungen oft genug allein der Leib den Verlangenden und unter diesen den Kranken gereicht worden, ohne den Kelch. Die katholische Kirche hat daher in diesem stücke nicht weniger die frühe Übung für sich. Das Concilioum von Konstanz im Jahr 1415 verdammte die hussitische Vorstellung, dass der Kelch schlechthin und notwendig zum Wesen des Sacraments gehöre.

Die Reformation des 16ten Jahrhunderts änderte, wie so Vieles, auch die frühere kirchliche Anschauung vom Abendmahle. Zwingli erkennt mit seinen Angehörigen im Abendmahle nur eine Erinnerung an Christus und erklärt das Ist für Bedeutet. (S. Möhlers Symbolik. 5te Aufl. S. 326 ff.).
Damit hebt aber Zwingli die ganze Bedeutung und Kraft des Abendmahls mit Einmal auf. Luther verwarf die Verwandlung, hielt aber die wirkliche Gegenwart Christi im Abendmahl fest und verteidigte sie gegen Zwingli und Andere. Anfangs zwar dachte er ungefähr wie Carlstadt und Zwingli, verließ sie später aber wieder. Was er in Betreff der Verwandlung am katholischen Dogma geleugnet hatte, glaubte er, damit Christus beim Genusse gegenwärtig sei, durch den Glauben ersetzen zu müssen: Alles ist Wirkung des Glaubens. Der Christ genießt den Leib und das Blut Christi, weil er glaubt es zu genießen.
Calvin lehrt: "dass der Leib Christi wirklich im Abendmahl gegenwärtig sei, und dass ihn der Gläubige genieße, er meinte dies aber so, dass gleichzeitig mit dem mündlichen Genusse der sinnlichen Elemente, die in jeder Beziehung bleiben, was sie seien und lediglich den Leib und das Blut Christi bedeuten, eine aus dem Leibe Christi, der nun nur im Himmel sei, ausfließende Kraft dem Geiste dargeboten werde." Inst. I. IV. c. 17. Möhlers Symbolik S. 328.
Haben die helvetischen Reformatoren im zürchischen Konsens die Ansicht Calvins angenommen und die späteren reformierten Symbole sich daran angeschlossen (Möhler . a. D.); so hat jedoch im Verlaufe der Zeit die Zwinglische Ansicht die Oberhand erhalten, was sich aus dem in der Schweiz und in Deutschland immer mehr um sich greifenden Unglauben an das wirkliche und wahre Christentum wohl begreifen lässt.

[Staudenmaier]

Quelle: Kirchenlexikon oder Encyklopädie der katholischen Theologie und ihre Hilfswissenschaften, Band 1 von 1848

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