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Leonhardifahrt in Grafing- eine Jahrhunderte alte Tradition
Leonhardifahrt in Grafing:
Ein nicht alltägliches Jubiläum in Grafing rückt näher: Am letzten Sonntag im Oktober 2008
wird in der Bären-stadt zum 300. Mal die Grafinger Leonhardifahrt statt-finden.
Das Ziel des Umzugs ist die Leonhardikirche aus dem 15. Jahrhundert.
Zur Fotogalerie der Leonhardifahrt 2004 in Grafing (38 Bilder)
Das komplette Festprogramm 2008 zum Download
Auszug aus dem Festprogramm 2008
- 9.oo Uhr — Salut der Böllerschützen am Marktplatz
- 9.45 Uhr — Kirchenzug ab Marktplatz / Salut der Böllerschützen
- 10.oo Uhr — Festgottesdienst vor der Leonhardikirche
Festpredigt: H. H. Weihbischof Dr. Bernhard Haßlberger
Anschließend dreimalige Umfahrt mit Pferdesegnung
Ehrengast: Der Bayerische Ministerpräsident Dr. Günther Beckstein, MdL
- ab 11.00 Uhr — Verkauf von Jubiläumswaffeln mit Pferdemotiven aus dem
18. Jahrhundert vor dem Wildbräugebäude am Marktplatz
- ab 12.00 Uhr — Jeder Besucher mit Vor- oder Nachnamen „Leonhard“ erhält
ein kleines persönliches Geschenk im Rathaus
Ausschank des „Leonhardibocks“ der Wildbräu-Brauerei
- 12.00 bis 16.00 Uhr — Kutschenfahrten für Familien am Hans-Eham-Platz
Dauer: 10 – 15 Minuten
- 14.30 bis 16.00 Uhr — Sternmarsch der Stadtkapellen Wasserburg, Ebersberg und
Grafing sowie des Spielmannszuges Grafing zum Marktplatz
mit anschließendem Standkonzert
Zwischeneinlagen der „Ebersberger Goaßlschnalzer“ und
der „Fahnenschwingergruppe aus Wasserburg“
Aufstellung der geschmückten Wägen am Marktplatz.
Die Grafinger Geschäfte sind von 11.00 – 16.00 Uhr geöffnet.
Veranstalter: Katholisches Pfarramt Grafing • Stadt Grafing b.München • Arbeitsgemeinschaft Leonhardifahrt
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Die Leonhardifahrt ist eines der größten öffentlichen Ereignisse in Grafing - und eine der
größten ihrer Art in Bayern. Eine Vielzahl festlich geschmückter Pferdegespanne,
Einzelreiter und Reitergruppen aus naher und ferner Umgebung von Grafing nehmen alljährlich
an den Umfahrten durch die Straßen der Stadt teil, die von Tausenden von Besuchern gesäumt sein
werden. Auf den Wägen werden historische Ereignisse dargestellt sowie Trachten und
Brauchtum aus vergangenen Zeiten in lebendiger Weise gezeigt.
Die Tradition der Leonhardifahrten haben ihren Ursprung vermutlich in der altgermanischen
Weihefahrt zu Ehren Wotans, dem Vater aller germanischen Götter. Das Ross war den Germanen
ein heiliges Tier. Dieser ursprünglich heidnische Brauch wurde vom Christentum übernommen.
Die Truhenwagen erinnern an den heiligen Wagen, der von Weiheschimmeln in den heiligen
Hain gezogen wurde. Auch heute noch werden die Rösser und Truhenwagen nach alter Tradition
festlich geschmückt. Aus den Weihepferden wurde eine Weihe der Pferde, die als
Last- und Arbeitstiere noch bis vor wenigen Jahrzehnten eine wichtige Rolle für die ländliche
Bevölkerung spielten. Als Patron erwählte sich das Volk den Benediktinerabt St. Leonhard,
der im 6. Jahrhundert als Einsiedler bei Nomoges in Frankreich lebte.
Weil sich Leonhard besonders der Armen, Verfolgten und Gefangenen annahm, wurde er meist mit
einer Kette an der Hand abgebildet. Die Landbevölkerung interpretierte diese Ketten als "Kuhketten"
und verehrte ihn infolgedessen als Schutzpatron der Tiere. Ab dem Mit-telalter fanden ihm zu
Ehren zahlreiche Wallfahrten statt, um Schaden wie Viehseuchen von den Tieren abzuhalten.
Um 1400 entstand in Grafing aus einer kleinen Feldkapelle die Wallfahrtskirche St. Leonhard.
Bauern und Fuhrleute auf der Handelsstraße München-Rosenheim nutzten sie als Votivkirche.
Als 1632 im 30-jährigen Krieg fast ganz Grafing von den Schweden gebrandschatzt wurde,
blieb die Leonhardikirche wie durch ein Wunder verschont. Ein Blitzschlag entzündete 1720
den Dachstuhl und beschädigte die Kirche stark. Bei der Erneuerung wurde der Turm im Barockstil
erbaut und nach Osten verlegt. Die Kirche selbst wurde damals etwas vergrößert.
Ab etwa 1700 erlebte die Leonhardiwallfahrt in Grafing einen großen Aufschwung. Erstmals
urkundlich erwähnt wurde die Grafinger Leonhardifahrt im Jahre 1708. Die Wallfahrer wurden
dreimal um die Leonhardikirche gefahren und die Pferde erhielten den Segen des Priesters.
Die Truhenwagen waren mit Motiven aus der Bibel, aus dem Leben Jesu Christi und der Mutter
Gottes bemalt.
Trotz drohendem Abriss der Leonhardikirche und immer wieder erwogener Einstellung der
Leonhardifahrt im 19. und 20. Jahrhundert hat Grafing die Tradition der Leonhardifahrt bis
heute erhalten. In der Regel findet die große Umfahrt der Pferde und Gespanne zu Ehren des
St. Leonhard am letzten Oktobersonntag statt und lockt alljährliche Tausende von Besuchern in die
Stadt zum Schauen, aber auch zum Einkaufen, denn viele Grafinger Geschäfte sind am
Leonhardisonntag nach dem Festgottes-dienst von 11 bis 16 Uhr geöffnet.
Das Programm der diesjährigen Leonhardifahrt sieht folgendermaßen aus: Um 9.45 Uhr bewegt sich
der Kirchenzug vom Marktplatz zur Leonhardikirche, auf deren Vorplatz um 10 Uhr der
Festgottesdienst beginnt. Die Festpredigt hält heuer Dr. Friedrich Fahr, Domkapitular i.R.
Nach dem Gottesdienst schließt sich die dreimalige Umfahrt der Kirche mit Pferdesegnung an.
Danach ziehen die geschmückten Wagen und Reiter zum Marktplatz, wo sie bis zum Nachmittag
besichtigt werden können. Am Marktplatz gibt um 14 Uhr dann die Stadtkapelle ein Standkonzert,
auch die "Ebersberger Goaßlschnalzer" werden hier ihr Können unter Beweis stellen.
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