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Alles über die Eisheiligen von Bernhard Michels
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Die Eisheiligen
Des Maien Mitte hat für den Winter noch eine Hütte.

Wir erleben es in vielen Jahren, wenn wir uns an die ersten warmen Sonnenstrahlen gewöhnt haben und Mitte Mai alles in vollster Blüte steht, bringt sich der Winter noch einmal mit einer Kältewelle in Erinnerung. Seit Jahrhunderten kennen wir diesen Wetterwechsel in des Maien Mitte unter den Namen "Eisheilige". Trotz beständigerer Witterung ist noch Vorsicht geboten, denn es kommt in unregelmäßiger Regelmäßigkeit gegen Mitte des Monats zu Kälterückfällen aus dem Norden, mit nachweislichen Nachtfrösten.

Die Eisheiligen sieht kein Gärtner gern, denn sie sind allzu gestrenge Herrn. Es ist wohl neben dem Siebenschläfer und dem Altweibersommer die wohl allgemein bekannteste Wetterlage. Meistens platzen sie mitten hinein in die Obstblüte. Man tut gut daran, bei empfindlichen Pflanzen mit säen und pflanzen zu warten, bis die gestrengen Herren mit Dame (Kalte Sophie) vorbei sind. Sicher ist sicher, auch wenn mit den kalten Herrschaften im Zehnjahresdurchschnitt nur zwei mal zu rechnen ist.

Früher war das anders. Man konnte etwa bis 1850 auf das Eintreffen der Kältewelle fast die Uhr stellen. Im Norden vom 11. bis 13. Mai, und im Süden vom 12. bis 15. Mai. Bis Anfang des 20. Jh. noch in über 70 Prozent der Jahre. Auf unerklärbare Weise endete dann diese Rhythmik. Dennoch, vielerorts wartet man heute wie damals die Eisheiligen ab, bevor man das Vieh auf die Weiden treibt. Mancherorts wurde es vermieden, das Vieh an den Tagen der drei starken Männer, Pankratius, Servatius und Bonifatius, zum erstenmal auf die Weide zu treiben, z. B. auf die "Bergweiden" in Beverungen. In zeitlich noch früherer Zeit war man sogar der Meinung, dass alles Vieh, das an diesem Tage zur Welt kommt, verunglücken werde.

Mit Nachtfrösten im Mai ist meist bei ruhiger, fast windstiller Hochwetterlage zu rechnen. Der Vollmond kann die kalte Wettersituation zudem noch begünstigen, deswegen ist der Wind während dieser Zeit sehr willkommen. Fröste im Mai schädlich sind, gut hingegen sind die Wind.

Eine typische "Eisheiligen-Großwetterlage" setzt bestimmte Bedingungen voraus. Über dem Ostatlantik oder England muss ein blockierendes Hochdruckgebiet bestimmend sein. Gleichzeitig muss ein Tiefdruckgebiet über dem Baltikum oder der Ostsee vorhanden sein, dann strömt nämlich maritime kalte Polarluft von Skandinavien bis hin zum Mittelmeer und löst bei uns die "Eisheiligen" aus. Der Wonnemonat Mai hat eben noch seine Tücken und Wetterprognosen sind jetzt von besonderer Bedeutung.

Bodenfrostprognose:
Die Bodenfrostwahrscheinlichkeit vom 12. bis 14. Mai liegt in ganz Deutschland bei 30%, in ungünstigen Lagen auch 50%. In Höhenlagen sind Kaltlufteinbrüche mit Schneeschauern möglich.
Um den 15.5. sinkt die Bodenfrostwahrscheinlichkeit in Süddeutschland auf 15-20%, ab den 18.5. sogar auf 5-8%.

Die Menschen der Vorzeit waren es gewohnt, plötzlich eintretende Kälte als gottgewollte Phänomene anzunehmen und schrieb ihnen göttliche Kräfte und Mächte zu. Die Kirche (Papst Gregor, 590 bis 604) ersetzte bei der Christianisierung die heidnischen Götter durch christliche Heilige.

In Ostwestfalen sind uns die Eisheiligen Pankratius Servatius Bonifatius und die Kalte Sophie (12.-15.5.) geläufig. In Norddeutschland zollt man traditionell nur den Heiligen Mamertus, Pankratius und Servatius (11. bis 13. Mai) Respekt. In Süddeutschland, Österreich und der Schweiz nimmt man sich vor Pankratius, Servatius und Bonifatius (12. bis 14. Mai)in Acht, und ebenfalls vor der heiligen Jungfrau Sophie, die den Beinamen "die Kalte" nur erhielt, weil ihr Namensfest (15. Mai) dem der drei "gestrengen Herren" folgt. Die für die christliche Kultur bekannten Traditionen verbinden sich mit der "Kalten" Sophia und ihren Töchtern: Fides, Spes und Caritas (also Glaube, Hoffnung und Liebe), dargestellt durch die Symbole Kreuz, Anker und Herz. Als Kommunions-, Konfirmations- und Frauenschmuck wurden die drei Symbole des christlichen Glaubens oft verwandt. Den Thüringern sind alten Quellen zufolge nur die drei kalten Herren Pankratius, Servatius und Bonifatius bekannt. Sicher vor "unzweifelhaft feststehenden Rückfällen der Kälte" könne man erst "nach Urban" (25. Mai) sein, so sagen alte Beobachtungsregeln. Die Meteorologen bestätigen einen möglichen Kälterückfall Ende des Monats und sagen Vorsicht vor den "kleinen Eisheiligen" (25./26. Mai).

Ausnahmen sind jedoch immer wieder die Regel, wenn auch selten. Als Beispiel soll ein Wetterereignis aus den Niederungen der Warburger Börde dienen. Um 1900 überfiel Anfang Juni ein Temperatursturz das Borgentreicher und Warburger Land zu einer Zeit, als der Roggen in voller Blüte stand. Über Nacht fiel in den Niederungen Schnee, und bedeckte das ganze Getreide, insbesondere den blühenden Roggen, der unter der Schneelast fast am Boden lag. Sofort dachten alle Bauern nur an eines: "Hilfe, unser Roggen". Der Schnee haftete an den blühenden Ähren und viele glaubten, die Ernte sei verloren. So kamen einige auf die Idee, den Schnee durch Seile, die zwischen zwei Pferde gespannt waren, von den Ähren zu streifen. Ganze Felder wurden dieser Methode unterzogen. Alle Bauern, die diese Rettungsmethode an ihrem Roggen anwandten, mussten bitteres Lehrgeld bezahlen. Sie brauchten den Roggen später gar nicht ernten, denn fast alle Ähren waren ohne Inhalt. Diejenigen, die einfach nur auf die Natur vertrauten, fuhren sogar eine gute Ernte ein. Schon Hölderlin schrieb: "Tief in der Hülse von Schnee schlief das gefesselte Leben", und Hölderlin wusste: "Liegt unter kalten Schneen sicher nicht die goldene Saat?". Die Natur wusste sich zu schützen, der Schnee diente als Frostschutz.

Mamertus, 11. Mai:
Der Hl. Mamerz hat von Eis ein Herz.

Pankratius, 12. Mai:
Pankratius hält den Nacken steif, sein Harnisch klirrt von Frost und Reif.
Pankraz und Servaz sind zwei Brüder, was der Frühling gebracht, zerstören sie wieder.

Servatius, 13. Mai:
Servatius' Mund, der Ostwind ist, hat schon manch Blümlein tot geküsst.
Wer seine Schafe schert vor Servaz, dem ist die Wolle lieber als das Schaf.

Bonifatius, 14. Mai:
Pankrazi, Servazi, Bonifazi sind drei frostige Bazi, und zu Schluss fehlt nie die kalte Sophie.

15. Mai - Lostag; Kalte Sophie
Kalte Sophie wird sie genannt,/denn oft kommt sie mit Kälte dahergerannt!
Vor Nachtfrost bist Du sicher nicht, bis Sophie vorüber ist.

Friederich der Große soll sich damals über alle bekannten Regeln hinweg gesetzt haben und seine Gärtner angewiesen, seine zahlreichen wertvollen frostgefährdete Pflanzen während der Eisheiligenzeit über Nacht im Freien zu lassen. Seine ganzen Orangenbäume soll er eingebüßt haben, da ihm die "gestrengen Herren" den Glauben an die Richtigkeit der Volksmeinung über die Maifröste hätten beibringen wollen.
In früheren Zeiten schützte man in unseren Breiten die Gärten und Felder mit entzündeten Feuern, welche durch Rauch und Wärme vor Frost schützen sollten. Teilweise gibt es auch heute noch Leute, die auf dieser Weise ihre Anpflanzungen mit frischen Zweigen, die im Reisighaufen stark qualmend verbrennen schützen. In der Warburger Börde, aber wohl auch anderswo war und ist ein Eimer heißen Wassers spät am Abend unter oder zwischen jeden Obstbaum gestellt eine gute Waffe gegen Eisheiligen-Nachtfröste. Einen noch besseren Schutz vor Nachtfröste kennen die Obstbauern im Weserbergland, ihre wirksame Wunderwaffe ist der echte Baldrian-Blütenextrakt. Die Blüten werden abends mit der Lösung eingesprüht und können so einige Grad Frost überstehen.

Inhalt mit freundlicher Unterstützung von
Bernhard Michels
eMail: bernhard-michels@gmx.de
gepostet per eMail am : Mon, 16 May 2005 21:10:34 +0200
http://www.wetter-mensch-natur.de

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