www.fleurop.de
  www.brauchtumsseiten.de   www.feiertagsseiten.de   www.weihnachtsseiten.de   www.osterseiten.de   www.muttertagsseiten.de   www.pfingstseiten.de
   Sie sind hier :  
Suchbegriff(e) eingeben:
Empfehlungen
Hotelbewertungen

Brauchtum im Jahresverlauf oder von A - Z
Januar
Februar
März
April
Mai
Juni
Juli
August
September
Oktober
November
Dezember
A B C
D E F
G H I
J K L
M N O
P Q R
S T U
V W X
Y Z
Neu  Eifeler Brauchtum
Neu  Veranstaltungskalender


468x60

Infos hinzufügen  |  Druck Version  |  PDF Version  |  Buchtips  |  Zurück
Translate this page into English Translate this page into English   |   Traduction française de cette page Pressure Version

Haustüren  —  „Haustüren sind wie ein Händedruck”
Copyright © by www.brauchtumsseiten.de
„Haustüren sind wie ein Händedruck”

Türen und Fenster im alten Haus: In der Eifel wurden sie einst "Augen des Hauses" genannt

"Moderne Haustüren sind oft stumm und anonym, meistens sogar verschlossen - früher waren sie eine Einladung", schrieb Autor Dieter Weiland 1984 in seiner viel beachteten Broschüre "Bauen und Bewahren auf dem Land".
Vieles hat sich in den letzten Jahrzehnten geändert - auch in der Eifeler Kulturlandschaft.
Alutüren, Thujahecken, Palisadenzaun und Glasbausteine: Das Gesicht vieler Häuser hat sich grundgelegend verwandelt. Kein Wunder allerdings, wenn man heute in erster Linie an Sicherheit denken muss - früher folgte man eher den Grundsätzen von Schönheit und "artgerechter" Bauweise.

"Augen der Häuser"
"Augen der Häuser" nannte man in der Eifel die zahlreichen Öffnungen, die eine Hausfassade gliederten. Seiner Eingangstür widmete der Hausherr die besondere Aufmerksamkeit: Sie war das "Willkommen", der "Händedruck". "An dieser Schwelle wurde unterschieden zwischen dem häuslichen Frieden und der Lautstärke der Straße", sagte vor 20 Jahren eine Referentin aus Bitburg anlässlich einer Info-Veranstaltung in Watzerath.

Eine besondere "Einladung" war das Haus-Entree: Mehrere Sandsteinstufen führten hinauf zum Eingang. Die Haustür war eine besondere Art des Willkommens: Aus Eichenholz gefertigt bot sie eine Fülle von kunstvollen Ornamenten und zeugte von bester Eifeler Handwerksarbeit. Als Motive für die Schnitzelemente dienten zumeist biblische Szenen oder ländlich-bäuerliche Muster. Die Eingangstür konnte eine Großdarstellung oder mehrere gegliederte Elemente enthalten. War sie mehrgliedrig, dann waren es in der Regel vier Darstellungen, gruppiert um das so genannte "Innenblatt". Aber auch floristische Motive aus dem Bauerngarten oder aus Feld und Flur fanden in der Haustür ihren künstlerischen Niederschlag. Seltener gab es auf der Haustür Segenssprüche oder Bibelworte. Diese fanden sich eher auf dem Türsturz darüber - nebst dem Erbauungsjahr des Hauses.
Auf dem Pronsfelder "Ludeshof" war die eicherne Haustür mit dem Grußwort "Salve" versehen. Daneben stand die Jahreszahl Anno Domini 1768. Als Motive rankten rund um das Innenblatt die Darstellungen der heiligen Katharina und des heiligen Petrus, ferner zwei bäuerliche Szenen mit Pferd und Pflug sowie Kornähre und Malve. "Je nach Zeitgeschmack, Handwerkskunst und Finanzen war die Eingangstür üppig-dekorativ, repräsentativ oder schlicht"", sagt Schröder. An diesem Ort fand viel Kommunikation statt - von drinnen nach draußen und umgekehrt. "Klöhnen" war in Zeiten ohne Fernsehen eine gerne gepflegte "Übung".

An der Haustür konnte der Gast schnell erkennen, ob es sich um einen begüterten Herrenhof, einen mittelgroßen Bauernbetrieb oder eher um einen kleinen Nebenerwerbshof handelte. An der Haustür wurde zuallerletzt gespart, schließlich war sie auch so etwas wie ein "Imagegegenstand" des gesamtes Hauses.

Trennende "Schladertür"
Zudem gab es an der Stallseite des Bauernhofes die zweigeteilte "Schladertür", auch "Klöhntür" genannt. Oberteil und "Gatter" konnten getrennt voneinander geöffnet werden. "Diese Tür galt als praktisch, sie ließ das Federvieh draußen und die Kleinkinder drinnen", erinnert sich der 80jährige Peter Schröder. Außerdem zogen Luft und Licht in die Räume. Die so genannte "Schladertür" hatte im Innenbereich einen zweifachen Verschluss: Im unterem Teil war es zumeist eine feste Verriegelung, im oberen ein einfacher Haken mit Öse.
Der Begriff "Klöhntür" hat freilich mit dem Reden untereinander zu tun, in der Westeifel auch "Kallen" genannt. Während der Bauer von drinnen seine Kommunikation führte, war der Besucher, zumeist der Nachbar, von außen "tätig". Diese Schladertür hatte aber auch den Charakter einer "Sicherheitstür": Nicht selten kamen unbekannte Gesellen des Weges daher, trugen ihr Anliegen vor oder bettelten um eine Gabe. Wandernde Handwerker wie Scherenschleifer, Kesselflicker oder Krautschaber durften die Schwelle des Stalles nie überschreiten, ohne zuvor den Hausherr konsultiert zu haben. An der Schladertür wurde entschieden, ob der Fremde ins Haus eintreten durfte oder nicht.
Im Volksaberglauben besaß die Haustür Schutz- und Abwehrkraft. Seelen von unerlöst Verstorbenen, »Trouliechter« genannt, konnten nur bis zur Haustür vordringen. Dazu gehörte allerdings, dass selbst das kleinste Astknotenloch verschlossen sein musste.

Bei weiteren Bräuchen ist die Haustür Grenze und Abschluss: Der Nikolaus tritt bei seinem Besuch bis an die Schwelle und wirft seine Gaben hinein, die Klapperjungen fordern ihre Ostereier an der Tür ohne einzutreten, Heischezüge an Fastnacht oder Burgsonntag enden hier. Der Lärmumzug »Chariwari« und das »Spessen« am Hochzeitsabend respektieren die Haustürlinie.

Der Hausfrieden endete dann, wenn jemand den innerhalb des Gatters Stehenden bat, »vor« die Tür zu kommen, was meist eine Schlägerei nach sich zog, oder Dorfjungen einem unwillkommen Zugezogenen die Haustür mit Brettern und Steinen zustellten. Eine Geste der Ablehnung war es auch, wenn man ihm einen alten Koffer mit Stock auf die Schwelle der Haustür legte.

Klare Struktur
Dieter Brungs hat das alte Bauernhaus ("Comes-Hof") in Lierfeld von 1996 bis 1999 gundlegend saniert. Die Sandsteintreppe ist abgenutzt liegengelieben, eine Takenplatte schmückt die Eingangswand und neun Fenster zieren die hübsche Fassade des 1734 erbauten Bauernhauses. "Die Haustür ist leider nicht im Original erhalten", sagt Dieter Brungs, der in der zehnten Generation das Haus als Ferienwohnung nutzt. "Dagegen haben wir im Inneren uralte Türen, die älteste ist über 500 Jahre alt", so der stolze Besitzer. "Im 15. Jahrhundert diente das Areal als Jagdschloss der Grafen von Vianden, im heutigen Hofraum standen die Schmiede, das Backhaus und ein Pferdestall, zudem der Brunnen", weiß Dieter Brungs.

Fenster als Unikate Jedes alte Haus hatte ein "Gesicht", eine Fassade. "Diese Seite lebte von einem gewissen Rhythmus, von der Zahl und Proportion der Fenster", sagt Dieter Brungs. Höhe, Breite, Einteilung der Sprossen und der Fensterkreuze waren klar strukturiert. Brungs: "Fenster übers Eck waren etwas Besonderes - sie gaben dem Haus Leben und Farbe". "In dem einen Fensterpaar sahen die Bewohner die Sonne aufgehen und gegen Mittag in die anderen Fenster ziehen, so wanderte das Licht durch's Haus", sagt Peter Schröder.
Vielfach lag die Giebelseite der Bauernhäuser zur Straße hin, entsprechend groß war die Zahl der Fenster. Unter der Giebelspitze "saß" zumeist ein Fenster, es folgte eine Zweier-Reihe, darunter eine Dreier- usw. "Augen" wurde dieses Sammelsurium der Fenster genannt, oftmals sehr asymetrisch angeordnet, aber - von innen betrachtet- zweckvoll und nützlich. Fenstersprossen gliederten die Scheibe, dünne Rahmen raubten kein Licht. Heute sind es dagegen oft Riesenscheiben in Alu-Rahmen, die dem Haus den Schein nehmen. Dieter Wieland beschreibt es so: "So wie das Loch das Zimmer aus dem Gefüge bringt, zerschlägt es draußen den Rhythmus der Fassade und bringt alle Proportionen aus dem Gleichgewicht". Dass die Fenster früher relativ klein waren, hatte nur einen Grund: Schutz gegen Frost, Wind und Bodenkälte.

Der feste Mittelpfosten und die weißlackierten Gitterstäbe machten das alte Bauernhausfenster schlank und zierlich. Drinnen sorgten bunte Gardinen für Falbkleckse und Sichtschutz. Klappläden waren der beste Schutz gegen Hagel und Schlagregen, zudem eine optische Bereicherung. Außerdem hatten die Läden eine isolierende Funktion.

Kleinere rechteckige oder runde Maueröffnungen, "okuli" (Augen) genannt, dienten der Belüftung des Fruchtspeichers, des Heustalles und der weiteren Vorräte. Sie hatten weder Rahmen noch Scheibe, befanden sich in der oberen Haushälfte und ließen hier und da auch zu, dass sich Vögel im Wirtschaftsgebäude ansiedeln konnten. Dagegen hatte der Bauer nichts einzuwenden, waren die Vögel als Insektenfresser hochwillkommene Gäste.

Umdenken gefordert
Viele Details am Haus waren recht einfach - und doch genial. "Früher hatten die Häuser ein freundliches Gesicht, heute sind aus diesen Gesichtern oftmals Grimassen geworden", schreibt Dieter Weiland kritisch zum heutigen Hausbild auf dem Lande. Seine Arbeit, die vor 25 Jahren vom Deutschen Nationalkomitee für Denkmalschutz herausgegeben wurde, sorgte für einen nachhaltigen Denkimpuls - auch in der Eifel.

Die Kulturlandschaft im ländlichen Raum ist von den Straßen, Wegen und Gärten und vor allem von den Häusern geprägt. Der Einklang von Landschaft, Haus, Dorf und Mensch bestimmte den Erholungswert und die Lebensqualität. Leider ist schon viel zu viel verloren gegangen. Leerstände allenthaben - auch und gerade auf dem flachen Land.

Spruch
Naht das Glück sich deinem Haus,
fang's und halt's und lass's net aus.

Segensspruch
So oft ich durchgeh durch die Tür,
erinner ich mich für und für,
dass du, o Heiland Jesus Christ,
die rechte Tür zum Himmel bist.

SPRUCH
Ich steh in Gottes Hand
und bin zum Comeshof genannt.

Mit freundlicher Unterstützung von Joachim Schröder
Titel: „Haustüren sind wie ein Händedruck”
Autor: Joachim Schröder
Copyright: © by Joachim Schröder
gepostet von Joachim Schröder am:
Date: Wed, 25 Mar 2009 03:15:45 EDT
Internet: www.joachim-schroeder.com


Alle Beiträge von Joachim Schröder

Jetzt Neu:
Veranstaltungskalender für Brauchtum und Tradition
Brauchtum - H -
  1. Hadnfest
  2. Hahnenfussgewächse
  3. Hahnentanz
  4. Hallamasch
  5. Hallenberger Osternacht
  6. Halloween
  7. Halterschnalzen
  8. Handwerk
  9. Hauerkrone
  10. Hauerumzug
  11. Haus
  12. Hausieren, Hausierer
  13. Hedwigsprozession
  14. Heidauer Plattler
  15. Heilig Abend
  16. Heilige Drei Könige
  17. Heilige Geist
  18. Heiliges Grab
  19. Heiliggeist-Krapfen
  20. Heilkunst
  21. Heinzen
  22. Heischebrauch
  23. Heischegang
  24. Heischelieder
  25. Heischen
  26. Heischetage
  27. Helau
  28. Hemadlenzen
  29. Hemadlenzenumzug
  30. Hemmafeier
  31. Hemdglonker, Hemdglonkerumzug
  32. Herbergsuche
  33. Herbstbrauchtum
  34. Herbstfest
  35. Herbst Tag und Nacht Gleiche
  36. Heringsschmaus
  37. Herrgottswinkel
  38. Herz-Jesu-Fest
  39. Herz-Jesu-Sonntag
  40. Heumännchen
  41. Heumandl
  42. Hexenfeste
  43. Hexenhäuschen
  44. Hexensonntag
  45. Hexentreppe
  46. Hiatatanz
  47. Hiefler
  48. Hife, Huanzen
  49. Himmelpfort
  50. Himmelsleiter
  51. Himmelstadt
  52. Hirtamadl
  53. Hirten
  54. Hirtensprüche
  55. Hoagart`n
  56. Hoagascht
  57. Hoanzln
  58. Hoareraschneide
  59. Hochfest der Gottesmutter Maria
  60. Hochfest des Leibes Christi
  61. Hochzeitstag
  62. Hofsabend i. d. Eifel
  63. Hoinza
  64. Holi holi hüü
  65. Holsteiner Dreitour
  66. Holzfresser
  67. Holzweg
  68. Honigkuchen
  69. Hot Cross Buns
  70. Huanze, Huanzen
  71. Hubertustag
  72. Hüttensonntag
  73. Hufeisen
  74. Hufeisenwerfen
  75. Huflattich
  76. Huflattichblätter
  77. Hundstage
  78. Hungertuch (Fastentuch)
  79. Hutzelbrot
  80. Hutzeln
  81. Hutzelsonntag


   Postfach   Impressum   Haftungsausschluss   Disclaimer
Die Brauchtumsseiten    (http://www.brauchtumsseiten.de)
Copyright © by Josef Dirschl, www.brauchtumsseiten.de    -    info@brauchtumsseiten.de
ALLE RECHTE VORBEHALTEN / ALL RIGHTS RESERVED
Suchmaschinenoptimierung mit Ranking-Hits

Haftungshinweis:
Hiermit distanziere ich mich ausdrücklich von allen Inhalten aller gelinkten Seiten auf meiner Homepage und mache mir diese Inhalte nicht zu eigen. Diese Erklärung gilt für alle auf dieser Website angebrachten Links. Für den Inhalt der verlinkten Seiten sind ausschließlich deren Betreiber verantwortlich.