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Obst- und Beerenernte
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Obst- und Beerenernte -

Holzäpfel kamen in den Heuhaufen Obst- und Beerenernte früher: Kratzbeeren, Äpfel, "Molbern" und Zwetschgen fanden vielfache Verwendung
Im Moselland und in der Eifel war die sommerliche Erntezeit eine lebenswichtige Aufgabe. Vielfach waren es neben den herkömmlichen Obstsorten Beeren und Wildfrüchte, die gesammelt und zuhause verkocht und für den Winter konsumiert wurden.

 Immerwährender Eifeler Bauern- und Hauskalender (Gebundene Ausgabe)
von Joachim Schröder (Autor)
Immerwährender Eifeler Bauern- und Hauskalender (Gebundene Ausgabe) von Joachim Schröder (Autor)

Von Joachim Schröder

Wittlich/Daun/Bitburg/Mayen. Wie roch es früher im Haus, wenn die Mutter Obst "einmachte" oder Beeren zu Säften und Marmelade verkochte! Dieses Aroma konnte durch nichts übertroffen werden. Holunderbeerschale, Heidelbeeren mit Bier, Stachelbeerkompott, Rhabarbermus oder Himbeersaft - alles leckere Nachspeisen, die heute vielfach in Vergessenheit geraten. Noch poetischer klingen Namen wie "Feenkönigin" und "Errötendes Mädchen" - ebenfalls Süßspeisen aus der Region.

Die Eifel, ein rau' Land - so wurde sie oft beschrieben, milder dagegen die Moselgegend, wo Obst und Gartenfrüchte besser gedeihen konnten. Beiden Regionen jedoch war das gemeinsame Sorgen um den Vorrat für die Wintermonate. Aus Wildenburg (Kreis Euskirchen) wird vor 80 Jahren überliefert, "dass nur wenig Obst zur Verfügung stand, dafür umso mehr Waldfrüchte". Man erntete Wald-, Preisel-, Himbeeren und Brombeeren sowie wilde Erdbeeren. Auch Schlehen wurden gesammelt, "die sofort in einer Bratpfanne geschmort und verzehrt wurden", wie überliefert ist.

Waldbeeren, in Prüm "Molberen" genannt, wurden in der gesamten Eifel und im Moselraum gepflückt, wobei man einen "Kamm" zur Hilfe nahm. In großem Ausmaß geschah dies in Brück (Vulkaneifelkreis). "1899 wurden täglich zwei Fuhren mit Beeren zum Bahnhof durchgeführt", schreibt Heimatforscher Peter Weber aus Wershofen. Auch in der westlichen Eifel machten sich besonders die Kinder mit Milchkannen, die mit einem Seil am Gürtel befestigt waren, in die heimischen Wälder, um nach Beeren auszuschwirren.

Rote Johannisbeeren, in der Südeifel "Ruut Krischele" genannt, wurden meist zu Gelee verarbeitet, mit Schwarzen Johannisbeeren zauberte die Hausfrau einen schmackhaften Likör. Stachelbeeren ("Deck Krischele") kochte man zumeist in Gläser ein. "Diese Frucht diente im Winter als Kuchenbelag", weiß Anna Metz aus Wittlich.

"Kratzbeeren" nannte man wegen ihrer Stecheigenschaften in der Vulkaneifel die Brombeeren. "Neben den Früchten erntete man auch die Blätter und Wurzelteile, was vielseitig als Heilmittel eingesetzt wurde", schreibt die Eifelautorin Sophie Lange aus Nettersheim. Beliebt als Nachspeise waren an der Mosel und in der Eifel auch gezuckerte Waldbeeren, die mit Viez übergossen wurden. Ansonsten wurden Brombeeren zu Gelee verarbeitet und waren hochgeschätzt.

Im Tal der Kyll bereiteten die Hausfrauen vielfach Rhabarberkompott, das als Gemüseersatz auf den Tisch kam. "Von einem saurem Kompuß aus sauren Kirschen gereicht zu Fischgerichten" weiß ein Himmeroder Klosterrezept. Zwetschgen, in der Eifel "Quetschen" genannt, Birnen und Äpfel (damit waren meist minderwertige "Holzäpfel" gemeint) bildeten die Grundlage für Mus. "Ääpelkompott, Birremus un Quetschekrout jehuurten eefach op dn Desch", weiß der Volksmund in Daleiden (Eifelkreis Bitburg-Prüm).

Aus St. Vith (Belgien) ist überliefert, dass man Holzäpfel zum Nachreifen in einer Höhle des Heuhaufens lagerte. "Die Höhle wurde dann wieder mit dem Heu verschlossen, so dass die Äpfel hübsch weich wurden", erzählt Sophie Lange in ihrem Kochbuch. Wertvollere Äpfel lagerten die Moselaner im Keller auf einer Stellage - einzeln verlegt. Sie wurden im Winter roh gegessen oder zu Bratäpfeln verwandt. "Wacholderbeeren auf der Herdplatte, bratende Äpfel in der Pfanne - das war ein herrliches Duftgemisch", sagt Anna Metz.

EXTRA

Rezept 1: Errötendes Mädchen
Das Beerenobst verlesen, waschen und abtropfen lassen. Gelatine in kaltem Wasser einweichen und im Wasserbad auflösen. Eigelb und Zucker schaumig schlagen und den Saft der Zitrone, den Rum sowie die aufgelöste Gelatine unter Rühren dazugeben und mehrmals umrühren. Sobald die Speise zu gelieren beginnt, das geschlagene Eiweiß und die Sahne unterheben. Mit den Beeren in hohe Gläser lagenweise einschichten. Mit einem Sahnetupfer verzieren. (js)

Rezept 2: Rhabarber mit Pudding
Den Rhabarber putzen, gründlich waschen, in Stücke schneiden und einzuckern. Sobald er Saft gezogen hat, wird er mit dem Vanillezucker und einem Stück Zitronenschale auf kleiner Flamme zu Kompott gekocht und noch heiß in eine Puddingschüssel gefüllt. Den Pudding kochen, über den Rhabarber geben und warm servieren. (js)

Rezept 3: Feenkönigin
Die entsteinten Sauerkirschen in Wein ziehen lassen. Die Gelatine auflösen, Sahne sehr steif schlagen. Kirschen und aufgelöste Gelatine unter die Sahne heben und mit Zucker abschmecken. (js)

Mit freundlicher Unterstützung von Joachim Schröder
Titel: Obst- und Beerenernte
Autor: Joachim Schröder
Copyright: © by Joachim Schröder
gepostet von Joachim Schröder am:
Date: 14.09.2008 06:44
Internet: www.joachim-schroeder.com

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