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Erntekranz - das Einbringen des Erntekranzes
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Erntekranz -

Wo noch die Sitte des Einbringens des Erntekranzes besteht, da versammeln sich die Erntearbeiter und das Hofgesinde festlich geschmückt auf dem Hofe, um sich dann auf den Wagen zu setzen, der ebenso wie die ihn ziehenden Tiere mit Blumen und Grün geschmückt ist. Sogar die Peitsche des Fuhrmanns ist mit einem Blumensträußchen verziert. Vom Hofe geht der Zug mit Singen und Jauchzen ins Feld, wo den Ankommenden vom Ernteherrn eine Erfrischung gereicht wird. Man ladet die letzten Erntebunde auf den Wagen und befestigt mitten auf dem Fuder den von den Mägden aus Blumen und Halmen der verschiedensten Getreidearten geflochtenen Erntekranz. In seiner Mitte hängt oft ein gedruckter Erntereim oder ein rotes Herz aus Pappe, auf welchem die Widmung der Erntearbeiter an den Herrn und seine Familie verzeichnet steht. Beim Einfahren in das Gehöft wird vom Vormäher oder einer Schnitterin ein Erntespruch gehalten. Sein Wortlaut ist überall verschieden. Am bekanntesten ist der folgende:

Wir verehren unserm Herrn einen Erntekranz, daran etwas zu lesen,
Wir sind dies Jahr vergnügt bei der Arbeit gewesen;
Wir möchtens auch heut sein bei Bier und Wein.
Dazu eine gebratene Gans,
So könnt`es auch sein ein Hammelschwanz.
Das wollen wir verzehren mit Manier.
Das andere steht zu Papier.
Habe ich meine Worte nicht recht gesprochen,
So geben Sie uns das Fleisch, behalten Sie die Knochen.

Es gab für uns Kinder am Südharze keine größere Freude, als wenn beim „Erntekranz“, so nannten wir den Tag des Ernteabschlusses, die älteste der Schnitterinnen beim Überreichen des Erntekranzes, der seinen Ehrenplatz im Hausflur bis zur nächsten Ernte einnahm, den alten, uns längst bekannten, aber immer wieder gern gehörten Spruch aufsagte:

Gott grüß den Herrn in diesem Haus,
Jetzt kommen wir aus dem Feld heraus.
Wir haben uns gleich kurz bedacht,
Korn und Weizen in die Seile gebracht
Und dabei uns gar sehr beflissen,
Also dass Strümpfe und Schuh zerrissen.
Jetzt werde ich in die Küche gucken
Und hinter mir mein Heer herlocken,
Schüsseln visitieren und Teller
Und aus der Küche gehen in den Keller.
Wir wünschen dem Herrn so viel Dukaten
Wie Korn und Raden.
Wir wünschen dem Herrn Glück und Ruh
Und Gottes Segen zum Schluss dazu.

In Mecklenburg wird der Erntekranz von Mädchen auf einer Stange getragen. Ein Spruch lautet:

Dieser Kranz ist von Blumen und Blättern,
Der liebe Gott hat gegeben gut Wetter,
Gut Korn, gut Flachs,
Künftig Jahr gibt der liebe Gott uns wieder das.
Der liebe Gott gebe Segen.
Dass sie künftig Jahr mit uns in Freuden leben.
Der Herr hat gelebet in Frieden und Recht,
Über ihn hat nicht zu klagen weder Mädchen noch Knecht,
Ich wünsche dem Herrn von Nelken einen Gang,
Von Rosen eine Bank,
Von Demanten eine Tür,
Von Rosmarin einen Riegel dafür.

Im östlichen Deutschland nennt man den Ernteschlusstag auch den „letzten Hahn“ oder den „Erntehahn.“ Im Erntekranz hängt ein vergoldeter Hahn aus Holz oder Pappe, dessen Hals mit einer Kette bunter Eierschalen geziert ist. In Pommern heißt der Erntekranz der „Austl-Kranz“ (Aust-Ernte), und der Vormäher überreicht ihn den Gutsherrn mit dem Spruch:

Hier kam ich her mit min`n Austlkranz,
Wie sind uns vörmaun einen luftigen Danz.
Ein lustig`n Danz, eine braune Gans,
Ein bra`nes Haun, ein fett`n Karpaun,
Eine grode Tunne Bier, doarüm sind wir hier
Mit twölf Binn (Gebinden),
Doarmit hebben wir den Aust vollend`t.
Wir hebben meiht, wir hebben bunn`n,
Wir hebben inführt, det Sand, det stoewt,
Dei Herrschaften hebben uns verihet,
Dei Disch hat sik boegt.
Op alle vier Enden, op diss`n Disch
Ein`n brun gebra`n grot`n Fisch.
In dei Mirr ne Kann mit Win,
Det schell uns` Herrschaft Gesundheit sin.

Nach dem festlichen Erntemahle wird auf der Scheunentenne oder auf der Diele des Herrenhauses getanzt, wobei nach guter alter Sitte der Hausherr mit einer Schnitterin, die Hausfrau mit dem Vormäher den ersten Reigen eröffnen. An stelle des Kranzes tritt in Niedersachsen hier und dort eine „Erntekrone.“

In Ostdeutschland heißt sie und die mit ihr verbundene Feier auch „Plan“ oder „Plon“, ein Wort, das im Littauischen einen Hauskobold bezeichnet, der den Menschen im Hause und bei der Ernte hilft. Die Erntemitarbeiter werden dabei mit Wasser begossen. In Mecklenburg erhält das Gesinde das „Wodelbier,“ während in Pommern das Austlbier verabreicht wird. Die Schnitter des Wendlandes trinken das gleichbedeutende „Sichel- oder Seckelbier,“ wobei Schmaus und Tanz nicht fehlen dürfen.

In der Schweiz heißt der letzte Erntetag „Sichellösi.“ In Merians „Totentanz“ (Basel 1621) ist ein aus der Ernte kommender Schweizerbauer abgebildet, wie er auf der Schulter den Dreschflegel, am Arme aber den Korb trägt, in welchem schon der „Krähhahn“ für den „Sichellösi“ und für die „Pflegelrecki“ bereit liegt.

Neben der weltlichen Feier hat auch die kirchliche manche bemerkenswerte Bräuche bewahrt. In Nassau werden einige Ähren auf dem Altar verbrannt, in Thüringen, Hannover und Sachsen hängt man einen aus allen Getreidearten gewundenen Erntekranz am kirchlichen Erntedankfeste in der Kirche auf. Dazu ertönt überall der Choral:
„Nun danket Gott!“
Dies Lied wird häufig in Norddeutschland vor dem Abendessen des Erntekranztages von Herrschaft und Gesinde gemeinsam gesungen. In den bergischen Gemeinden Dönberg und Neviges wird nach der ersten Ernte das erste Bort in die Kirche getragen, nach dem Gottesdienst von den Ältesten zerschnitten und unter die Armen verteilt. In manchen Gemeinden setzen die Gemeinden die Feier des kirchlichen Erntedankfestes selbst fest, z. B. im ehemaligen Kursachsen. Das Erntedankfest wird dort am Sonntag und Montag gefeiert. Der festliche Erntegottesdienst findet am Montage, dem „guten Montage“ statt.

Der Volksmund muss zu seinem Bedauern immer mehr zu der Erkenntnis kommen, dass die alten sinnigen Erntebräuche durch den schnellflutenden Strom der Zeit, insbesondere aber durch die Einführung landwirtschaftlicher Maschinen und durch die Heranziehung nicht einheimischer Arbeitskräfte von Jahr zu Jahr in Verfall geraten, wodurch die alte fröhliche, poesievolle Feldlust allmählich verloren geht. Möchten alle, die eine leitende Stelle im Volke einnehmen, zu ihrem Teile durch Ermahnung zum Festhalten am Althergebrachten, durch Wiederbelebung des Veralteten oder Verlorengegangenen und durch Fortbildung und Veredelung des Bestehenden dahin wirken, dass die alten guten Erntebräuche ebenso wieder zu Ehren gelangen, wie alle die sinnigen, dem deutschen Volke so ureigenen, Leib und Seele erfrischenden Sitten und Bräuche im festliche Jahre“

Quellenangabe:
Die deutschen Feste in Sitte und Brauch von Rudolf Reichhardt (Pfarrer aus Rotta bei Kemberg , zweite Auflage aus dem Jahre 1911


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