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Allerseelenspitzl
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Allerheiligen Allerseelenspitzl

In den November mit seinen stillen Tagen fallen auch die Kirchenfeste Allerheiligen und Allerseelen. Während zu Allerheiligen aller Heiligen gedacht wird, ist Allerseelen ein Gedenktag für unsere Toten. Nach altem Volksglauben, der auch in evangelischen Gebieten verbreitet war, stiegen die Armen Seelen an diesem Tag aus dem Fegfeuer zur Erde auf und ruhten sich für kurze Zeit von ihren Qualen aus. Aus diesem Grund stellte man manchmal etwas Essbares auf das Grab. Die armen Seelen hatten bis Mittag Zeit, um wieder ins Fegefeuer zurückzukehren und konnten sich daran laben. An diesem Tage sind sie frei von jeder Pein, dürfen das Fegefeuer verlassen. Schon das ganze Jahr freuen sie sich nach altem Volksglauben auf diesen Tag und seine Oktave1) und zeigen sich oft schon 14 Tage vorher als kleine Lichtlein, damit man ihnen zu Hilfe komme.

Am Allerseelentag fanden sich früher vor den Friedhöfen auch zahlreiche Arme ein, die um ein Almosen mit "Bitt gar schön für die Armen Seelen" sich an das an diesem Tage mehr als sonst geöffnete Herz der Vorübergehenden wandten. Auf diesen uralten Brauch ist auch das "Spitzlschenken" zu Allerheiligen zurück zuführen. "Seidas Christl um a Schpitzl" (Gelobt sei Jesus Chrístus um ein Spitzl (= Hefezopf) sagten ehedem Taufkinder zum Tauf- und Firmlinge zum Firmpaten und bekamen ein Stück Gebackenes oder vielleicht ein Geldstück. Dieser Brauch ist in der Oberpfalz, so auch in der „Region Oberviechtacher Altlandkreis“, zum Teil bis heute noch üblich, wobei aber die Kinder nicht mehr extra darum bitten müssen; vielmehr ist dies Ehrensache der Patinnen und Paten. Das Spitzl musste an beiden Enden – im Gegensatz zu den üblichen zopfartigen Gebäcken – richtig spitz geformt sein. Deshalb wird der Feiertag auch oft als „Spitzltag“ bezeichnet. Mit diesen Gebilden stellt man einen Zusammenhang als Grabbeigaben (Totenspeisungen) früherer Zeit her, wobei diese Totenopfer allmählich als Geschenke an Arme und Kinder ersetzt wurden.

Spitzl Die (eigentlichen) Allerseelenspitzel erinnern an die „Armen Seelen“. Es herrschte der Glaube, dass man mit großzügiger Almosenvergabe an Arme und Schwache den eigenen verstorbenen Verwandten ein paar „Stufen zum Himmel“ bauen könne. So dankte der Beschenkte mit einem „Vergelt’s Gott!“ und dem Zusatz „...für die Armen Seelen“. Auch zu Hause gedachte man der Toten. Noch heute wird darauf geachtet, dass die Menschen beim Umgang mit spitzen und scharfen Gegenständen sehr vorsichtig sind. Im Haus darf kein Messer mit der Schneide nach oben liegen, weil sonst die armen Seelen darauf reiten müssen. Keine Tür darf fest zugeschlagen werden, damit sich keine arme Seele einklemmen kann. So soll man auch keine Harke oder Egge auf der Rückseite liegen lassen, damit keine verfolgte arme Seele an der eiligen Flucht gehindert und von den spitzigen Zähnen verletzt werden kann, und eine leere Pfanne darf nicht auf dem Ofen stehen, denn eine arme Seele könne sich darin verbrennen. Das Herdfeuer blieb daher Tag und Nacht brennen, denn die armen Seelen, die die "kalte Pein" erlitten, sollten sich mal erwärmen können. Brennende Lichter sorgten daheim auch für die nötige Ruhe aller.

1)Oktav Oktav bezeichnet. alternativ die Oktave in der Liturgie der achte Tag nach einem Hochfest, Oktav (Liturgie) Oktavformat , ein Buchformat …

Zu den Bildern
a) Zu Allerseelen werden die Gräber gesegnet.
b) Das Spitzl ist ein aus Hefeteig gefertigter Zopf.

Inhalt mit freundlicher Unterstützung von
Hubert Teplitzky, ehem.Kreisheimatpfleger im Landkreis Schwandorf
92526 Oberviechtach (Bayern)
Autor des Textes: Hubert Teplitzky
Titel: Allerseelenspitzl
Copyright: Hubert Teplitzky
Date: 09.10.2017 12:12

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