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Ein Alt - Eifeler Beruf: der Feldhüter
Von Joachim Schröder, Pronsfeld
Er gehört in die Kategorie ausgestorbener Berufe wie Hausierer oder Kesselflicker: der Feldhüter. Wächter und Wahrer, Hüter, Heger und Pfleger, solche Bezeichnungen dokumentieren das hohe Ansehen und die verantwortliche Tätigkeit des Feldhüters, der an der Mosel sein Pendant in der Gestalt des Weinbergsschützen hat.
Mit dessen Machtfülle war unser Eifeler Naturmann nicht ausgestattet. Er besaß keine Polizeigewalt, führte keine Waffe mit sich und konnte nur selten eigenverantwortlich entscheiden. Was er mit sich führte war lediglich ein kräftiger Eichenstock, wenn denn einmal körperliche Gewalt vonnöten war.
Den amtlichen Charakter des Eifeler Feldhüters erkannte man an seiner hohen Schirmmütze. Ansonsten war er zivil gekleidet: Gummimantel und -stiefel im Winter, ordentliches Hemd und "Rock" (Jacke) in den übrigen Jahreszeiten. Wo immer er auftrat, wann immer er unerwartet gesichtet wurde, der Respekt war allenthalben groß. Für die Bauersleute war er der "Freund und Helfer", für die Dorfjugend, Wilderer und ortsfremde Touristen ein Schreckgespenst.
Was waren nun seine Aufgaben und worin bestanden seine Pflichten ? Beruf und Bestallung des Feldhüters gehen weit in die Agrargeschichte zurück. Schon lange vor Erlass des preußischen Feld- und Forstgesetzes von 1880 gab es Ordner der dörflichen Fluren und Marken. Das System mit Dreifelderwirtschaft, Wegelosigkeit und Flurzwang begründete wohl die Existenz des Feldhüters. So wird es zunächst seine ureigenste Aufgabe gewesen sein, die Einhaltung des Flurzwanges zu überwachen. Kein Landmann durfte vor Beginn der Feldbestellung oder Ernte über das Feld des anderen fahren oder eine Brachfläche einsäen. Wegen der Streulagen und großen Parzellenzersplitterung achtete der Feldhüter peinlich genau auf die Einhaltung dieser strengen Vorschriften, die im Polizeigesetz verankert waren. In Gebieten mit geschlossener Erbfolge oder früher Flurbereinigungen war das Amt des Hüters schon zeitig überflüssig geworden. Der preußischen Dienstvorschrift lag zugrunde, einen geordneten Ablauf der bäuerlichen Arbeiten mit Hilfe des Feldhüters zu gewährleisten. Zudem sollte die Bauerngemarkung von ungünstigen Einflüssen Fremder bewahrt bleiben.
So schritt er über Felder, Flurwege und Äcker und schaute nach allem. Er kontrollierte den Bachlauf, sah nach den Obstbäumen in den Streuwiesen und Bungerten, beobachtete mit Argusaugen das Aufkeimen der Frucht, durchstreifte die jungen Fichtenschonungen und Baumkulturen. Frevler und allzu fesche Burschen, die er erwischte, erhielten eine gehörige Tracht Prügel, manchmal blieb es bei lautstarken Mahnworten.
Als Heger und Schützer der Natur trat er auf den Plan, wenn das Fuhrwerk eines Bauern oder Händlers über einen mit einem Strohwisch gekennzeichneten Acker oder eine frisch eingesäte Wiese rollte. Fahrendes Volk wie Kesselflicker und Korbmacher galt es zu kontrollieren: sie mussten vor der Bannmeile des Dorfes mit ihrem Fuhrwerk parken. An Sonntagen galt sein ganzes Augenmerk den Spaziergängern und Touristen: sie durften weder die Wiesen betreten noch Blumen rupfen, Kornfeldränder antasten oder Äste knicken. Weidekätzchendiebe verfolgte er ebenso scharf wie Wild- oder Fischfrevler. Zur Hütezeit des Viehs wachte er über die Nachbarfelder und die Wanderschafherden. Weiderechte wurden hier nicht immer so genau genommen. Doch galt es, junge Raps- und Roggenfelder besonders zu sichern. Nicht selten kam es mit fremden Schäfern zu handfesten Auseinandersetzungen.
Nur einmal gestattete er den vielen Kindern den Zugang zu den Blumen und Blüten in Wiesen und an Wegesrändern: vor den Tagen des Fronleichnamsfestes. Bereitwillig zeigte der Feldhüter den Kleinen Stellen, wo sie keinen größeren Schaden anrichten konnten und Blumen besonders üppig blühten.
Im Frühjahr wehrte er den "Flämmbuben", die oftmals unterwegs waren und zündelten. Kranken Bäumen half er mit seiner speziellen Medizin und bestrich Wunden mit Baumwachs. Aufgewühlte Rübenkaulen deckte er sachgemäß ab, damit sie dem Winterfrost trotzen konnten. Nach den Herbst- und Winterstürmen brachte er verwehte Strohwische wieder ordnungsgemäß an und setzte beschädigte Vogelscheuchen wieder instand.
Er selbst lebte den Mitmenschen ein Leben im Einklang mit der Natur vor. Seine spärliche Hütte war mit einem Gärtchen umgeben und liebevoll versorgte er die Singvögel. Die Bienen summten und unzählige Blumen blühten in seinem Wohnbereich in der Flur. Er schuf sich einen Regenwasservorrat, von dem er in trockenen Zeiten lange zehrte.
Der Eifeler Feldhüter - ein wahrer Landschafts- und Naturpfleger, Heger, Wächter und Wahrer bäuerlichen Tuns und Wirkens.
Im Folgenden sollen nun weitere eifeltypische Berufe exemplarisch dargestellt werden.
Die Darstellungen erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
Feldhüter
| Heilkunst
| Kesselhaken
| Köhler
| Korbmacher
| Maurer
| Müller
| Schmied
| Schröter
| Schuster
| Töpfer
| Wagner
Mit freundlicher Unterstützung von Joachim Schröder
Titel: Ein Alt - Eifeler Beruf: der Feldhüter
Autor: Joachim Schröder
Copyright: © by Joachim Schröder
gepostet von Joachim Schröder am:
Date: Mon, 10 Dec 2007 16:09:25 EST
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