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Kirchleintragen in Bad Eisenkappel
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Kirchleintragen - Vorabend zu Maria Lichtmeß

Der Brauch des Kirchleintragens in Bad Eisenkappel / Železna Kapla in Südkärnten

Die Liturgiereform des II. Vatikanischen Konzils hat dem Lichtmesstag seine ursprüngliche Funktion zurückgegeben, die lautet: „Darstellung des Herrn“ – „Hypapante“, Begegnung des Herrn mit allen Menschen, die eines guten Willens sind. Seit 1969 heißt der Tag „Darstellung des Herrn“ und nicht mehr „Reinigung Marias“. Vor dem II. Vatikanum galt der 2. Februar als Ende des Weihnachtsfestkreises und als Beginn des Frühlingserwachens. Bis ins 20. Jahrhundert war der Lichtmesstag in bäuerlichen Gegenden der Einstands- oder Ausstandstag der bäuerlichen Dienstboten, der Beginn des ländlichen Arbeitsjahres und des Dienstbotenwechsels. Dieser wurde mit einem freien Tag und gutem Essen feierlich begangen.

Der Ablauf des Kirchleintragens

Im lieblichen Vellachtal, im südlichsten Markt Österreichs, in Bad Eisenkappel / Železna Kapla finden sich Kinder und Erwachsene am Vorabend von Maria Lichtmess in der Schulhausgasse vor der Volksschule ein. Mitgebracht werden kleinere und größere selbst gebastelte Papier-Kirchen, in deren Inneren sich eine Kerze befindet, die auf einem massiven Brett oder Styropor festgemacht ist. Auf Tragstangen werden die kleinen Kirchen befestigt. Nachdem die Kerzen im Inneren der Kirchen entzündet werden, setzt sich die Schar um 18.00 Uhr von der Schulhausgasse Richtung Obirgasse und Hauptplatz in Bewegung und ruft laut und ständig während des Schreitens einen lateinisch-slowenisch verballhornten Mischvers: „Ante pante populore, Kocle vrate cvilelore.“ Vor der Pfarrkirche St. Michael am Hauptplatz macht der Zug Halt, wo der Ortspfarrer eine liturgische Andacht mit einer Kurzansprache in Deutsch und Slowenisch hält und die Kirchen segnet. Nach deutschen und slowenischen Gebeten wie Kirchenliedern setzt sich der Zug wieder Richtung Süden in Bewegung, an deren Spitze eine oder zwei große Vortragskirchen aus Holz von mehreren Burschen getragen werden. Je mehr sich die Schar der Kinder und Erwachsenen der Brücke beim Schloss Hagenegg nähert, um so lauter wird das sich ständig wiederholende, rhythmisch-melodiöse Staccato „Ante pante populore, Kocle vrate cvilelore.“ An der Brücke angelangt übergeben die meisten der Teilnehmer und Teilnehmerinnen ihre Kirchen behutsam den Fluten der manchmal schneebedeckten und vereisten Vellach / Bela. Die „Lichterkirchen“ tanzen dann hurtig und behende auf den Wellen der Vellach, bis sie durch einen Strudel, einen Stein oder einen Eiszapfen am Weiterkommen gehindert werden, umkippen und ihr Licht verlieren. Manche Kirchen schaffen es dennoch mehrere hundert Meter weit zu schwimmen. Den vielen auswärtigen Besuchern fallen immer wieder die merkwürdigen, immer wiederkehrenden laut gedehnten Verse auf: „Ante pante populore, Kocle vrate cvilelore.“ Im Evangelium ist die Rede von „Quia viderunt oculi mei salutare tuum, quod parasti ante faciem omnium populorum“ = denn meine Augen haben dein Heil geschaut, das du vor dem Angesicht aller Völker bereitet hast“ (Lk 2,30f.); diese Verse sangen im 19. Jh. noch die am Zug teilnehmenden Geistlichen. Die Kinder und das Volk, das kein Latein verstand und noch viel weniger sprach, nahm sich die Verse aus dem Benedictus Simeons zu Herzen und formte sie so um, dass sie rezitierbar wurden. Bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts wurden die Kinder vom Messner so lange gedrillt, bis sie die lateinischen Verse des Simeonlobpreises mehr oder minder auswendig konnten, so dass sie an der damals noch geordneten Prozession teilnehmen konnten. Im Jahre 1854 wurde der schon aus dem Lateinischen verformte Vers „Ante pante populore“ durch einen slowenischen Vers vervollständigt. Ein humorvoller Mann, namens Luka Smrtnik, hörte das durch den Wind und die ungeschmierten Angeln hervorgerufene Knarren und Quietschen des Haustores beim Gasthaus Kocelj. Der Standort dieses Gasthauses, dem späteren Schumi, befand sich an der Stelle, wo das gegenwärtige architektonische Ungetüm Eisenkappels, das Hotel Obir in den Himmel ragt. Luka Smrtnik dichtete zum Vers „ante pante populore“ geistesgegenwärtig „Kocle vrate cvilelore“ dazu. Das gefiel den Prozessionsteilnehmern so gut, dass sie sogleich dem „Ante pante populore“ das „Kocle vrate cvilelore“ (=“Koceljs Haustür knarrt“) beigaben und ihn bis heute lauthals skandieren. In der vorhandenen Literatur wird der Vers immer mit „Kocelna vrate“ wiedergegeben und gebetsmühlenartig wiederholt, was aber der Gepflogenheit der gesprochen-gesungenen Verse, der Leiermelodie und der Reimung nicht entspricht.

Die Sage

Anlass für diese Prozession sei, so die Sage, ein Unwetter und eine Überschwemmungskatastrophe gewesen. Nachdem der Hauptplatz, die Häuser und die Pfarrkirche durch die hochwasserführende Vellach unter Wasser gesetzt worden waren und nur noch die Wallfahrtskirche Maria Dorn über dem Ort den Fluten trotzte, gelobten die Bad Eisenkappler, die Zuflucht in der Maria Dorner Kirche gesucht hatten, jährlich eine Prozession zum Dank für die Errettung zu machen, in welcher sie erleuchtete Kirchen zur Vellach tragen und sie dem unscheinbaren, aber doch jederzeit zur Bedrohung werdenden Bach übergeben wollten. Seit damals wird kontinuierlich am 1. Februar das „Ante pante“ gepflegt. Dass die Vorstellung von der Hochwasserkatastrophe einen durchaus realen Hintergrund haben kann, zeigt sich darin, dass Bad Eisenkappel am Zusammenfluss von mehreren Gebirgsbächen liegt, die bei heftigen Regenfällen sehr schnell zu Sturzbächen anschwellen und den Ort in Mitleidenschaft ziehen können. Die Zeit der Einführung des Brauches „Kirchleintragen“ kann nur vermutet werden. Die Errichtung der gotischen Kirche von Maria Dorn erfolgte gegen Ende des 14. Jahrhunderts, jene der Pfarrkirche St. Michael schon im 11. Jahrhundert. Die Lichterweihe jedoch fand in der Vergangenheit immer in der Pfarrkirche statt. Angeblich soll ein Gelübde nach einem Hochwasser im 12. Jahrhundert die Wurzel für den Brauchumzug bilden.

Die Deutung des Brauches

Wahrscheinlich handelt es sich in Bad Eisenkappel um einen Brauch, der den Frühling und das baldige Ende des Winters ankündigen sollte. Dazu gehört auch das laute Rezitieren des verballhornten Verses, um die noch latent vorhandene Angst vor den noch rauen und dunklen Winternächten des Februar leichter bewältigen zu können. Frühlingserwachen und Heraufbeschwören des Sonnenlichtes könnte zunächst der Grund für diesen archaischen Brauch sein, der aber eine christliche Deutung von Maria Lichtmess, dem Wetterlostag, erfuhr. Eine andere christliche Deutung hat den Kirchenbau zum Inhalt, in dem die Kirche als Haus der Geborgenheit, der Zuflucht und des Schutzes interpretiert wurde, als der Ort Bad Eisenkappel, wie es die Sage erzählt, von einem mächtigen Hochwasser bedroht wurde. Eine weitere Interpretation glaubt die Wurzeln für den Brauch in der bäuerlichen Tag- und Nachtgleiche und im alten „Feuer-ins-Wasser-tragen“ zu sehen, wo das neue Licht das Dunkel der Winternacht erhellt. Das Symbol des Lichtes kann auch christlich interpretiert werden. Am 2. Februar segnet der Priester die Kerzen und betet: „Führe uns auf den Weg des Glaubens und der Liebe zu jenem Licht, das nie erlöschen wird.“ Die Kerzen werden dabei nach wie vor mit apotropäischen Wirkungen verbunden: Schutz und Abwehr vor Gewitter und Seuchen.

Literatur
Koschier, Franz: Kärntner Brauch im Jahreslauf. Ein Leitfaden. 2. Aufl. Klagenfurt 1984. Kraxner, Walter: Lied und Musik im Kärntner Brauch. In: Jahrbuch der Diözese Gurk – Zbornik krške škofije 1994. S. 34-37. Moser, Dietz-Rüdiger: Bräuche und Feste im christlichen Jahreslauf. Brauchformen der Gegenwart in kulturgeschichtlichen Zusammenhängen. Graz, Wien, Köln 1993. Singer, Stephan: Kultur- und Kirchengeschichte des Jauntales. Dekanat Eberndorf. Kappel 1938. Wolf, Helga M.: Österreichische Feste und Bräuche im Jahreskreis. St. Pölten-Wien-Linz 2003. Zablatnik, Pavle: Car letnih casov v ljudskih šegah na Koroškem (=Der Zauber der Jahreszeiten in den Volksbräuchen in Kärnten. Celovec (=Klagenfurt) 1984.

Dr. Josef Till

Inhalt mit freundlicher Unterstützung von Dr. Josef Till
Autor: Dr. Josef Till
gepostet von Dr. Josef Till
Date: Mon, 19 Nov 2007 10:15:23 +0100
eMail: tillspa@chello.at
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