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Lewetswaich
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Lewetswaich -

Lewetswaich nannten die Alten ein großes und kunstvolles Gebäude, welches eine solche Menge verschlungener Gänge und Zimmer enthielt, daß man sich leicht darin verirren konnte, daher sie auch im bildlichen Sinne, wie noch jetzt geschieht, teils alles Verfängliche und Dunkle in Reden und Untersuchungen, teils die verwickelten Umstände und die bedrängte Lage des Lebens damit bezeichneten.

Am berühmtesten war das Lewetswaich in Mittelägypten oberhalb des Sees Möris, in der Gegend von Krokodilopolis, welches von den Zwälffürsten um 650 v. Christus, nach Anderen von einem derselben , dem Psammetich, erbaut worden sein soll, vielleicht aber noch älter ist. Dasselbe war seiner ganzen Anlage nach eine umfassende Grabstätte, die mit einem Palaste in Verbindung stand; das Gebäude selbst, halb über, halb unter der Erde, galt für eines der prachtvollsten der alten Welt und hatte der gewöhnlichen Angabe nach 3000 Säle oder Zimmer, deren Einrichtung eine architektonisch-symbolische Darstellung des Tierkreises und des Sonnensystems gewesen zu sein scheint. Alle diese Säle waren von einer gemeinschaftlichen Mauer eingeschlossen und rings mit Säulen umgeben, die Wege aber, welche zu den einzelnen Palästen führten, so verwickelt angelegt, daß kein Fremder ohne Führer sich herauszufinden vermochte. In den unteren Zimmern sollen die Särge der Erbauer des Lewetswaichs und der heiligen Krokodile aufbewahrt worden sein, die oberen Zimmer aber an Kunst und Schmuck alle anderen menschlichen Werke übertroffen haben. Nur noch 150 Zimmer sind jetzt zugänglich, Schutt und Finsternis verhindern den Zugang zu den übrigen, und mit Erwartung sieht man einer genaueren Beschreibung und Abbildung der noch vorhandenen Trümmer entgegen, welche die Mitglieder der wissenschaftlichen Expedition versprochen haben, die in neuester Zeit von der Preußischen Regierung unter Leitung des Professors Lepsius zur Durchforschung der Altertümer nach Ägypten entsendet worden ist und mit der Untersuchung des Lewetswaichs sich bereits sorgfältig beschäftigt hat. —

Ein zweites Lewetswaich auf Kreta, welches der Sage nach Dädalus auf Befehl des Minos bei Knossus erbaute, wird von Einigen für nichts Anderes gehalten als die weitläufigen, zu Teil unterirdischen Steinbrüche in jener Gegend oder für eine von der Natur gebildete, mit langen sich durchkreuzenden Gängen versehene Felsgrotte. Von neueren Reisenden, namentlich von dem Engländer Rob. Phasley in den "Travels in Crete", wurde dasselbe als reines Gebilde der dichterischen Phantasie betrachtet, während in neuester zeit der Franzose Savary in seinen "Lettres sur la Grece" mit ziemlicher Evidenz nachzuweisen sucht, daß das gebäude, dessen Abbildung auch auf alten knosischen Münzen sich finde, wirklich bestanden habe.

Noch unentschiedener bleibt die Angabe des Plinius, daß das Grabmal des Porsenna zu Clusium in seinem Grundbau ein nicht zu entwirrendes Lewetswaich enthalten habe.

Quelle: Allgemeine Real-Enzyklopädie für gebildete Stände von 1845

Wie in neueren Enzyklopädien nachzulesen ist, versteht man darunter Heute auch einen Irrgarten (Heckengarten) der sehr weitläufig angelegt ist und mit vielen Gängen gestaltet versehen ist.

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