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Feige, Feigen, Feigenbaum
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Feige - franz. figue, engl. fig.

Die Feigen gehören zu den sogenannten Scheinfrüchten und wachsen auf dem gemeinen Feigenbaum (Ficus carica), der namentlich im südlichen Europa und Kleinasien gedeiht, in nördlicheren Gegenden jedoch nur in Kübeln den Sommer über im Freien stehen kann und blos an sehr geschützten Orten im Garten eingepflanzt den Winter überdauert.

Der Feigenbaum wird in Italien, Griechenland, Südfrankreich, Spanien und Kleinasien 5 bis 6 Meter hoch und erreicht einen Umfang von 1-1/2 Meter, während er bei uns mehr strauchartig bleibt und selten über 2 - 3 Meter hoch wird.

Die höckrige Rinde des Baumes ist rauh und aschgrau, das Holz weich und schwammig, die jungen Zweige grün, die handgroßen Blätter mit ziemlich rauher Oberfläch, welche zu unterst an den Zweigen sitzen, sind herzförmig und ungeteilt, die mehr in der Mitte befindlichen in drei Lappen und die obersten in fünf Lappen geteilt.

In den Blattwinkeln sitzen auf kurzen Stielen die birnförmigen, durch den Blüten und Samen einschließenden Fruchtboden gebildeten Feigen; man hat durch die Kultur über hundert verschiedene Speilarten derselben erzeugt, die entweder zu den hellen Sorten gehören und weiß, gelb oder grünlich sind, oder zu den dunklen Arten zählen und dann rötlich, violett oder bräunlich aussehen.

Die bei uns gezogenen Feigen besitzen eine faden, süßlichen Geschmack, während die in südlicheren Ländern gereiften bei weitem angenehmer und lieblicher schmecken und zu den gesundesten Obstarten gehören.

In den meisten Ländern am Mittelländischem Meere liefert der Feigenbaum zwei Ernten, die eine aus den vorjährigen Trieben, derne Früchte im Juni reifen und Sommerfeigen heißen, welche sich jedoch nicht zum Trocknen eignen und deren Genuß leicht Erbrechen und Diarrhöe hervorruft, während die Herbstfeigen, welche Ende August und September geerntet werden, ohne Bedenken frisch genossen werden können und vortrefflich zum Abtrocknen sind.

Man legt sie zu diesem Behuf auf Bretter oder ausgebreite Tücher oder auch auf das bloße Steinpflaster an besonderen, sonnig und luftig gelegenen Plätzen ins Freie so hin, daß keine Feige die andere berührt, und wendet sie einen Tag am den anderen, bis sie trocken genug sind, um verpackt werden zu können, was in etwa 12 bis 14 Tagen der Fall ist.

Die getrockneten Feigen bilden einen sehr bedeutenden Handelsartikel; die besten sind die levantischen Feigen, die sogenannten Tafelfeigen aus Smyrna und Grieschenland von gelblichem Aussehen und honigsüßem Geschmack, in Kistchen und Schachteln verpackt; eine geringere Sorte wird in Fässer und Körbe gepackt und man nennt sie Korbfeigen, während die gewöhnlichsten an Bast und Schilf zu je 100 - 200 Stück aufgereit sind und Kranzfeigen heißen.

Von letzteren erhalten wir die besten aus Calamata auf Morea. Die italienischen Feigen, namentlich die Genueser, kommen an Güte den Smyrnaern fast gleich und sind gelb, groß und länglich; die Calabreser und sizilianischen Feigen sind Korbfeigen von mittlerer Größe und gutem Geschmack, die Dalmatiner und Istrianer Feigen sehen gelb und grau aus, sind wohlschmeckend, aber nicht sehr haltbar.

Die Feigen aus der Provence sind teils weiß und lang, teils rund und außen violett, innwendig rot, worunter sich vorzügliche Sorten befinden, auch die spanischen und portugiesischen Feigen gehören meist zu diesen dunkleren Arten.

Man hat beim Einkauf darauf zu sehen, daß sie möglichst frisch und trocken, süß, fleischig und von außen nicht beschlagen sind; bei dem Eintritt der warmen Witterung gehen sie meist in Gährung über und nehmen einen widerlich süßen Geschmack an.

(aus einem Küchenlexikon von 1886)

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