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Das hochheilige Fronleichnamsfest und seine Entstehung durch die heilige Jungfrau Juliana
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Das hochheilige Fronleichnamsfest und seine Entstehung durch die heilige Jungfrau Juliana

as hochheilige Fronleichnamsfest ist eines der jüngsten und zugleich der ältesten Feste der katholischen Kirche. Es ist eines der ältesten, denn Christus, unser Herr und Heiland, hat es am Abend vor seinem Leiden selbst zum Ersten male gefeiert, als er in Gegenwart seiner Apostel das heilige, unblutige Opfer des neuen Testaments und das heiligste Alltarssakrament eingesetzt, in welchem er wahrhaft, wirklich und wesentlich mit Fleisch und Blut, mit Leib und Seele, mit Gottheit und Menschheit unter Brodsgestalten gegenwärtig ist. Getreu dem Befehle ihres göttlichen Meisters, das geheimnisvolle Opfer des Abendmahls zu erneuern und es zu seinem Andenken zu feiern, haben die Apostel mit dem Beginne der Verkündigung des Evangeliums auch das Fest des aller heiligsten Sakramentes oder Fronleichnams gefeiert, und seit dieser Zeit hat sich diese Feier alle Tage wiederholt und wird sich wiederholen bis zum Ende der Welt. Denn, was ist das heilige Meßopfer, in welchem durch die Wandlung das hoch heilige Sakrament vollbracht wird, anders, als ein Fest zur Verherrlichung der heiligen Dreifaltigkeit, zur Wonne und Freude aller Engel und Heiligen, zum Troste und Heile der ganzen Welt. In jeder heiligen Messe wird Jesus, der Sohn Gottes, der auf dem Altare gegenwärtig ist, angebetet, und ihm, dem Könige der Glorie, jene Huldigung dar gebracht, die seiner göttlichen Majestätät gebühret. Jede heilige Messe ist ein Dankfest für die unendlichen Gnaden, die uns Jesus am Kreuze erworben hat und uns mitteilt im Genuße seines heiligsten Fleisches und Blutes. Aber nicht immer wird unserm göttlichem Heilande im heiligsten Meßopfer und im heiligsten Sakramente seiner Liebe jene Anbetung, Huldigung und Danksagung zu Teil, welche im gebühret; viele Gläubige machen sich hierin oft großer Nachläßigkeit schuldig; ja sie erwidern die unendliche Liebe Jesu gar oft mit Kälte und Undank und fügen zu der Unehrerbietigkeit, womit sie vor dem Allerheiligsten erscheinen, sogar noch die Schmach des unwürdigen Genusses des heiligsten Sakramentes und die Lästerung desselben. - Deshalb hat es denn Gott gefallen, in seiner heiligen Kirche ein Fest anzuordnen, wo, wie der heilige Vater Urban IV. sagt, durch frommen Eifer ergänzt und gut gemacht werden kann, was bei den übrigen heiligen Meßopfern unterlassen wird; wo die Gläubigen sich ihrer dabei begangenen Fehler erinnern und in Demut und vom ganzen Herzen Gott für die Unehrerbietigkeit oder Nachlässigkeit, um welcher sie dem heiligen Meßopfer bei wohnten, um Vergebung bitten können.
Dieses Fest, welches seit 800 Jahren (der Text entstand ca. 1863) in der Kirche alljährlich mit größter Pracht gefeiert wird, ist das hochheilige Fronleichnamsfest.

Die erste Veranlassung zur Einsetzung desselben gaben die Schmähungen und Lästerungen jener Ketzer im elften und zwölften Jahrhundert, welche die wirkliche Gegenwart Jesu Christi im heiligsten Alltarssakramente läugneten, und sogleich das Herz des heiligen, katholischen Glaubens angreifen und töten wollten.
Ihren Entweihungen wollte Gott eine feierliche Sühnung, ihren frevelhaften Lästerungen die höchste Verherrlichung entgegensetzen, und den Glauben an die wirkliche Gegenwart Christi in den Herzen der Gläubigen auf`s Neue wecken und beleben. Das Werkzeug, dessen er sich zur Ausführung seines Planes bedienen wollte, war eine schwache, der Welt unbekannte Jungfrau, Juliana mit Namen. Wie es der Weisheit Gottes immer eigen war und ist, das Schwache auszuwählen und das Starke zu beschämen, und wie er sich immer der geringsten, oft unscheinbarsten Mittel bedient, um Großes auszuführen, so auch hier. Nicht einen mächtigen Fürsten, nicht einen weißen Bischof, auch nicht den Papst wählte er zur Einführung des hoch heiligen Fronleichnamsfestes aus, sondern eine arme, demütige Jungfrau, damit man erkenne, daß seine Hand es war, die dies Werk vollbrachte.

Juliana war im Dorfe Rentine, ungefähr zwei Stunden von Lüttich, einer Stadt im heutigen Belgien, von Eltern gemeinen Standes im Jahre 1193 geboren. In einem Alter von 5 Jahren verlor sie ihre frommen Eltern, und ihr Vormünder übergab sie einem Kloster zur Erziehung. Dieses Kloster lag am Fuße des Berges Kornillon bei der Stadt Lüttich, war eben erst gestiftet worden und seine Bewohner pflegten die Kranken, die Aussätzigen und Pilger, welche in einem neben dem Kloster gebauten Hospital Aufnahme fanden. Juliana war noch zu jung für den Krankendienst und die übrigen Übungen des Ordens; daher übergab sie die Priorin einer Ordensschwester, Namens Sapientia, die einen zum Kloster gehörigen Maierhof bewohnte, damit sie unter der Leitung derselben auf erzogen würde. Sapientia war eine kernfromme Dienerin Gottes, wohlbegründet in allen Tugenden und verstand es, das noch unschuldige Herz der kleinen Juliana mit heiliger Gottesliebe und kindlicher Gottesfurcht zu erfüllen. Juliana machte es nach Kräften ihrer frommen Pflegemutter nach, war behutsam in ihren Reden, sittsam in ihrem Äussern, eingezogen und stille und liebte die Einsamkeit. Kinderspiele verachtete sie, und so gehorsam war sie, daß man glaubte, sie habe keinen Willen. So fromm sie war, so demütig, so bescheiden, so gierig in ihren Augen lebte sie unter den Ordensschwestern. Als sie größer geworden, bat sie inständig um Erlaubnis, das Vieh hüten und die Ställe säubern zu dürfen. Sie wollte dem göttlichen Heilande, dessen Leben und Leiden sie immer vor Augen hatte, in seiner tiefsten Erniedrigung nachfolgen. Bis zu ihrem vierzehnten Jahre hütete sie das Vieh, und verrichtet die niedrigsten Dienste einer Stallmagd. Wenn beim hüten die Kühe sie niederwarfen, oder wenn die Arbeit oft recht hart und schwer war, ertrug sie Alles mit stiller Geduld und wenn sie sich bei der Arbeit einer kleinen Nachläßigkeit schuldig machte, klagte sie sich selbst an und büßte dafür.

Im 14. Jahre erhielt sie die verlangte Aufnahme in den Orden. - Jetzt studierte sie die lateinische Sprache, um das Leben der Heiligen lesen zu können, und brachte es darin so weit, daß sie später die lateinischen Meßgebete, welche ein Geistlicher zu Ehren des heiligsten Alltarssakramentes verfasste, verbessern konnte. - Täglich betrachtete sie die heilige Schrift, und sammelte sich, wie eine Biene, die von Blume zu Blume fliegt, und den Honig fangt, aus den heiligen Büchern die schönsten Lebensregeln, welche sie genau befolgte. Täglich las sie die Schriften des heiligen Augustin, und auch ihr Herz wurde wie das Herz des Heiligen von wunderbarer Gottesliebe entflammt. Dabei versäumte sie nicht, den Kranken mit aller Emsigkeit zu dienen und die häuslichen Arbeiten mit bewundernswertem Eifer zu verrichten. Sie diente allen im Kloster wie eine Magd, aber auch von allen im Kloster war sie geliebt.

Solch engelreines Leben belohnte der Herr ihr mit Überschuß von Gnaden, welche er besonders in der Kirche während des heiligen Meßopfers und bei der heiligen Kommunion über sie ausgoß. Sie war von der wahren Gegenwart des göttlichen Heilandes im heiligsten Sakramente so durchdrungen, daß sie sich immer von der Wandlung bis zur heiligen Kommunion mit dem Angesichte zu Boden neigte. Gerne hätte sie sich täglich mit Jesus in der heiligen Kommunion vereinigt, allein damals waren häufige Kommunionen nicht im Gebrauch; auch wollte sie alle außerordentlichen Andachtsübungen meiden, um keinen Neid zu erregen. So oft ihr aber das Glück zu Teil wurde, die heilige Kommunion zu empfangen, konnte sie die Freude darüber nicht bergen und die innere Glut der Liebe in ihrem Innern brach hervor, und zeigte sich an ihrem Antlitze, das wie eines Engels Antlitz glänzte. Um diese Zeit hatte sie auch häufige Erscheinungen, die sie sich nicht erklären konnte. Unter andern sah sie öfter den Mond im vollsten Glanze strahlen, jedoch auf einer Seite immer mit einem dunklen Flecken. Mit heißer Inbrunst bat sie den Herrn um die Erklärung dieses Gesichts, erhielt aber keine Antwort. Sie entdeckte hierauf ihre Gesichte der frommen Sapientia, welche mittlerweile Priorin des Klosters geworden war, auch den frömmsten Schwestern des Klosters sagte sie davon, und bat sie um Rath; allein diese hielten alles nur für einen Traum, und rieten ihr, nicht vermessen in die Geheimnisse Gottes zu dringen.

Juliana gehorchte; sie suchte sich die Gesichte aus dem Sinne zu schlagen und nahm deshalb auch ihre Zuflucht zum Gebete und allen möglichen guten Werken, um derselben los zu werden. Auch andere fromme Seelen bat sie um ihr Gebet, denn sie fürchtet, die Gesichte könnte eine Schlinge sein, sie von ihren Pflichten abzuhalten, und auf Abwege zu leiten. Allein Alles war vergeblich; die quälenden Gedanken verfolgten sie Tag und Nacht, sie konnte ihrer nicht los werden, aber eben so wenig konnte sie eine Erklärung dieser geheimnisvollen Gesichte erlangen.

Mittlerweile verbreitete sich der Ruf hiervon allenthalben, und die demütige Juliana mußte sich gefallen lassen, daß man sie allgemein bewunderte und ihren Umgang suchte. Aber wer immer kam und mit ihr redete, der ging nicht fort ohne einige Liebe zu Gott und ohne große Verehrung für sie im Herzen hinwegzunehmen. Sie floh so viel wie möglich solche Unterredungen und gar oft überzog Schamröte ihr Gesicht, wenn ihr irgend eine Achtung bezeigt wurde. Kamen vornehme Personen zu ihr, dann war sie ganz verlegen, entschuldigte sich mit ihrer Unwissenheit und sprach zu ihnen:

„Ich bin unter der Viehherde aufgewachsen, ohne Verstand und weiß nichts von den Wegen Gottes, aber ihr könnet ein unwissendes Mädchen unterrichten, das euch dafür recht herzlich danken wird”

Kamen aber Personen vom gemeinen Stande zu ihr, dann redete sie gerne mit ihnen von der Barmherzigkeit Gottes, ermahnte sie, ihre Sünden zu bereuen und Gott über alles zu lieben. Ihre Wort drangen immer tief in`s Herz, und brachten die heilsamsten Früchte.

Sapientia bemerkte dies mit Freuden und erkannte nicht, daß Gott mit dieser Jungfrau besondere Dinge vorhabe. Da sie an ihr ein flammendes Verlangen bemerkte, Jesum im allerheiligsten Sakramente anzubeten, so ließ sie ihr ein Oratorium neben der Kirche herrichten, wo sie sich zurückziehen und ihrer Andacht obliegen konnte. Hier verweilte sie oft ganze Tage ohne Nahrung; man fand sie öfters unbeweglich knieen, mußte sie rütteln, um sie zu sich zu bringen. Einmal verweilte sie nach der heiligen Kommunion ein ganzes Monat lang ohne Nahrung im Oratorium, immer in Betrachtung der göttlichen Geheimnisse versunken. So oft sie kommunizierte, ekelte sie jede irdische Speise an, sie zog sich dann zurück, und sprach gewöhnlich acht Tage lang kein Wort.

Aber inmitten dieser Gnadenerweisungen Gottes dauerte die Beunruhigung ihrer Seele über die gehabten Gesichte fort, ob sie gleich mit dem größten Eifer Gott um Enthüllun derselben gebeten hate. Da geschah es, daß sie wieder dringend den Herrn um diese Gnade anflehte. Erschöpft schlief sie ein und nun vernahm sie eine himmlische Stimme, die also zu ihr sprach:

„Was dich so sehr beunruhigt, ist, daß die streitende Kirche eines Festes ermangelt, welches Gott eingeführt haben wolle. Dieses ist das Fest des erhabensten und allerheiligsten Fronleichnams. Zur Feier dieses Festes ist eigentlich der Charfreitag bestimmt, da aber dieser Tag sich nicht dazu eignet, so möge ein anderer Tag dafür ausersehen werden, an welchem dasselbe in der ganzen Christenheit gefeiert werde und zwar aus folgenden Gründen:
  1. Daß der Glaube an die göttlichen Geheimnisse, welche anfange, lauer zu werden und in Folge der Zeit es noch mehr zu werden drohe, mehr bestätiget und befestiget werde.
  2. Daß die Gläubigen, welche die Wahrheit lieben und suchen, davon vollkommen unterrichtet und überzeugt würden, und aus dieser Quelle des Lebens neue Kräfte schöpfen könnten, auf dem Wege der Tugend fortzuwandeln.
  3. Daß die Unehrerbietigkeit und das ruchlose Wesen gegen die göttliche Majestätät dieses Sakramentes durch eine aufrichtige und tiefe Verehrung desselben ausgerottet und wieder gut gemacht werde.”

Zugleich wurde Juliana gesagt, daß sie die Einführung dieses Festes bewerkstelligen müsse. Einesteils war die fromme Jungfrau hocherfreut über dies Offenbarung, aber andererseits wurde sie tief betrübt, als sie vernahm, daß sie die Einführung dieses Festes veranlassen sollte. Sie hielt sich für zu armselig, schwach und niedrig, als daß sie es wagen sollte, ein solches Werk zu unternehmen; schon der Gedanke daran machte sie zittern. Tag und Nacht flehte sie daher zu Gott, ihr diese Last abzunehmen. Von Zweifeln, Ängsten und Befürchtungen, wie umrungen, wußte sie nicht, was sie tun sollte. Niemand getraute sie sich zu entdecken, selbst, als man sie nach dem Tode ihrer frommen Erzieherin Sapientia zur Priorin gewählt hatte, ließ sie das Geheimniß verschlossen in ihrer Brust. Immer drängte sie eine innere Stimme , den Willen Gottes auszuführen, aber immer hielt ihre allzu große Demut und die Furcht, getäuscht zu sein, und andere zu täuschen, sie davon ab. Zu dieser innern Qual kamen auch Verfolgungen von Außen. Da sie auf genaue Haltung der Klosterregeln drang, widersetzten sich ihr mehrere laue Ordensschwestern. Sie wurde getadelt, verläumdet und mit Schmach überhäuft. Zudem setzte ihr der Teufel mit allerlei Versuchungen zu, so daß sie nimmer wußte, wohin sie um Trost, Rat und Hilfe sich wenden sollte. Zwanzig Jahre dauerte dieser Kampf, und wiewohl der liebe Gott seine treue Dienerin nicht verließ, ihr sogar die Gabe der Wunder und Weissagungen verlieh, und sie aller Gefahr entriß, so versagte er doch die Erhörung ihrer Bitte, mit der sie ihn immer anflehte, ihr doch diese Aufgabe, ein so frohes Fest in seiner Kirche zu veranlassen, abzunehmen und die Sorge hierfür einer andern Person zu übertragen. Vergeblich suchte sie ihr Widerstreben durch die Glut ihrer Andacht vor dem Allerheiligsten zu ersetzen, vergeblich um dort dem geliebten Bräutigam ihrer Seele mit dem heiligen Engeln ihre Huldigung darzubringen, um von ihm die Erhöhung zu erlangen; sie mußte endlich ihren Mund öffnen, und das Geheimnis offenbaren.

Da sie aber wußte, daß Gott seine Geheimnisse nur denen anvertraue, die demütigen Herzens sind und sie den Weisen dieser Welt verberge, so beschloß sie, sich einer Person anzuvertrauen, die schon seit geraumer Zeit die Welt verlassen, und welche auch die Welt vergessen hatte. Dies war die fromme Klausnerin Eva nächst der Kirche zu St. Martin. Diese Jungfrau, von der Liebe Gottes gedrängt, hatte sich eine Zelle an diese Kirche bauen lassen, um dort, ganz abgesondert von der Welt, dem Herrn zu dienen mit Beten und Fasten. Damals gab es mehrere Klausnerinen, die auf solche Weise ihr Leben zubrachten. Sie wurden von der Geistlichkeit feierlich unter Anstimmung von Lobgesängen in die enge Zelle geführt und durften dieselbe bis zum Tode nicht verlassen. Die Zelle hatte eine Türe, die immer verschlossen blieb, und zwei Öffnungen, von denen die eine in die Kirche führte, damit die Bewohnerin dem Gottesdienste beiwohnen konnte, und die andere diente zum Empfange der Lebensmittel, welche man ihr dahinein reichte. Die Klausnerin durfte nur mit ihrem Beichtvater und mit seiner Erlaubnis mit anderen Personen sprechen, sonst war ihr jeder Umgang mit der Welt untersagt. Eva führte diese einsame Lebensweise schon mehrere Jahre, und wurde darin durch Juliana, die sie alle Jahre besuchte, bestärkt und zur Ausdauer ermuntert. Zu dieser Jungfrau begab sich nun Juliana, und sprach zu ihr:

„Ach meine teure Eva, es ist schon lange, daß ich von einer Großen Last darnieder gedrückt werde, und ungeachtet der größten Anstrengung durch mehrere Jahre war ich nicht im Stande, mich davon zu befreien. Ich habe mit Niemanden noch darüber gesprochen, dir aber will ich es zuerst anvertrauen.”

Sie erzählte ihr nun den ganzen Hergang der Sache, ihre Offenbarungen und ihren Kampf und schloß nun:

„Dieses Fest also, das Fest des allerheiligsten Fronleichnams ist es, welches der Kirche noch mangelt, welches Gott einzuführen befiehlt, und wozu er mich, die elendeste seiner Dienerin, die nicht im Stande ist, nur irgend ein Geschäft von Wichtigkeit auszuführen, ersehen hat”

Eva, ganz erstaunt über diese Worte, lobte Gott und bat Juliana, für sie zu Gott zu beten, daß er auch ihr Herz von gleicher Liebe zu dem heiligsten Sakramente entzünde, und die hierin verborgenen Geheimnisse seiner Erbarmungen ihr kund mache. Doch Juliana schlug es ihr ab, weil sie zu schwächlich sei, so hohe Dinge zu ertragen, versicherte sie aber, daß der liebe Gott ihr dafür andere Gnaden verleihen werde. Von dieser Zeit an war auch das Herz dieser frommen Jungfrau vom heiligen Verlangen nach der Einführung dieses Festes erfüllt, und innig flehte sie zum Herrn, daß er dies Werk vollbringen möge. Einige Zeit darnach wollte Juliana ihre Offenbarungen auch einer andern gottseligen Jungfrau, Isabella mit Namen, entdecken, die schon von zartester Kindheit an im Kloster zu Hug Gott dem Herrn diente, und mit großer Einsicht in die geistlichen Wege begabt war. Sie kannte dieselbe schon länger und glaubte sich ihrer zur Ausführung des Willens Gottes bedienen zu können. Zu dem Ende bewog sie Isabella, in das Kloster von Kornillon einzutreten, was auch mit Bewilligung der Obern geschah. Als Juliana mit ihr von der Einführung eines neuen Festes zu Ehren des allerheiligsten Sakramentes sprach, wollte sie nichts davon wissen, bat aber ihre gottbegeisterte Freundin um ihr Gebet, auf daß auch ihr Herz von gleicher Liebe zu dem heiligsten Sakramente entflammt werde. Ein Jahr verging derweilen, ohne daß Isabella etwas Näheres erfuhr, als sie eines Tages, da sie in die Kirche von St. Martin eintrat, und sich zum Gebete vor ein Kruzifix niedergeworfen hatte, plötzlich in Entzückung geriet. Sie sah den Himmel offen und die Schaaren der Auserwählten vor dem Throne des Allerheiligsten versammelt. Sie hörte sie mit lauter Stimme Gott bitten, der Welt, die ihrem Untergange zueile, beizustehen, die streitende Kirche, welche von allen Seiten durch Irr- und Unglauben angegriffen werde, zu unterstützen und daß es höchste Zeit sei, das wirksamste Mittel anzuwenden, um den Triumph des Glaubens herbeizuführen. Als sie diese einmütige Bitte der Heiligen gehört hatte, vernahm sie eine vom göttlichen Throne ausgehende Stimme, welche sprach:

„Daß ihre Wünsche erfüllt werden sollten und daß das Fest des allerheiligsten Fronleichnams, für welches sie sich so eifrig verwendeten, in der ganzen Christenheit werde gefeiert werden.”

Als die gottselige Jungfrau von ihrer Entzückung zu sich gekommen war, fühlte sie sich zugleich von einem solchen himmlischen Feuereifer entflammt, daß sie nur mehr den Gedanken hatte, das Fest des allerheiligsten Fronleichnams aller Welt zu verkünden, ohne sich durch ein Hindernis davon abschrecken zu lassen. Alsbald entdeckte sie der heiligen Juliana, was ihr begegnet, und beide kamen nun überein, sich mit erfahrenen Personen zuvor zu beraten. Der Erste, welchem sie das Geheimnis mitteilten, war Johann von Lausanne, Stiftsherr von St. Martin, ein Mann von großer Gelehrsamkeit und großer Heiligkeit. Dieser besprach sich mit mehreren andern gelehrten Männern, namentlich mit dem Archidiakon von Lüttich, Jakob Pantaleon, und nachdem dieselben sie Sache wohl erwogen hatten, sprachen sie sich aus, daß das neue Fest den Lehren der Kirche nicht entgegen sei und auch eingeführt werden möchte. Man kann sich leicht denken, von welcher Freude das Herz der heiligen Juliana erfüllt wurde, als sie diesen Ausspruch vernahm. Sie ließ durch einen jungen, gelehrten Geistlichen das Meßgebet oder Offizium des heiligsten Alltarssakramentes verfassen, prüfte und änderte es selbst an mehreren Stellen und legte es den ersten Gottesgelehrten des Landes zur Bestätigung vor. Diese stimmten bei und belobten das schöne Werk; dadurch aber wurde die Sache auch unter dem Volke bekannt. Viele hielten für ungereimt, daß eine geringe Jungfrau sich beigehen lasse, ein neues Fest in der Kirche einzuführen, andere aber behaupteten laut, daß es eine göttliche Offenbarung sei, der man folgen müsse. Unter diese gehörte der Dominikaner - Provinzial Hugo von St. Eher, der sogar öffentlich auf der Kanzel von diesem Feste predigte und so den ersten Samen hiezu ausstreute. Aber nun erhob sich ein heftiger Sturm gegen Juliana und die heilige Sache, welche sie verfocht. Gott aber ließ es zu, damit die Welt erkenne, wie vergeblich aller Widerstand sei gegen ein Werk, das sein mächtiger Arm vollbringen wolle. Geistliche und Weltliche, Hohe und Niedere spotteten darüber und lästerten Juliana. Überall schrie man sie als eine Närrin und Träumerin aus, und zeigte mit Fingern auf sie. Doch Juliana duldete schweigend und stützte sich fest auf den starken Arm Gottes, ohne zu wanken. Je heftiger der Sturm brauste, desto inniger, desto vertrauensvoller betete sie, und siehe da, endlich hatte sie den Trost, daß gerade die heftigsten Feinde sich nun am eifrigsten bemühten, das Fest einzuführen. Allein nun erhob sich ein neuer, noch größerer Widerstand im Innern des Kosters Kornillon selbst. Der Prior Rüdiger, welcher die Oberaufsicht über das Kloster führte, war ein gottvergessener Mensch, der seine Stelle um Geld gekauft hatte. Er mochte Juliana, die ihm öfters wegen seiner Ausschweifungen gute Mahnungen gegeben hatte, nicht leiden, und vom unversöhnlichen Hass gegen sie aufgestachelt, erregte er mit andern ehrlosen Personen seines Gelichters einen Aufruhr in der Stadt. Das wüthende Volk drang in das Hospital und forderte die Auslieferung der Priorin Juliana. Diese war aber bereits in Sicherheit. Dafür zertrümmerte das heillose Gesindel das Oratorium, in dem die Dienerin Gottes so viel gebetet und geweint hatte, und drohte zuletzt noch mit Mord und Todschlag, so daß Juliana gezwungen war, zu fliehen und bei ihrer Freundin Eva Schutz und Hilfe zu suchen. Dort fand sie auch mit mehreren Schwestern liebevolle Aufnahme; da aber die Zelle zu klein war, nahm sie der Stiftsherr Johann von Lausanne in sein Haus auf und sorgte für ihren Unterhalt. Damit noch nicht zufrieden, suchte er die Heilige zu rechtfertigen und brachte ihre Sache vor das bischöfliche Gericht. Der Bischof Robert von Lüttich selbst, der ihr sehr zugethan war, nahm die Untersuchung in die Hand, Juliana`s Unschuld kam hell zu Tage, der Prior Rüdiger wurde abgesetzt und die heilige Dienerin Gottes kehrte in ihr liebes Kloster zurück, wo bereits durch die Fürsorge des Stiftsherrn Johann und der Klausnerin Eva das zerstörte Oratorium wieder hergestellt und eingerichtet war. Jetzt war ihr Name in Aller Munde, überall hörte man ihre Tugenden, ihre Seelenstärke, ihren Mut loben, und ihre Gegner machten sich nun eine Ehre daraus, alles mögliche Gute von ihr zu verbreiten und sie öffentlich zu verteidigen.

Dadurch erhielten ihre Offenbarungen neues Gewicht und die Einführung des Fronleichnamsfestes wurde beschleunigt. Der Bischof Robert von Lüttich hatte sie schon seit längerer Zeit heimlich geprüft, aber noch immer, obwohl gedrängt von mehreren ausgezeichneten Gottesgelehrten, konnte er sich nicht entschließen, das Fest in seinem Bistum zu feiern. Juliana besprach sich öfters mit ihm und stellte ihm Alles vor, was nur immer die Liebe zum allerheiligsten Sakramente ihr eingeben konnte: sie suchte ihm bemerklich zu machen, welche Ehre unserm Heilande und welche Gnade für seine eifrigen Anbeter erwachse und welchen neuen Triumph dasselbe über die Feinde der Wahrheit herbeiführen würde. Allein der Bischof ließ sich nicht eher bewegen, als bis er selbst endlich durch besondere wunderbare Ermahnung vom Himmel dazu bewogen wurde. Er erließ endlich einen feierlichen Hirtenbrief an seine Geistlichen und gebot, das Fest am fünften Wochentag nach dem Dreifaltigkeitsfest feierlichst nach vorgeschriebener Ordnung begangen werden sollte. Er erlebte aber die erste Feier desselben nicht mehr. - Die ersten, welche seinen Willen befolgten, waren die Stiftsherren von St. Martin. Sie feierten das Fest zur größten Freude Juliana`s und ihrer beiden Freundinen Eva und Isabella im Jahre 1247 mit aller möglichen Pracht. Allein sie waren leider die einzigen unter den Brüdern des Bistums, welche dies taten. es erhob sich sogar nach dem Tode des frommen Bischofs ein neuer Sturm gegen Juliana, die dies schon ihrer Freundin Eva vorhergesagt hatte. Sie musste, um dem Tode zu entgehen, das Hospital von Kornillon verlassen und ganz arm mit ihren treuen Ordensschwestern von einem Orte zum andern ziehen, überall verhöhnt und verfolgt, mißkannt und verachtet; bis endlich der Archidiakon, Jakob Pantaleon, sich ihrer annahm, und das Hospital zu Namur ihr einräumte. Mittlerweile kam der Kardinal von St. Sabina, der frühere Ordensprovinzial Hugo von St. Eher, als Legat nach Lüttich, um dort die Ordnung herzustellen. Kaum hatte er von der Verordnung des verstornenen Bischofs Robert gehört, als er dieselbe sogleich erneuerte. Das Gleiche tat sein Nachfolger Peter von Kapoch; allein trotz dessen hatten die Feier keinen Anklang. Nur die Stiftsherren von St. Martin ließen sich nicht irre machen, auch Juliana blieb bei ihrer Aussage stehen, daß gegen alle Wiedersprüche Gott doch noch ein Mittel habe, seinen Willen auszuführen. Mehrere Gegner des Festes wurden mit jähem Tode bestraft und so fand endlich die Feier des Festes in vielen Kirchen statt, wenigstens so lange, als die beiden Legaten in Lüttich sich bestanden. Nach ihrer Entfernung aber unterblieb sie wieder und es hatte den Anschein, als sollte das Verlangen der heiligen Dienerin Gottes nie zur Ausführung kommen. Juliana fand endlich nach vielen schmerzlichen Leiden Ruhe in einer Zelle zu Fosses, welche ihr eine Klausnerin abgetreten hatte. Hier verlebte sie mit der treuen Schwester Ermentrude ihre letzten Lebenstage. Sie hätte gerne gewünscht, vor ihrem Hinscheiden ihre guten Freunde aus Lüttich, namentlich den Stiftsherrn Johannes, noch bei sich zu sehen, aber wie sie vorhergesagt, so geschah es. Niemand kam, sie sollte ohne diesen Trost sterben. Für diese Welt war sie bereits erstorben; die großen Seelenleiden, mit denen sie Gott prüfte, hatten ihre Kräfte verzehrt. Von Tag zu Tag wurde sie schwächer und ohne Unterlaß wiederholte sie die Worte:

„Herr! wann wirst du mich von diesem Leibe befreien? Wann wirst du mich von diesem Jammertale erlösen? Wann wird mir die Gnade werden, dich von Angesicht zu Angesicht zu schauen?”

Diejenigen, welche um sie waren, trösteten sie, daß sie bald sterben werde, aber sogleich antwortete sie:

„Sterben? Nein, ich werde nicht sterben, sondern leben!”

um ihnen damit zu sagen, sie werde bald des ewigen Lebens sich erfreuen. Obwohl ganz abgeschwächt, betete sie täglich ihr Brevier und als als Ostern heran nahte, verfügte sie sich in die Kirche, wohnte dort dem Gottesdienste bei und empfing aus den Händen des Messpriesters die heilige Wegzehrung. Sie hielt sich für unwürdig, daß man ihr das heiligste Sakrament in die Zelle bringe. Den ganzen Tag blieb sie in der Kirche, immer betend vor dem hochwürdigsten Gute. Abends kehrte sie in ihre Zelle zurück und empfing die letzte Ölung. So gestärkt mit den heiligen Sakramenten erwartete sie ihre Auflösung. Am Freitage fragte man sie, ob sie nochmal ihren Heiland empfangen wolle. Sie entgegnete:

„Das soll nicht sein, denn es ist nicht recht, daß ein so großer König zu einer so elenden und armseligen Person komme.”

Doch gab sie endlich der Bitte nach, und als der Priester mit dem heiligsten Sakramente der Zelle nahte und sie das Glöcklein hörte, da warf sie sich auf ihrem Lager auf die Knie und erwartete mit glühender Sehnsucht den Priester. Und als dieser die hochheilige Hostie zeigte, richtete sie ihre Augen auf dieselbe und rief aus:

„Gott sei mir gnädig!”

Dann empfing sie den Leib des Herrn, neigte ihr Haupt und verschwand am 5 April des Jahres 1258 im Alter von 65 Jahren. Als ihr Geist schon entflohen war, blieb ihr Antlitz noch blühendrot, ihre Augen, von Tränen feucht, leuchteten helle, man glaubte, sie lebe noch. Ihr heiliger Leichnam wurde, im Kloster Villers feierlich beigesetzt, und schon nach ihrem Tode wurde sie als eine Heilige verehrt, und diese Verehrung wuchs von Tag zu Tag, denn Gott selbst hatte ja die Heiligkeit seiner Dienerin durch die größten Gnaden, die er ihr verlieh, bezeugt, absonderlich dadurch, daß er sie zum Werkzeug wählze, seine heiligen Absichten im Bezug auf das hochheilige Fronleichnamsfest auszuführen. Sie hatte auch oft und oft vorausgesagt, daß dieses Fest nicht blos in der Stiftskirche zu Lüttich, sondern auf dem ganzen Erdkreis gefeiert werde.

„Die ganze Christheit” sprach sie eine Tages zu ihrer Freundin Eva, gerade zu der Zeit, wo Alles gegen ihre Offenbarungen sich erhob, „die ganze Christenheit wird es aufnehmen, alle Gläubigen werden es zum Zwecke ihres Triumphes und die ganze Kirche zum Gegenstande ihrer Anbetung machen. Es ist wahr, es wird sich noch manches entgegenstellen , aber wer ist wider Gott?”

Und was sie vorhergesagt , ist eingetroffen. Nach ihrem Tode schien der Eifer für das fest so erkaltet, daß man hätte glauben sollen, es hätte noch gar nicht stattgefunden.

Da geschah es, daß der ehemalige Archidiakon Jakob Pantaleon unter dem Namen Urban IV. den päpstlichen Thron bestieg. Noch lebte die fromme Klausnerin Eva, die Erbin der Tugenden und des Eifers der heiligen Juliana, und noch befand sich der ehrwürdige Greis Johannes von Lausanne in Lüttich, und beide glühten noch immer für die Einführung des Festes, wofür Juliana so viel geduldet hatte. Als die gottselige Eva hörte, daß der ehemalige Archidiakon Jakob Pantaleon Papst geworden, wandte sie sich, erleuchtet von Oben, an mehrere Stiftsherren und ihren frommen und eifrigen Beschützer Johannes von Lausanne mit der Bitte, den Bischof von Lüttich, Heinrich von Geldern, zu bestimmen, daß der von dem neuen Papste die Bestätigung des heiligen Fronleichnamsfestes erlangen möchte. Johannes begab sich wirklich zum Bischof, und dieser lies sich auch herbei, den Papst zu bitten: kraft seiner apostolischen Gewalt anzuordnen, daß in der ganzen Diözese Lüttich das von seinem Vorfahrer bereits angeordnete Fronleichnamsfest sollte gefeiert werden.

Urban IV. war darüber sehr erfreut; er erinnerte sich noch der frommen Dulderin Juliana und war im Herzen ihrem sehnlichen Verlangen, dieses Fest eingeführt zu sehen, schon lange zugetan. - Er gewährte die Bitte, und nun wurde das Fest 1262 im ganzen Bistume Lüttich allgemein eingeführt. - Noch aber war die Weissagung der heiligen Juliana nicht erfüllt; die ganze heilige Kirche sollte das Fest begehen. Da tat Gott seinen Willen durch neue Wunder zu Bolsena, welches unter dem Namen

„Messe von Bolsena,”

bekannt ist. Papst Urban war wohl geneigt, die bereits im Bistume Lüttich übliche Feier für die gesamte Kirche einzuführen; bereits hatte er sich mit dem heiligen Thomas von Aquin beraten, dem er die Kardinalswürde anbot, der aber diese Würde ausschlug und dafür keine andere Gnade verlangte, als die, daß das Fest des Fronleichnams allgemein eingeführt werde; allein er war noch unschlüssig, ob er die Bulle hierüber erlassen sollte. Er befand sich im Jahre 1264 zu Orvieto, als im nahen Städchen Bolsena ein Priester während der heiligen Messe einen Tropfen des heiligen Blutes verschüttete, und nun sein Vergehen dadurch zu verbergen suchte, daß er das Tuch (Korporale), worauf der Tropfen gefallen war, zusammen legte. Aber zu seinem größten Schrecken schlug das verschüttete heilige Blut durch das ganze Tuch hindurch und lies überall runde, blutrote Flecken in unverkennbarer Gestalt einer Hostie zurück. Der Priester konnte das Wunder nicht mehr verbergen; es wurde ruchbar und kam auch dem heiligen Vater zu Ohren. Überzeugt von diesem offenbaren Wunder, wollte der Papst nun nicht länger zögern, die Bulle bezüglich der Einführung des hochheiligen Fronleichnamsfestes an die ganze Kirche zu erlassen. Zugleich beauftragte er den heiligen Bonaventura und den heiligen Thomas von Aquin, das göttliche Oifizium zur gleichförmigen Feier des Festes zu verfassen. Beide heilige Männer machten sich mit möglichstem Fleiße an die Arbeit. Als sie fertig geworden, bat der heilige Bonaventura von der wundervollen Salbung und Kraft der Worte, die er vernahm, so ergriffen, daß er in der Stille seine Ausarbeitung, welche er geschrieben unter seinem Kleide verborgen trug, in Stücke zerriß, und als die Reihe des Vorlesens an ihn kam, die Stücklein Papier zeigte, und sagte:

„Thomas war glücklicher als ich.”

Nachdem der heilige Vater die Bulle erlassen, wendete er all sein Ansehen an, um das fest überallhin zu verbreiten. Er selbst feierte es in Gegenwart der Erzbischöfe und anderer Prälaten der Kirche, und tat dieses der gottseligen Jungfrau Eva in einem eigenen Briefe kund, den er an sie erlassen hatte. Diese heilige Klausnerin, welche so viele Jahre unablässig zum Herrn gefleht, daß die Offenbarung ihrer heiligen Freundin Juliana in Erfüllung gehen möchte, erlebte nun die Freude, das Fest im ganzen Bistume Lüttich gefeiert zu sehen, und zu hören, wie auch in andern Ländern dasselbe Eingang finde. Bald nach Empfang des päpstlichen Briefes rief sie der Herr, nach einem Leben der strengsten Buße, zu sich, um ihr den Lohn ihrer Treue zu geben. Nicht lange danach starb auch Papst Urban IV. Gott lies es zu, daß sein Nachfolger Clemens IV. wegen bejammernswerten Unruhen und Parteikämpfen in Italien nicht mit gleichem Eifer, wie seine Vorgänger, sich um die Feier des hochheiligen Fronleichnamsfestes annahm.

Vierzig Jahre lang gab es wenige Kirchen, außer Lüttich, wo es gefeiert wurde. So blieb es vernachlässigt bis zur Zeit des allgemeinen Concils von Vienne, das vom 16. Oktober 1311 bis 1312 abgehalten wurde, und in welchem dreihundert Bischöfe, zwei Patriarchen, drei Könige und eine Menge Äbte und Gottesgelehrte versammelt waren. Hier lies Papst Clemens V. die vom Papste Urban IV. gegebene Einsetzungsbulle wieder aufnehmen und bestätigen. Von nun an wurde das Fest allgemein gefeiert. Die feierliche Prozession aber, welche damit verbunden ist, ordnete Papst, Johann XXII. an. Die Päpste unterließen auch nicht, den Eifer der Geistlichen und des Volkes durch Erteilung heiliger Ablässe anzuregen und bestätigten freudig die Bruderschaften, welche aller Orten zu Ehren des allerheiligsten Sakramentes entstanden. So hob sich dieses Fest, dessen Einsetzung Gott durch den Mund einer schwachen Jungfrau der Welt verkünden lies, trotz der heftigsten Widersprüche von Jahrhundert zu Jahrhundert bis auf unsere Zeit zur höchsten Würde, und der Eifer des gläubigen Volkes auf der ganzen Welt in der feierlichsten Begehung derselben gibt laut Zeugnis, daß Gottes Hand hier sichtbar wirkte, und seine unaussprechliche Liebe das menschliche Geschlecht mit gleicher Zärtlichkeit umfaßt.

Ich glaube dir, lieber Leser, zur Erbauung und Belehrung über das hochheilige Fest des Fronleichnams unsers göttlichen Heilandes nichts Besseres vorlegen zu können, als die Einsetzungbulle des heiligen Vaters Urban IV., welche also lautet:

Urban, Bischof, Knecht der Knechte Gottes, an Unsere ehrwürdigen Brüder, die Patriarchen, Erzbischöfe und andere Prälaten der Kirche. Als unser Herr und Heiland Jesus Christus, ehe er die Welt verlassen und zu seinem Vater zurückkehren wollte, am Abende vor seinem Leiden mit seinen Jüngern das Nachtmahl genossen hatte, setzte er das allerheiligste und kostbarste Sakrament seines Leibes und Blutes ein, in welchem er uns ersteren zur Speise und letzteres zum Trank gab, denn so oft wir von diesem Brot essen und von diesem Kelche trinken, verkündigen wir den Tod des Herrn. Bei der Einsetzung dieses Geheimnisses sagte er zu seinen Jüngern:

„tut dieses zu meinem Gedächtnisse,”

indem er ihnen zu erkennen geben wollte, daß das große und verehrungswürdige Sakrament, welches er eben eingesetzt, das vorzüglichste und bedeutendste Andenken seiner unendlichen Liebe gegen uns sei; ein bewunderungswertes, angenehmes, liebliches, sicheres und über Alles kostbares Andenken, in welchem alle Gnadensbezeigungen erneuert, alle Wunder übertroffen sind, in welchem man alle Ergötzung, alles Liebliche und das sicherste Pfand des ewigen Lebens finden kann.

„Es ist das süßeste, heiligste und heilsamste Andenken, welches uns die glücklichen Augenblicke unserer Erlösung zurückruft, das uns vom Bösen zurückhält und im Guten stärkt, welches in uns das Wachstum der Tugend und des Heiles fördert, und das uns endlich auf den Pfad des Himmels leitet und darauf erhält. Die andern Geheimnisse, welche die Kirche verehrt, beten wir im Geiste und in der Wahrheit an, aber bei keinem erfreuen wir uns der Gegenwart derselben; nur in dem Andenken des heiligen Nachtmahles ist Jesus Christus wahrhaft gegenwärtig und wahrhaft mit uns; als er zum Himmel empor stieg, sagte er seinen Aposteln und Schülern:

„Sehet, ich will mit Euch sein bis an der Welt Ende.”

Um sie so über seine Abwesenheit zu trösten und sie zu versichern, daß er stets auch körperlich in ihrer Mitte weile. O würdiges und ewig verehrungswertes Andenken, welches uns erinnert, daß der Tod seinen Stachel verloren, und daß wir vom Untergange gerettet sind, seitdem der an den Kreuzesstamm geheftete, lebende Leib des Herrn und das Leben wieder gegeben hat. es ist ein ruhmwürdiges Andenken, welches die Gläubigen mit heilsamer Freude erfüllt und in ihrer Freudenergießung sie Tränen des Dankes weinen macht. Wir triumphieren bei dem Andenken unserer Erlösung und uns hierbei an den Tod Jesu, welcher uns erkauft hat, - erinnernd, können wir uns der Tränen nicht erhalten. Bei diesem Andenken, welches uns Freuden bereitet und Tränen entlockt, freuen wir uns weinend, und weinend frohlockend, weil unser Herz im Andenken an eine so große Wohltat in Wonne schwimmt und wie in der gerechtesten Dankbarkeit, die wir demselben schulden, unsere Tränen nicht zurückhalten können.

O unvermeßliche göttliche Liebe! o übergroßes Mitleid unseres Gottes, o erstaunenswertes Wunder seiner Freigebigkeit! Nicht genug, daß er uns zu Herren der Erdengüter gemacht, hat er auch alle Geschöpfe unserer Herrschaft unterworfen. Auch dabei hat sich seine Barmherzigkeit noch nicht beschränkt, sondern er hat den Menschen noch zu der Würde erhoben, daß er ihm eine Engelwache gegeben und himmlische Geister zu seinen Dienern bestellt hat, um die Auserwählten zum Besitze des Erbes zu führen, welches ihnen im Himmel bereitet ist. Nach so vielen glänzenden Zeugnissen seiner Herrlichkeit hat er uns noch mehr Proben seiner unaussprechlichen Barmherzigkeit erzeigt und sich selbst dahingegeben; alle Fülle der Geschenke und alles Maß der Liebe überschreitend, bietet er sich selbst zur Speise, zum Getränke uns dar.

O erhabene und bewunderungswürdige Freigebigkeit, in welcher der Geber die Gabe, und diese derjenige selbst ist, welcher sie gibt! O Freigiebigkeit ohne gleichen, wenn Jemand sich selbst dahingibt! Unser Gott hat sich also uns zur Speise gegeben, weil der zum Tode verdammte Mensch nur durch dieses Mittel wieder zum Leben gelangen konnte. Von der verbotenen Frucht genießend, war er dem Tode verfallen, und durch den Genuß von dem Baume des Lebens wurde er wieder erkauft. In jenem war die Angel des Todes, in diesem die Speise des Lebens. Indem er jene aß, wurde er verwundet, und der Genuß dieser machte ihn gesund; der Genuß hat verwundet, der Genuß hat geheilt. Die Heilung ist aus demselben hervorgegangen, welches sie Wunde verursachte: und was uns den Tod brachte, hat uns das Leben zurückgegeben. denn von jenem ist gesagt:

„An dem Tag, da ihr davon esset, werdet ihr des Todes sterben,” und von diesem: „Wer von diesem Brot ist, der wird ewig leben.”

O wesentliche Speise, welche nicht den Körper, sondern das Herz, nicht das Fleisch, sondern die Seele vollkommen sättigst und wahrhaft nährt! Unser mitleidiger Erlöser, welcher wußte, daß dem Menschen eine geistige Nahrung fehle, hat durch diese mitleidige und barmherzige Anordnung ihm die edelste und kräftigste Seelenspeise, welche es auf der Welt geben kann, bereitet. Auch war es die geeignetste Freigebigkeit und ein der Barmherzigkeit angemessenes Werk, das das ewige Wort Gottes, welches die wahre Speise und die wahre Mahlzeit der vernünftigen Creatur ist, nachdem es Fleisch geworden, sich auch dem Fleische und Körper, das heißt, dem Menschen zur Nahrung gab; der Mensch hat Engelbrod gegessen, und deswegen sagte unser Herr:

„Mein Fleisch ist die wahre Speise;”

dieses göttliche Brot wird gegessen, aber es verändert sich nicht, weil es in demjenigen, welcher es genießt, keine andere Gestalt annimmt; wenn man es würdig empfängt, wandelt derjenige, welcher es auf diese Art genießt, sich in ihm.

O vortreffliches , anbetungswürdiges und verehrungswertes Sakrament, welches man nicht genug verehren und verherrlichen, nicht genug rühmen, dessen Verdienste man nicht genug erheben kann! O Sakrament , welches würdig ist, aus Herzensgrund verehrt, aus den innigsten, zärtlichsten Gefühlen geliebt, und würdig ist, mit unauslöschlichen Zügen unserm Gedächtnis auf das Tiefste eingegraben zu werden! O aller edelstes Andenken, welches man aller Orten rühmen und verkünden muß, an welches alle Christen mit dem Gefühle der größten Dankbarkeit sich erinnern sollen, welches man nicht genugsam betrachten, nicht würdig genug verehren kann!

Wir sind daher verbunden, uns ein immerwährendes Andenken an demselben zu bewahren, damit wir denjenigen beständig vor Augen haben, welcher uns diese unschätzbaren Wohltaten anbietet; denn je mehr man die Gaben betrachtet, je mehr schätzt man denjenigen, welcher sie gegeben hat; aber obgleich das Andenken desselben täglich in dem heiligen Meßopfer begangen wird, halten wir es doch, um die Untreue und den Wahnsinn der Ketzer zu beschämen, für gerecht, wenigstens einmal im Jahre ein besonderes und glänzendes Fest zu diesem Zwecke zu begehen. An dem Tage, an welchem Jesus Christus dieses Sakrament einsetzte, ist die Kirche mit der Aussöhnung der Sünder, mit der Confektion des heiligen Chrysams, der Fußwaschung und andern Geheimnissen beschäftigt, so daß für die Verehrung des erhabensten Sakramentes, die erforderliche Zeit nicht vorhanden ist, weshalb es notwendig wird, hierfür einen andern Tag zu bestimmen. Endlich ist auch hinsichtlich der Heiligen kirchlicher Gebrauch, daß, ob sie gleich täglich in Gebeten, Litaneinen, in der Messe und bei andern Gelegenheiten verehrt werden, doch noch denselben besondere Festtage gewidmet sind.

Da aber an diesen Tagen die denselben gebührenden Schuldigkeiten bisweilen aus Nachlässigkeit wegen häuslicher Beschäftigung, oder sei es, auch aus menschlicher Schwäche, unterlassen worden, so hat unsere Mutter, die heilige Kirche, einen gewissen Tag zum allgemeinen Gedächtnis aller Heiligen bestimmt, damit bei dieser Feierlichkeit die allenfalls vorgekommenen Unterlassungen wieder gut gemacht werden. Wenn nun dies schon in der Kirche eingeführt ist, um wie viel mehr sind wir nicht hierzu gegen das belebende Sakrament des Leibes und Blutes Jesu Christi, welches der Ruhm und die Krone aller Heiligen ist, verbunden? Man wird dabei den Vorteil geniesen, durch frommen Eifer hierin das zu ergänzen und gut zu machen, was bei den übrigen Meßopfern unterlassen wurde; die Gläubigen werden beim Herannahen dieses Festes sich ihrer begangenen Fehler erinnern und an denselben in Demut und von ganzem Herzen Gott für die Unehrerbietung oder Nachlässigkeit, mit welcher sie den heiligen Meßopfern beiwohnen, um Vergebung bitten.

Wirklich haben wir ehemals, als wir noch mit einer geringeren Würde bekleidet waren, vernommen, daß es einigen Katholiken göttlicher Weise geoffenbart wurde, daß das Fronleichnamsfest allgemein in der ganzen Kirche gefeiert werden sollte.

Wir haben daher, um den wahren Glauben zu stärken und zu erhöhen, für recht und billig gehalten, zu verordnen: daß außer dem täglichen Andenken, welches die Kirche diesem heiligen Sakramente beweist, alle Jahre an einem gewissen Tag noch ein besonderes Fest, nämlich an dem fünften Wochentag nach der Pfingstfestoktave, gefeiert werde, an welchem Tag das fromme Volk sich beeifern wird, in großer Menge in unsere Kirchen zu eilen, wo von den Geistlichen und Laien voll heiliger Freude Lobgesänge erschallen. An diesem heiligen Tage sollen aus den Herzen der Gläubigen, aus ihrem Munde und von ihren Lippen Freudenhymnen ertönen. An diesem denkwürdigen Tage sollen der Glaube triumphieren, die Hoffnung in sich erheben, die Barmherzigkeit glänzen, die Frömmigkeit frohlocken, unsere Tempel von Freudengesängen wieder hallen und die reinen Seelen vor Freude erzittern. Mögen an diesem Tage der Andacht alle Getreuen mit Herzensfreude in unsere Kirchen eilen, mit unbegrenztem Gehorsam sich da ihrer Pflichten entledigen und so auf eine würdige Weise dies große Fest begehen. Möge es Gott gefallen, sie zu einem solchen heiligen Eifer entflammen, daß sie durch Ausübung ihrer Frömmigkeit bei demjenigen, welcher sie wieder erkauft hat, am Verdienste zunehmen, und daß er sich auch in diesem Leben ihnen zur Speise gebe. Möge dieser Gott auch ihr Lohn in der andern Welt sein. Daher benachrichtigen wir Euch und ermahnen Euch im Rahmen des Herrn und durch diese apostolische Anordnung; wir befehlen Euch kraft des heiligen Gehorsams und schärfen Euch ein, alle Jahre am fünften obengenannten Wochentage ein so herrliches, ruhmwürdiges Fest in allen Kirchen und Orten Eurer Diözese feiern zu lassen. Weiter befehlen Wir Euch, Eure untergebenen durch Euch und Andere zu ermahnen, sich Sonntags vorher durch eine vollkommene und treue Beichte, durch Almosen, Gebete und andere gute Werke, welche an diesem Tage des allerheiligsten Sakramentes wohlgefällig sind, sich so vorzubereiten, daß sie dasselbe mit Ehrfurcht geniesen, und durch dieses Mittel eine Gnadenzunahme empfangen können.

Und da wir die Gläubigen auch durch geistliche Gaben zur Feier und Verehrung dieses Festes aneifern wollen, bewilligen wir dem- oder derjenigen, welche wahrhaft reumüthig beichtend an diesem Tage dem Frühgottesdienst oder der Vesper beiwohnen, hundert Tage Ablaß; dem- oder derjenigen, welche der Prim, Terz, Sert, Ron und Complet beiwohnen, vierzig Tage für jede dieser Stunden.

Überdies erlassen wir dem- oder derjenigen, welche während der Oktave den Frühgottesdienst, Vesper und Messe besuchen, gestützt auf die barmherzige Allmacht Gottes und im Vertrauen auf die Autorität der heiligen Apostel Peter und Paul, jedesmal hundert Tage an den Bußen, welche ihnen auferlegt sind.”

Quelle:
Anmerkung:
Dies ist überwiegend der Originaltext des Stadtparrers Georg Ott, Abensberg aus dem Jahre 1863. Einzelne Wörter oder auch Sätze wurden von www.feiertagsseiten.de verändert oder ersetzt usw.


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