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Wenn der Zachäus im Winde weht

Wenn der Zachäus im Winde weht -

Am Samstag vor Kirchweih wird in Bayern zusammen mit zwei weiteren weiß-gelben Kirchenfahnen mit dem Sonntageinläuten gegen 15 Uhr wieder der Zachäus am Kirchenschiff zu sehen sein. „Der Zachäus" heißt die rote Fahne mit weißem Kreuz, die zu einem sichtbaren Zeichen des Kirchweihfestes ausgehängt wird; so genannt, nach dem Lukas-Evangelium vom Zöllner Zachäus auf dem Feigenbaum. Der Legende nach soll beim Einzug nach Jericho der etwas klein gewachsene Zöllner Zachäus auf einen Feigenbaum gestiegen sein, um Jesus sehen zu können. Dabei zerriss seine rote Hose an einem Ast und ein weißer Hemdzipfel kam zum Vorschein. Auch galt diese Fahne – am Kirchturm ausgehängt – früher als weithin sichtbare Ankündigung, dass hier Kirchweih gefeiert wird.

Seit dem Jahre 314 ist die erste feierliche Kirchweihe beurkundet. In Deutschland kennt man das Kirchenfest seit 813. An jedem dritten Sonntag im Oktober wird die sogenannte „Allerweltskirwa" (Allerweltskirchweih) gefeiert, seit im vorigen Jahrhundert durch staatliche Verordnung alle Kirchweihfeste zu einem einzigen vereinigt wurden.

Das Kirchenfest wurde früher in Stadt und Land ausgiebig gefeiert, denn zu dieser Zeit war die Ernte abgeschlossen und nach harter Arbeit alles unter Dach und Fach. Der Kirchweihsonn¬tag war ein hoher Feiertag. Man tischte besser und reichlicher auf als sonst. Am Morgen gab es für die Dienstboten schon Fleisch und Wurst, nach dem Festgottesdienst mittags einen safti¬gen Schweine-, Gans- oder Entenbraten, nachmittags „Kirwakuchen und Köichln" (Kuchen und Schmalzgebackenes).

Mancherorts war auch noch Standmarkt mit Kettenkarussell und Schiffschaukel. Dabei machte sich das üppige Mahl auf seine Art ver¬schiedentlich bemerkbar. Am Abend trafen sich dann Jung und Alt zum Kirchweihtanz im Dorf¬wirtshaus, wo nicht selten Eins über den Durst getrunken und deshalb oft gerauft wurde. Auch der Kirchweihmontag war früher ein Feiertag und wird auf dem Lande noch heute manchmal nach altem Brauch eingehalten. Nicht nur Bauern, Knechte und Mägde hatten am Kirchweihmontag meist nur bis Mittag oder gar nicht gearbeitet, auch die Handwerker.

Im 17. Jahrhundert aber wurde der weltlichen und der kirchlichen Obrigkeit das Kirchweihfeiern zu viel. Man versuchte eine Einschränkung, doch erst im 19. Jahrhundert konnte man sich damit durchsetzen. Es war nämlich durchaus üblich, dass gleich zweimal im Jahr das Kirch¬weihfest gefeiert wurde: am Gedächtnistag der Kirche und am Patroziniumsfest, also dem Na¬menstag des Kirchenpatrons.

Da sich mit dem Wiederaufbau nach dem Zwei¬ten Weltkrieg einiges auf dem Lande geändert hat, besonders auf dem Bauernhof, ist Kirch¬weih nicht mehr das ganz große Fest vergange¬ner Zeit, auf das man sich schon das ganze Jahr freute. Karussells, Riesenrad oder Schaukel werden nicht mehr aufgestellt und viele Dörfer haben kein Wirtshaus mehr, in dem zum Kirchweihtanz aufgespielt werden kann. Zu essen gibt es das ganze Jahr genug. Nur noch in Bau¬ernhofmuseen lässt man alte Zeiten auf¬leben.

Inhalt mit freundlicher Unterstützung von
Hubert Teplitzky, ehem.Kreisheimatpfleger im Landkreis Schwandorf
92526 Oberviechtach (Bayern)
Autor des Textes: Hubert Teplitzky
Titel: Wenn der Zachäus im Winde weht
Copyright: Hubert Teplitzky
Date: 16.10.2016 11:46

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