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Die Kirchenstuhlordnung von einst
Jeder hatte seinen zugewiesenen Platz

Die Kirchenstuhlordnung von einst - Jeder hatte seinen zugewiesenen Platz

Die Kirchenstuhlordnung von einst
Jeder hatte seinen zugewiesenen Platz

Kirchenstuhl 1 Mit der Erneuerung der alten Kirchenbänke ist auch eine Ära der "guten alten Zeit" zu Ende gegangen. Als nämlich damals Alles und Jedes noch seine Ordnung hatte, gab es in den Pfarrkirchen ab dem 17. Jahrhundert auch eine Kirchenstuhlordnung. Das heißt, dass durch Pfarrer und Kirchenpfleger in den vielen Bankreihen des Gotteshauses jedem Anwesenbesitzer und dessen Frau, vorwiegend also jedem Bauern und dessen Bäuerin, ein ganz bestimmter, ständiger Sitzplatz zugeteilt war. Der Sitzplatz hieß Kirchenstuhl, kostete ein jährliches Stuhlgeld und vererbte sich von Generation zu Generation.

Streng voneinander getrennt saßen die Geschlechter: Auf der rechten Seite, der Epistelseite, die "Mannerleut", auf der linken, der Evangelienseite, die "Weiberleut". Ansehen, Amt und Würde, Reichtum und Besitz wurden in der Reihenfolge streng beachtet und genau eingehalten. Bürgermeister, Förster, Bräuwirt und "geldige Großbauern" saßen in den vorderen Reihen, nach hinten folgten die weniger "schwereren Bauern", die Händler, Handwerker und Häusler.

Ledige Knechte standen unter der Kirchentüre. Die Burschen rangelten sich um ihre Plätze auf der Empore, denn dort hinauf kam der Mesner mit dem Klingelbeutel nur selten. Also ließ sich das Opfergeld leicht einsparen, das man nach dem Segen lieber beim Wirt für eine frische Maß ausgeben wollte.

Kirchenstuhl 2 Was die adelige Standesherrschaft betraf, die Schloss- und Hofmarksinhaber, die Gräfinnen und die Grafen, die Baronessen und Barone, so wohnten diese der heiligen Handlung getrennt vom "niederen Kirchenvolk", ihren Untertanen, in separaten Andachtslogen, den Oratorien, hoch oben im Chor, hinter Fenstern und auf bequemen Polstersesseln bei.

Jeder vergebene Kirchenstuhl (Platz) war durch eine eingebrannte oder aufgemalte Hausnummer in der Lehne der vorderen Bankreihe gekennzeichnet, oft auch mit dem Hausnamen sowie dem Tauf- und Familiennamen. Wer etwas auf sich hielt und es sich leisten konnte, ließ sich ein hübsch geformtes Blech-, Messing- oder Emaileschild mit Namen und Jahreszahl anbringen und teilweise mit einem Heiligengemälde kunstvoll verzieren. Unter anderen sind in der Wallfahrtskirche Neukirchen bei Hl. Blut, diese Namensschilder noch erhalten geblieben, auch in St. Jodok, Tännesberg. Manche dort ablesbare Namen gibt es nicht mehr im Ort, auch wird sich nicht mehr an die Sitzordnung von "anno dazumal" gehalten

Die Kirchenstuhlordnungen und mit ihnen die Kirchenstuhlschilder gibt es in der Regel längst nicht mehr. Neuzugänge, vor allem auch durch die vielen Heimatvertriebenen nach dem Zweiten Weltkrieg sowie durch die rege Bautätigkeit seit den sechziger Jahren haben die Bevölkerung derart anwachsen lassen und so viel neue Namen in die Pfarrgemeinden gebracht, dass in den meisten Kirchen keine Kirchenstühle mehr namentlich vergeben werden. Lediglich vererbte Privilegien von Adeligen werden hie und da noch genutzt.

Inhalt mit freundlicher Unterstützung von
Hubert Teplitzky, ehem.Kreisheimatpfleger im Landkreis Schwandorf
92526 Oberviechtach (Bayern)
Autor des Textes: Hubert Teplitzky
Titel: Die Kirchenstuhlordnung von einst
Copyright: Hubert Teplitzky
Date: 19.07.2016 19:21

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