|
Haus - die kleinste Siedlungseinheit wird mit einem Hausnamen gekennzeichnet.
Von Ludes, Gremischs und Tilmes
Hausnamen waren früher Ortskennzeichnungen - Nur bei alten Menschen sind sie noch im Gebrauch
Wer kennt sie heute noch, die alten Hausnamen? Wer weiß noch, wo das Zeimens-Haus stand, wo Ludes, Tilmes, Gremisch, Leyen oder Spoes? Es ist eine Art ‘geistiger Denkmalschutz’, die Hausnamen zu erhalten, denn auch diese Bezeichnungen sind schon fast aus der Mode gekommen.
Heute wird kaum noch jemand mit seinem Hausnamen angesprochen. Dadurch und ganz allgemein durch den zunehmenden Verlust der Mundart - des Eefeler Platt - sind die Namen dem Untergang geweiht. Früher war es ganz selbstverständlich, dass beispielsweise nicht in der Form gesprochen wurde, dass es hieß: ‘Das ist Peter Schröder’, sondern “Dat ass Ludes Pitter". Der Nachname oder Familienname wurde also ersetzt durch den Hausnamen. Die Nachnamen sind erst relativ spät entstanden, nämlich im ausgehenden Mittelalter, in manchen Orten erst im 17. Jahrhundert.
|
Vorher gab es lediglich Vornamen und die eventuelle Ortsbezeichnung. Da man - besonders in der Eifel, wo es bei den Vornamen wenig Phantasie gab - eine zusätzliche ‘Kennung’ brauchte, wählte man einen Hausnamen. Hausnamen waren aber auch nach Einführung des Familiennamens wichtig, denn auf Grund der bereits erwähnten Phantasielosigkeit beim Vornamen und der Ballung von Familien in einem Ort konnte es vorkommen, dass es mehrere Personen gleichen Vor- und Nachnamens gab. Auch deshalb waren die Hausnamen als zusätzliches Unterscheidungsmerkmal wichtig. Wenn man alte Kirchenbücher liest, stößt man häufig bei Männern auf die Vornamen Josef, Peter Josef, Josef Peter, Johann, Johann Josef, Hubert etc. Bei Frauen waren es im Wesentlichen Anna, Katharina, Anna Katharina, Maria, Anna Maria usw. So wurde beispielsweise bei "Gertrud" mundartlich unterschieden nach Trautchen, Trudl, Gerti, Traut oder Trudi.
|
|
Über Jahrhunderte hinweg hat sich daran nichts verändert, wohl auch deshalb, weil ein Neugeborenes in aller Regel den Vornamen des Paten beziehungsweise der Patin bekam. Das hat sich erst seit einigen Jahrzehnten verändert. Zu meiner Zeit wurde - wenn der Pate schon nicht Namensgeber wurde - der Name des Paten zumindest als Zweitnamen angehangen (So hieß mein Pate Adam und éntsprechend wurde bei mir zum Joachim der Adam als Zweitname beim Standesamt eingetragen).
Interessant ist noch, dass der Hausname eines Menschen sich nicht ändert, wenn er in ein anderes Haus zieht, weder bei Männern noch bei Frauen. So behält ein Mann seinen Namen, auch wenn er längst neu gebaut hat und nicht mehr in seinem Elternhaus wohnt.
Eifelkundige wissen, dass im Rahmen der Kirmes auch immer Häusertaufen stattfinden, und zwar für die Häuser, die entweder neu gebaut werden oder eine größere Umbaumaßnahme erfahren. So war es auch in Pronsfeld, jedenfalls solange es noch eine "echte" Kirmes gab. Die Namensgebung in moderner Zeit hat sich leider nicht immer an den alten Regeln orientiert und - vielleicht deshalb - nicht immer durchgesetzt. Die Hausnamen haben sich im Laufe der Jahrhunderte entwickelt, und zwar im Prinzip genauso wie Familiennamen. Beruf, Herkunft, Lage des Hauses im Ort oder Flurname, Vorname eines Ahns der Familie und andere Besonderheiten bilden den Ausgangspunkt für den Hausnamen. Einige Beispiele aus Pronsfeld und Umgebung: Beruf: Schuster Jakob; Lage des Hauses oder Flurname: Jupp vom Knupp; Vorname: Stoffel (von Christoph); Nachname: Schrüedeschjanns (von Schröder, vielleicht in Kombination mit einem Vornamen ‘Johannes / Jannes’)
Mit freundlicher Unterstützung von Joachim Schröder
Titel: Hausnamen
Autor: Joachim Schröder
Copyright: © by Joachim Schröder
gepostet von Joachim Schröder am:
Date: 26.06.2009 16:10
Internet: www.joachim-schroeder.com
|