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Feuerherd, Holzfresser und Takenplatte
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Feuerherd, Holzfresser und Takenplatte - Eifeler waren schon immer erfinderisch: Verschiedene Heizquellen sorgten für wohlige Wärme

Von

JOACHIM SCHRÖDER

Seit fünf Wochen herrscht im Prümer Land Winter - mal mehr, mal weniger. Doch für die kommenden Tage hat Väterchen Frost samt Schwester Schnee das Regiment ganz fest in der Hand. Temperaturen bis minus 15 Grad und weitere Schneefälle sorgen für ein winterliches "Ambiente" in der Natur. Wer nicht hinaus kann, darf bei Stubenromantik und Feuerschein trotzdem etwas von den Naturschönheit mitempfinden. Anlass auch, einmal nachzusinnen, wie es früher mit der häuslichen Beheizung stand. Vielleicht klingt es antiquiert - doch ohne Öl und Gas war alles viel "romantischer". Schauen wir einmal ins alte Bauernhaus, lassen das Holz knistern und fühlen uns dabei sauwohl in der "guten Stub"...

In der Regel ist auch in der Eifel ein Bauernhaus nicht mehr von einem anderen Wohnhaus zu unterscheiden. Spezifische Einrichtungen sind verschwunden, fast alles hat sich der "neuen Schönheit" untergeordnet. Dafür musste das Eigentümliche weichen. Doch es gibt Ausnahmen.

In Lierfeld befindet sich ein original restauriertes Bauernhaus, das von Familie Dieter Brungs fein herausgeputzt wurde und heute als Ferienwohnung genutzt wird. In diesem Eifelhaus lässt sich nachvollziehen, wie man früher lebte und - wie das Haus beheizt wurde. Alte, originelle Takenplatten und Feuerherde sind Zeugnisse dieser Heiz- und Wohnkultur.

Abends, wenn die Bauernfamilie Haus und Hof versorgt hatte, kam die große Stunde der »guten Stub«. Einer nach dem anderen trat ein, suchte seinen Platz, ging einer kleinen Beschäftigung nach oder ruhte ganz einfach von den Strapazen des Tages aus.

Bis um die Jahrhundertwende gab es offene Herdfeuer in der Küche, welche mit ihrer Feuersglut die eisernen Takenplatten wärmten, die die wohlige Wärme von der Küche in die Stube weitergaben. Die Takenplatten waren in die Stubenwand eingelassen. In vielen alten Bauernhäusern findet man noch jene Stellen in der Wand, die heute vielfach mit einem Wandschrank besetzt sind. Die Kamine wurden geschlossen, neue Herde und Öfen hielten Einzug in das Haus.

Es war die Zeit der »Holzfresser«. Auf ein eisernes Bein oder ein Dreibein setzte man in gehörigem Abstand vom Boden einen zylinderförmigen Eisenofen von etwa einem Meter Höhe und einem halben Meter Durchmesser. An der Wandseite führte ein breiter, geschlossener Eisenschacht vom Ofen aus durch die Wand in den Küchenraum. Der runde Ofenmantel hatte keinerlei Öffnung, da er von der Küche aus befeuert wurde. So kannte man weder Rauch noch Schmutz in dem besten Raum des Hauses. Doch dafür musste man in Kauf nehmen, dass das »unverschämte Nickelgesicht« eine Unmenge an Holz schluckte und so im Volksmund »Holzfresser« genannt wurde. Durch den Schacht warf man die Klötze in den Ofen, in dem es weder Rost noch Steine gab. Das Feuer brannte auf der Bodenfläche, die Asche zog man mit Hilfe eines Schiebers durch den Schacht nach außen. Der Rauch kam durch einen kleinen Nebenschacht zurück und stieg dann an der Wand hoch in den offenen Kamin.

Damit der Holzfresser seiner Aufgabe zumal im Winter gerecht wurde, half der Bauer mit einem Bläser nach: Mit einem langen Eisenrohr pustete er Luft unter die Sohlen, sodass die Glut in Gang gehalten wurde. Und stündlich – mindestens – musste eine Ladung Holz nachgelegt werden, so hoch war der Verbrauch.

Die bäuerliche Einrichtung war auf Dauerhaftigkeit angelegt. Möbel waren nur selten beweglich, Schränke, Bänke, Tische und Bettstellen vielmehr fest eingebaut. Fußböden, Wände, Decken, Türen und Möbel bestanden aus dem gleichen Material, zumeist aus hellem Eichenholz, woraus sich eine Einheitlichkeit ergab, die die Schönheit und Behaglichkeit alter Bauernstuben ausmachte. Doch diente die Einrichtung keineswegs dem schönen Aussehen, vielmehr war alles auf Zweckmäßigkeit ausgerichtet. Wurde die Einrichtung abgeändert oder Teile erneuert, so glich man das Neue dem Bewährten an. Die aus einem gesunden und ursprünglichen Lebensgefühl gestalteten bäuerlichen Möbel waren ausnahmslos Handwerksarbeit verdienter Eifeler Tischler und Schreiner, die es früher in jedem Dorf gab. Vielfach war der Bauer selbst ein Handwerker, freilich ohne das nötige Arbeitsgerät.

In den fünfziger Jahren des 20. Jahrhunderts kamen industriegefertigte Serienprodukte in die Eifeler Wohnungen. Blümchen- und Dirndldekore ersetzten Eifeler Motive. Geräte und Möbel unterlagen der aufkommenden Mode. Lebensformen und -gewohnheiten änderten sich drastisch, statt bäuerlicher Wohn- und Esskultur zog nun der »Geist des Neuen« durch die Wohnstuben.

EXTRA
Takenplatten sind gusseiserne Platten, die in Bauernhäusern bis ins 19. Jahrhundert zu Heizzwecken in eine Aussparung der Feuerwand zwischen Küche und Stube eingemauert wurden. Sie leiteten die Wärme von einem Raum zum anderen. Bis zur Französischen Revolution zeigten die Taken- und die mit ihnen verwandten Ofenplatten meist biblische oder heraldische Motive, später auch mythologische oder allegorische Darstellungen. Sie sind daher auch Objekte der Volkskunst.Takenplatten wurden nur in Eisenhütten Ost-Belgiens, Lothringens, Luxemburgs, der Eifel, des Hunsrücks und des heutigen Saarlandes hergestellt. Heute werden Takenplatte oft zur Verschönerung von Innen- und Außenbereichen von Bauernhöfen und Wohnhäusern genutzt.

Mit freundlicher Unterstützung von Joachim Schröder
Titel: Feuerherd, Holzfresser und Takenplatte
Autor: Joachim Schröder
Copyright: © by Joachim Schröder
gepostet von Joachim Schröder am:
Date: 20.10.2008 14:41 (Aktualisierung: 20.09.2010 21:34)
Internet: www.joachim-schroeder.com


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