Lindenbaum -
„ . . da steht ein Lindenbaum " Betrachtungen zur Linde
von Joachim Schröder
Bäume gewinnen im Bewusstsein der Menschen wieder an Bedeutung. Gott sei Dank! Bäume sind ein Stück Leben, verbessern die Lebensqualität, sind landschafts- und ortsbildprägend. Ihr funktioneller Wert ist nicht hoch genug einzuschätzen, ihr optischer Anreiz nicht wegzuleugnen
Neben der „deutschen" Eiche war und ist die Linde ein besonders beliebter Baum Und das mit Recht Unter dem Schutz der Dorflinde versammelte sich früher die Jugend zum fröhlichen Tanz. In ihrem Schatten hielten Gemeindeväter ihre Beratungen ab Durch Jahrhunderte hindurch erlebte sie Freud und Leid, Seuchen und Kriege, aber auch Verliebtsein und jugendliches Glück So wuchs sie der Dorfgemeinschaft ans Herz und wurde bald zum Lieblingsbaum der Deutschen, Kein Weiler, kein Dorf, keine Gemeinde war ohne Dorflinde, meist im Mittelpunkt gelegen, vor der Kirche oder „am Brunnen", wie ein deutsches Volkslied belegt. In diesem Lied hat der Dichter die ganze Lebendigkeit und Schönheit des Baumes eingefangen, der, als der Mensch Freud, Glück und Trauer mit ihm teilt.
War die Esche den nordischen Völkern, die Eiche den Kelten und die Ulme den Franken heilig, so w ar die Linde den Germanen und den Slaven der geweihte Baum, den sie in die Mitte ihrer Ansiedlungen pflanzten. Der Juli, der Blütenmonat der Linde, hieß „Lindenmonat". Der Tee,
den man aus diesen Blüten bereitete, galt bei den jungen Frauen als Schönheitsmittel, und man trank ihn daher fleißig.
Der Dichter Heinrich Heine hat der Liebe und der Linde in einem seiner Gedichte die Zeilen gewidmet:
„Sieh, dieses Lindenblatt, du wirst es wie ein Herz gestaltet finden. Darum sitzen die Verliebten
auch am liebsten unter Linden.”
Heute sind es vor allem die Bienen, die im „Lindemonat" diesen Bäumen regelmäßig Besuch abstatten. Es ist Honigzeit! Der goldgelbe Honig zählt zu den beliebtesten. Auch wir Menschen können uns dem Duft und dem Zauber der Blüte nicht verschließen. Gegen Erkältungen soll es nichts besseres geben als Lindenblütentee. Er wirkt schweißtreibend, leicht krampflösend, hustendämpfend und fiebersenkend. Man sagt ihm auch nervenstärkende und beruhigende Wirkung nach. Als „Haustee" der Deutschen gehörte er auf jeden Dachboden, besonders gelagert für die Winterzeit.
Darüber hinaus besitzt die Linde einen besonderen symbolischen Charakter. Einst war sie heilig, Götter und Nymphen wohnten in ihren Kronen. So geht eine Sage, dass kein Blitzstrahl die Linde treffe, weil sie Wotans Gemahlin, der Göttin Freya, geweiht war. Daher wünschten unsere Vorfahren diesen Schutz auch auf ihre Dörfer übertragen.
Eine Besonderheit gibt es im Südteil unseres Kreises: die Willibrorduslinde. Hierüber existiert folgende Sage:
Der heilige Willibrord erfuhr in Echternach, dass sich Heiden bei dem Dorfe Roth zu einer Opferfeier trafen. Er machte sich auf den Weg dorthin, wurde nach Ankunft auf dem Opferplatz von dem Götterpriester verflucht. Willibrord jedoch trat vor und erzählte von der frohen Botschaft und der Erlösung aller Menschen. Die Heiden scharten sich bald näher um ihn. Willibrord ließ den Opferaltar und die hohe Eiche zerstören, pflanzte eine Linde und erbaute eine Kapelle. Die „Willibrorduslinde", wie sie bald genannt wurde, grünte und erinnerte die Menschen an die Bekehrung durch den Eifelmissionar.
Mit freundlicher Unterstützung von Joachim Schröder
Titel: „ . . da steht ein Lindenbaum " Betrachtungen zur Linde
Autor: Joachim Schröder
Copyright: © by Joachim Schröder
gepostet von Joachim Schröder am:
Date: 07.04.2010 16:24
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