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Kerbholz
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Kerbholz -

Etwas auf dem Kerbholz haben heisst umgangssprachlich etwas unrechtes, eine Straftat begangen haben, sich etwas zuschulden kommen lassen.

Die Redewendung bezieht sich auf das bis ins 18. Jahrhundert verwendete Kerbholz, das dazu diente, Warenlieferungen, Arbeitsleistungen und Schulden aufzuzeichnen und abzurechnen. Und zwar wurden in einen längs gespaltenen Holzstab alle Vermerke eingekerbt. Je eine Hälfte behielten zur gegenseitigen Kontrolle der Schuldner und der Gläubiger. Die Bedeutung sich etwas zuschulden kommen lassen haben hat sich aus Schulden haben entwickelt.

Auch Wirte zählten einst ähnlich, um zu wissen, was der Zecher auf dem Kerbholz hatte.

Bei Warenlieferungen prüfte früher ein sogenannter Tallymann meist im Auftrag eines Reeders, mit Melone, Gehrock steifem Kragen und seinem Arbeitsgerät, der fünf Fuß langen Messlatte (1,52 m), die Ladung an Bord auf Stückzahl, Masse und Beschaffenheit. Der Name geht auf das englische Wort tally zurück, und das bedeutet eben so viel wie "Kerbholz". Die Anzahl der Ladungsstücke wurde vom Tallymann in das Holz eingekerbt.

Ein Kerbholz ist eine frühe Zählliste, ja sogar Knochen wurden wohl schon in der Altsteinzeit vor 30 000 Jahren verwendet, und dann meist vom Gläubiger oder Handels-Partner aufbewahrt. An einem bestimmten Termin (Zahltag) wurde das Kerbholz präsentiert und zur Zahlung aufgefordert.

Das Kerbholz wurde bis in das späte 19. Jh. als Ersatz schriftlicher Rechnungsführung gebraucht.

Verwendung fand das Kerbholz zum Beispiel bei:

  • gekaufte Brote beim Bäcker
  • Rechnungen
  • Schulden aus einem Handel
  • Inhalt eines Weinfasses kennzeichnen
  • Fangmenge (z.B. Hering) der Fischer-Gemeinschaften
  • getrunkene Biere im Gasthaus
  • gewonnene oder verlorene Geldstücke beim Kartenspiel
Als Kerbmeister bezeichnet wurde oft das Zunftmitglied, das für die Rechnungsführung zuständig war.

Dem Kerbholz haben wir auch unsere Buchstaben zu verdanken

Quelle: unter anderem der Duden, Das Herkunftswörterbuch, Etymologie der deutschen Sprache, 3. Aufl.

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