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Der Korbmacher - Meister mit Ruten
Von Joachim Schröder, Pronsfeld
Meister mit Ruten

"Wenn er die schlanken Riegen
der Weidenruten flicht,
muß er die Gerte biegen,
doch brechen darf sie nicht.

Im Wandel aller Dinge
spürt er den Schicksalshauch,
als ob der Wind noch ginge
durch das Gezweig amStrauch.

Dicht in gewundner Fessel
verbindet er die Reih'n,
dies soll ein Korb, ein Sessel,
ein Kinderwagen sein."

(Kurt Erich Meurer)

Die Weide ist ein Baum der wassenreichen Eifel. Sie gilt als äußerst volksbeliebt, nicht nur wegen ihres Nutzens. Vielmehr vereinen sich Gedanken der Schwermut, wenn sie im neblig-grauen Talgrund hervorragt, und der von Lieblichkeit, denkt man an die holden Weidenkätzchen, die als Zier den Osterstrauß bereichern. So gilt die Weide als Inbegriff des neuen und zugleich vergänglichen Lebens bei uns und unseren Vorfahren.

Gezielten Weidenanbau hat es in der Eifel nicht gegeben, wohl aber schonenden Umgang mit diesem wichtigen Naturprodukt. "Hanfweide", "Mandelweide" oder "Steinweide" war als Material für Körbe aller Art äußerst geschätzt. Das schnellwüchsige Holz war dagegen als Brenn- oder Möbelholz ungeeignet. Die schlanken und geschmeidigen Ruten, in der Regel bis zu drei Meter lang, wuchsen bis zu 30 Stück gleich aus dem Stock oder aus anderen knorrigen Stellen hervor.

Nach der Ernte wurden diese Gerten sorgsam gebündelt und kopfüber in feuchtes Erdreich oder in einen Wassergraben gestellt. Hier "zogen" sie Saft, um anschließend mit einem Schälmesser angerissen und zum Trocknen aufgehängt zu werden. Mit dem "Klöber" wurden die Ruten gespalten und danach mit dem "Schmaler" in gleiche Breite zugeschnitten. Aus starken Stecken fertigte der Korbflechter das Bodenkreuz, auf dessen Umrandung die "Loden" zu stehen kamen, die sich oben im Kopfrand vereinten. Nun war es nur eine Sache der geübten Hände, die Seitenteile zu flechten und je nach Größe und Form einen sicheren Abschluß zu gestalten.

Kleine, ovale, halbkugelige Körbe dienten zur Aufnahme von Gemüse, größere, nach oben sich weitende Formen mit "Ohren" als Kartoffel- und Kohlkörbe (in der Westeifel "Mandel" genannt), eckige und mit Gurt versehene Tragekörbe zum Transport von Obst und Weintrauben. Diese Trag- und Rückenkörbe, "Hott" genannt, benutzte man beim Marktgang selbst für Geflügel und Kram aller Art.

Käsekörbe gebrauchte die Hausfrau, um den Quark abtropfen, trocknen und reifen zu lassen.

Bienenkörbe ("Beienkierev") flocht man zumeist aus Stroh, das durch Bänder aus Haselnuß gehalten wurde, Brotteigkörbe ("Kurbeln") aus Schilfrohr oder zarten Weiden. Halbmuschelförmige Körbe mit zwei Henkeln wurden in der Südeifel "Siede" genannt und dienten der Aufnahme von Feldfrüchten wie Linsen, Erbsen oder Bohnen. Seltener waren dagegen "Räste", kleine Körbchen aus "Luhschall", der Rinde junger Eichen, die man für Eier u.ä. im Haushalt verwendete.

Leichte Flechtwaren wurden auch aus Bast, Bambus, Binsen und gespaltenem Holz gewirkt. Doch die Korbweide war der günstigste, weil biegsamste Rohstoff für sämtliche Behältnisse.

Selbst Kinder- und Puppenwagen fertigte der Korbflechter. Sessel für die bäuerliche Kundschaft verlangten nach besonders dickem grobrutigen Geflecht aus ungeschälten grünen, grauen oder braunen Weidenruten. Liegestuhl, Sonnenschirm und Zylinderhut bot der Korbflechter auf seinen Touren und Märkten feil. Diese Sommerreisen waren für den Korbflechter zumeist die schönsten Tage, wenn er mit Pferd und Kutsche durch das Eifelland reiste und neben seiner Ware auch viele neue Geschichten mitbrachte. Während des Abends in der Gastwirtschaft erzählt wurde, hielt der Hund Wache bei den Körben.

Neben den "Ohren" brachte der Korbflechter auch Tragbügel und Einhandgriffe an. Für Bäcker und Metzger legte man die Körbe mit weißem Linnen aus, damit es hell und sauber wirkte. Gleiches galt für die Wäschekörbe. Neben guter Form und Festigkeit war hier auch das Aussehen bestimmend für den Kauf.

In Korbflechterschulen wie in Heinsberg, Aachen, Bettingen und Daun entwickelte sich die Korbflechterei zu einer hohen Kunst, so daß sich diese um die Jahrhundertwende von einem Nebenberuf zu einem Spezialgewerbe entwickelte.

"Körbe gibt es sehr viel in der Welt,
sie werden gegeben, wenn's auch nicht gefällt.
Schwerer jedoch, als die, die Körbe geben,
hat's der Korbmacher in seinem Leben.
Denn er muß seine Körbe flechten
und mit ihnen durch die Welt sich fechten."
(Alte Handwerksweisheit)

Im Folgenden sollen nun weitere eifeltypische Berufe exemplarisch dargestellt werden. Die Darstellungen erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Feldhüter  | Heilkunst  | Kesselhaken  | Köhler  | Korbmacher  | Maurer  | Müller  | Schmied  | Schuster  | Töpfer  | Wagner

Mit freundlicher Unterstützung von Joachim Schröder
Titel: Der Korbmacher - Meister mit Ruten
Autor: Joachim Schröder
Copyright: © by Joachim Schröder
gepostet von Joachim Schröder am:
Date: Mon, 10 Dec 2007 16:09:25 EST

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