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Fastentuch, Fastentuecher, Hungertuch
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Fastentuch, Fastentuecher, Hungertuch, Palmtuch, Passionstuch, Schmachtlappen - Fastentücher verhüllen während der Fastenzeit in katholischen Kirchen die bildlichen Darstellungen Jesu, in der Regel das Kruzifix. Wie in der freien Enzyklopädie Wikipedia zu lesen ist, entstand das Fastentuch aus dem jüdischen Tempelvorhang, der im Neuen Testament im Zusammenhang mit dem Kreuzestod Jesu mehrfach erwähnt wird (Mt 27,51; Mk 15,38; Lk 23,45).

Fastentücher Unterjoch

Die verschollenen Fastentücher von Unterjoch
Am ersten Fastensonntag, am 5. März, wurden in der Pfarrkirche "Heiligste Dreifaltigkeit" in Unterjoch wieder die Fastentücher von 1931 an den Altären angebracht. Damit wurde der Gemeinde wie allen Gläubigen und Interessierten ein Kleinod wieder zugänglich gemacht, das seine ganz eigene Geschichte hat.

Klick mich zum vergrössern Fastentücher haben im Alpenraum eine lange zurückliegende Tradition. Der Brauch der Fastentücher geht auf das Mittelalter zurück und hat seinen Ursprung vermutlich in Nonnenklöstern. Die Fastentücher trennten ursprünglich den gesamten Chorraum ab, um in der Fastenzeit der Gemeinde den Blick auf den Altar zu verwehren und waren daher entsprechend groß. Die Heilige Messe konnte so nur gehört werden. Mit diesem Brauch sollte die Unwürdigkeit der Gläubigen ausgedrückt werden, Jesus Christus im Leiden der Passionszeit anzuschauen.

Durch das Entfernen des Fastentuches vor der Osternacht stand Christus wieder in seiner ganzen unverhüllten Göttlichkeit vor den Gläubigen. Parallel hierzu sind die prächtigen Flügelaltäre zu sehen, die in der Fastenzeit geschlossen nur profane Szenen in matten Tönen zeigen. Das Fastentuch hatte viele Namen wie Fastenlaken, Schmachtlappen oder auch Hungertuch. Das Sprichwort "am Hungertuche nagen" bedeutet dann auch "ärmlich, kümmerlich leben". Durch den reformatorischen Bildersturm sind nur wenige Fastentücher aus dem Mittelalter erhalten geblieben, so in Kärnten und Tirol wie auch im Westfälischen. Klick mich zum vergrössern Kulturell besonders wertvolle Exemplare finden sich im Freiburger Münster, in der romanischen Basilika zu Gurk oder in Telgte im Münsterland.

Die Tradition der Fastentücher war besonders im Alpenraum verbreitet. Sie bestanden aus mehreren horizontal miteinander vernähten Streifen, auf denen religiöse Szenen wiedergegeben wurden. In der Neuzeit wurde die Tradition des Fastentuchs erst durch die Aktion "Misereor" 1976 wieder neu belebt. So bedeuten die kunstvollen Fastentücher in der Pfarrkirche "Heiligste Dreifaltigkeit" in Unterjoch eine Rarität im Allgäu. Sie wurden 1931 nach Originalen des Malers Prof. Gebhard Fugel gemalt. Der ausführende Künstler ist heute wohl nicht mehr zu ermitteln Über die Fastentücher in Unterjoch weiß Max Gehring, der im Entstehungsjahr der Fastentücher in Unterjoch geboren wurde und heute in Kempten lebt, zu berichten. Sie wurden bis 1950 jedes Jahr in der Fastenzeit aufgehängt und waren danach längere Zeit verschollen. Der Grund ist nicht mehr bekannt. Möglich wäre es, dass die Darstellungen einem Pfarrer nicht mehr genehm waren. Max Gehring, der Ministrant in Unterjoch war, ließ der Gedanke an die Fastentücher nicht in Ruhe. Und tatsächlich fand er sie nach langer Suche vor eineinhalb Jahren unter einem Haufen Gerümpel in einer Truhe auf dem Dachboden des Pfarrhofs in Unterjoch wieder. Die Tücher waren von Motten zerfressen, die Bilder jedoch noch gut erhalten. Nach einer Renovierung kommen sie nun in diesem Jahr zum ersten Mal wieder ihrer ursprünglichen Bedeutung zu.

Eine kleine Schrift, die in der Pfarrkirche ausliegt, erläutert die Bilder: das Bild am rechten Seitenaltar, d as das schmerzerfüllte Gesicht der weinenden Gottesmutter Maria zeigt, das Gesicht des Jesus am linken Seitenaltar, das die Spuren der grausamen Geißelung trägt und das große Bild am Hochaltar, das von der 12. Kreuzwegstation beherrscht wird und von Jesus eingenommen wird, der am Kreuz stirbt. Und damit kommen die Bilder der Passion doch noch zu den Gläubigen.
Thomas Niehörster

Quelle:
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